2.000 Meter Fels: Blick auf die verschneite und schattige Eiger-Nordwand.
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Vor 90 Jahren wurde die Eiger-Nordwand für die beiden bayerischen Kletterer Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer zur Todesfalle.
Bildrechte: picture alliance / imageBROKER | Maksim Zabarovskii
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Vor 90 Jahren wurde die Eiger-Nordwand für die beiden bayerischen Kletterer Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer zur Todesfalle.

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90 Jahre Eiger-Drama: Als die Nordwand zur "Mordwand" wurde

90 Jahre Eiger-Drama: Als die Nordwand zur "Mordwand" wurde

Vor 90 Jahren wollen zwei junge Bayern das von den Nazis überhöhte "letzte Problem der Alpen" lösen: die Eiger-Nordwand. Doch das Wetter kippt und kostet alle das Leben. Besonders tragisch stirbt damals Toni Kurz – wenige Meter vor seinen Rettern.

Über dieses Thema berichtet: Rucksackradio am .

Die Eiger-Nordwand ist eine der berühmtesten Felswände der Alpen: knapp 2.000 Meter hoch, dunkel, abweisend, dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Mit ihr verbinden sich abenteuerliche Besteigungsgeschichten und viele Tragödien.

Genau 90 Jahre ist es her, dass zwei junge Bayern, Toni Kurz aus Berchtesgaden und Anderl Hinterstoißer aus Bad Reichenhall, in diese Wand einstiegen – um sie als Erste zu durchsteigen. Was folgte, war ein Drama, das bis heute nachwirkt.

Zwei Namen, die in Berchtesgaden weiterleben

Nicht mehr viele sind heute mit der dramatischen Besteigungsgeschichte der Eiger-Nordwand vertraut. Doch wer Suitbert Kastner fragt - genannt Berti - der spürt, wie präsent ihm Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer noch sind. Kastner kommt vom Königssee, Jahrgang 1934, und gehört zu einer Bergsteiger-Generation, in der die Geschichten der damaligen Spitzenkletterer noch bis ins Detail weitererzählt wurden. In der Jungmannschaft des Alpenvereins, erzählt Kastner, seien die beiden "ein fester Begriff" gewesen.

Für junge Bergsteiger waren diese Namen nicht nur Geschichte, sondern Maßstab und Verheißung. Immer wieder, sagt Kastner, habe man ihnen vor Augen geführt, "was die schon für grandiose Touren gemacht haben". Das habe begeistert und junge Bergsteiger im "jugendlichen Leichtsinn" dazu gebracht, diesen Vorbildern nacheifern zu wollen.

Weitererzählt: Die Geschichte des Eiger-Dramas 1936

Erstaunlich ist, wie sehr Kühnheit und Leistungsfähigkeit der damaligen Ausnahmekletterer ihr tragisches Ende und den Kontext der aufkommenden NS-Ideologie bis heute überstrahlen. Toni Kurz war 23 Jahre alt, Anderl Hinterstoißer 21. Zwei junge Bayern aus dem Berchtesgadener Land, beide bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall, beide schon früh außergewöhnliche Kletterer. Sie hinterließen in den Berchtesgadener Alpen eine Liste klingender Routennamen, die bis heute legendär sind.

Die Geschichte um das Drama, das sich nach dem Einstieg am 18. Juli 1936 abspielte, sagt Kastner, habe er "noch immer intus". Er war selbst mehr als 70 Jahre bei der Bergwacht. 1961 verbrachte er während eines Rettungseinsatzes eine dramatische Biwaknacht mit Ludwig Gramminger, einem Pionier der Bayerischen Bergwacht. Gramminger war 1936 am Eiger im Rettungseinsatz dabei gewesen – und erzählte Kastner später, die damalige deutsche NS-Regierung habe eigens eine Ju 52 bereitgestellt, mit der eine vier- oder sechsköpfige Bergwacht-Mannschaft direkt in die Schweiz fliegen konnte.

Der Quergang, nach dem es kein Zurück mehr gab

Die lange, für alle Beteiligten fürchterliche Geschichte, geht kurz erzählt so: Noch im unteren Teil der Wand schließen sich die beiden Bayern mit den Österreichern Willy Angerer und Eduard Rainer zusammen. Gemeinsam überwinden sie mit einer von Anderl Hinterstoißer entwickelten Pendeltechnik jene Querung, die bis heute als Hinterstoißer-Quergang bekannt ist. Als die vier die Passage gemeistert haben, ziehen sie das Sicherungsseil ab. Der Weg zurück ist damit versperrt.

Kastner kann sich in die beiden jungen Männer hineinversetzen. In seinem eigenen jugendlichen Alter, sagt er, wäre er vielleicht ähnlich veranlagt gewesen: eine gewaltige Tour, ein Versuch, vielleicht gelingt es. Zugleich nennt er es "ein bisschen unverständlich", dass man nicht weitergedacht habe. Und dennoch der Gedanke: Wird schon gut gehen.

Tod im Sturm – und ein Mythos für die Presse

Es ging nicht gut. Nach einem Wettersturz mussten die vier oberhalb des sogenannten Todesbiwaks umkehren – dort, wo ein Jahr zuvor schon zwei Münchner Bergsteiger gestorben waren. Im Sturm seilten sie ab. Schnee und Sturzbäche lösten Steinschlag aus. Beim Abseilen kamen drei der vier Kletterer ums Leben. Nur Toni Kurz überlebte noch eine grausame vierte Nacht in der Wand.

Am Ende starb auch Kurz wenige Meter über den Rettern, weil sich ein Seilknoten verklemmt hatte. Das Drama war schon damals ein Medienereignis. Von der Kleinen Scheidegg aus versuchten Schaulustige und Reporter mit Fernrohren, den Überlebenskampf in der Wand zu verfolgen.

Die Nationalsozialisten, deren Heldenideologie den Ehrgeiz junger Männer anstachelte, verklärten die Toten zu Märtyrern und Vorbildern. So wurde Bergsteigen damals auch zu einer Vorschule für den späteren Krieg. Übrig blieb eine Geschichte, die bis heute ins Herz trifft: eine Geschichte von Können und Übermut, von Kameradschaft und Scheitern, in einer Wand, die zum Mythos wurde.

💡 Der Mythos: Die Eiger-"Mordwand"

Die Nordwand des Eigers im Berner Oberland in der Schweiz fasziniert und fordert Bergsteiger bis heute weltweit heraus. Sie galt in den 1930er Jahren als das letzte große ungelöste "Problem der Alpen", da Matterhorn und Grandes Jorasses bereits bezwungen waren.

Vor der erfolgreichen Erstbesteigung forderten zahlreiche Dramen und wochenlange Rettungsversuche – darunter die berühmte Tragödie um Toni Kurz im Jahr 1936 – das Leben mehrerer Bergsteiger. Dies brachte der Wand in der Presse den berüchtigten Beinamen "Mordwand" ein.

Erst am 24. Juli 1938 gelang den Alpinisten Anderl Heckmair, Ludwig Vörg, Heinrich Harrer und Fritz Kasparek die legendäre und lebensgefährliche Erstbesteigung.

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