Seit 1. Mai gilt der Tankrabatt. Bundestag und Bundesrat haben der Senkung der Energiesteuer um rund 17 Cent pro Liter für zwei Monate zugestimmt. Damit will die Regierung die Bürger und die Wirtschaft vor hohen Spritpreisen entlasten. Damit entgehen dem Bund Steuereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro. Auch deshalb stellt sich die Frage, ob der Tankrabatt am Ende auch tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt.
- Zum Artikel: Tankrabatt beschlossen – was jetzt gilt
Erste Preisrückgänge am Freitagmorgen
Ob der steuerliche Rabatt in Höhe von 16,7 Cent komplett weitergegeben wird, lässt sich noch nicht beurteilen. Allerdings zeigen erste Eindrücke vom Freitagmorgen Preisrückgänge. Beim Blick in die Tankstellen-App des ADAC zeigten sich vielerorts bereits Preise unter zwei Euro - insbesondere beim günstigeren Superbenzin der Sorte E10, teilweise auch bei Diesel.
In München kostete E10 kurz nach 6.00 Uhr bei den meisten angezeigten Tankstellen deutlich unter zwei Euro - teilweise sogar weniger als 1,90 pro Liter. Bei Diesel wurde die Zwei-Euro-Marke in mehr als der Hälfte der Fälle unterschritten.
Tankstellen: Rabatt kann nicht unmittelbar weitergegeben werden
Der Bundesverband freier Tankstellen (bft) argumentiert: Der Tankrabatt kann an diesem Wochenende nur verzögert weitergegeben werden, da der Kraftstoff, der jetzt an diesem Wochenende in den Tanks lagert, noch zur höheren Energiesteuer eingekauft und versteuert wurde.
Auch Simone Thaysen, Sprecherin des mittelständischen bayerischen Tankstellenunternehmens Allguth GmbH, sagt, der Tankrabatt werde nicht zum 1. Mai weitergegeben. "An Sonn- und Feiertagen sind die Raffinerien geschlossen. Das heißt, erst ab Montag können wir erstmals Kraftstoff zum reduzierten Steuersatz ab der Raffinerie einkaufen. Deshalb ist unserer Meinung nach damit zu rechnen, dass die Entlastung an der Zapfsäule erst mit ein paar Tagen Verzögerung ankommen kann."
Empfehlung: Tanken noch etwas verschieben
Nach dem langen Wochenende werde man versuchen den Treibstoff so schnell wie möglich an die Tankstellen zu bekommen, und die Rabattierung an die Kunden weiterzugeben. Auch bft-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik betont, dass der Rabatt hundertprozentig weitergegeben werde, sobald der günstiger eingekaufte Kraftstoff verkauft wird.
ADAC dämpft Erwartungen: Preise werden wohl nicht sofort sinken
Nach Angaben des ADAC ist es fraglich, ob sich der Rabatt sofort und vollumfänglich auf die Kraftstoffpreise auswirken wird. Man müsse mit einem schrittweisen Rückgang rechnen.
ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh sagt, die Mineralölkonzerne seien sich bewusst, dass sie jetzt genau beobachtet werden, und fordert: "Wir erwarten, dass die Mineralölkonzerne die Energiesteuersenkung tatsächlich vollumfänglich an die Verbraucher weitergeben. 17 Cent ungefähr beträgt der Betrag, um den Preise sinken können, und das müssen Mineralölkonzerne unbedingt auch an die Verbraucher direkt weitergeben."
Es gibt große Preisunterschiede an bayerischen Tankstellen. Auch weiterhin gilt die 12-Uhr-Regel, wonach die Preise an Tankstellen nur einmal am Tag, um 12 Uhr Mittag, steigen dürfen.
Bundeskartellamt: Erwarten Entlastung für Verbraucher
Kartellamtschef Andreas Mundt hat in einem Interview mit dem rbb darauf hingewiesen, dass hohe Preise nicht verboten sind. Trotzdem geht er davon aus, dass die Konzerne die Steuersenkung weitergeben und ihre Preise senken werden.
Eine Verpflichtung die Preise zu senken, bestehe jedoch nicht. "Die Unternehmen, die es nicht machen würden, würden sich auch nicht rechtswidrig verhalten, zumindest würden sie nicht gegen Kartellrecht verstoßen", sagte Mundt.
Forscher: 2022 wurde der Tankrabatt nur teilweise weitergegeben
Doch wie geht es in den kommenden Monaten weiter? Einen Hinweis liefert die jüngere Vergangenheit: 2022 hatte die Ampel-Regierung wegen des Ukraine-Kriegs die Energiesteuer auf Kraftstoffe für drei Monate gesenkt.
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat die Entwicklung dieses Tankrabatts ausgewertet. Das Ergebnis: Über die drei Monate wurden im Schnitt beim Diesel 87 Prozent und bei E10 71 Prozent des Rabatts an die Kunden weitergegeben. Demnach wurde der Rabatt im ersten Monat fast komplett an die Kunden weitergegeben, in den folgenden zwei Monaten haben die Tankstellen den Rabatt dann immer weniger an die Kunden weitergereicht. Laut Forschern gab es dabei große regionale Unterschiede: In einkommensstarken Bundesländern wurde der Rabatt weniger weitergegeben. Besonders wenig übrigens in Bayern.
Auch jetzt gehen einige Fachleute davon aus, dass der Tankrabatt nicht vollständig an der Zapfsäule ankommt. In welchem Umfang der Rabatt in den nächsten zwei Monaten tatsächlich weitergegeben wird, bleibt abzuwarten. Der ADAC rät weiter zum Vergleich zwischen Tankstellen, denn die Unterschiede zwischen den Tankstellen werden wohl hoch bleiben.
Mit Informationen von dpa
Zum Hören: Wie schnell profitieren Verbraucher vom Tankrabatt?
(Symbolbild) Der Tankrabatt kommt – doch wie schnell profitieren Verbraucher?
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