Das betroffene Lokal. Die zerstörte Scheibe ist notdürftig abgeklebt.
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Anschlag auf israelisches Restaurant: Bekennervideo aufgetaucht

Anschlag auf israelisches Restaurant: Bekennervideo aufgetaucht

In einem Video im Internet beansprucht die proiranische Terrorgruppe "Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya" (Hayi) den Anschlag auf ein israelisches Restaurant in München für sich. Sicherheitsbehörden prüfen derzeit die Authentizität des Videos.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Nach dem Sprengstoffanschlag auf ein israelisches Restaurant in München ist im Internet ein mutmaßliches Bekennervideo veröffentlicht worden. In dem Video beansprucht die proiranische Terrorgruppe "Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya" (Hayi) die Tat für sich. Übersetzt heißt die Gruppe "Bewegung des islamischen rechten Volkes". Deutsche Sicherheitsbehörden untersuchen aktuell, ob das Video tatsächlich authentisch ist.

Sollte sich die Vermutung bestätigen, wäre es der erste Anschlag dieser Gruppe in Deutschland. Die Generalstaatsanwaltschaft München teilte dem BR auf Anfrage mit, dass das Video Gegenstand der Ermittlungen sei, will sich aber nicht weiter äußern aufgrund des laufenden Verfahrens.

"Dass der lange Arm des iranischen Regimes nun auch München erreicht, ist schockierend und beängstigend – aber leider keine völlige Überraschung", sagte Guy Katz, Gründer der Initiative "München gegen Antisemitismus", dem BR. Der Iran habe "mehrfach offen angekündigt, weltweit zu operieren, selbst in Phasen eines offiziellen Waffenstillstands", so Katz.

Video zeigt Lageplan des Restaurants - und weitere Warnungen

Das rund 30 Sekunden lange Video beginnt mit einer schriftlichen Drohung, die neben Deutsch auch auf Hebräisch eingeblendet wird. In der deutschen Fassung heißt es sinngemäß, der Angriff hätte auch am Tag stattfinden können, mit tödlichen Folgen für "Zionisten". Zudem wird davor gewarnt, sich entsprechenden Einrichtungen zu nähern.

Anschließend sind ein Lageplan sowie ein Bild des betroffenen Restaurants zu sehen. Begleitet von dramatischer Musik erscheint ein Fadenkreuz mit der Bezeichnung "The Target". Zum Schluss zeigt das Video zusammengeschnittene Medienaufnahmen von der Spurensicherung am Tatort sowie das Emblem der Gruppierung.

Authentizität des Videos wird geprüft

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wird die Authentizität des Videos derzeit intensiv geprüft, auch das Bundesamt für Verfassungsschutz ist nach BR-Informationen offenbar eingeschaltet. Die Gruppe "Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya" hat sich zuletzt mehrfach zu Brandanschlägen auf jüdische Einrichtungen in Europa bekannt: etwa im März auf Synagogen in Lüttich und Rotterdam, ein jüdisches Gemeindehaus in Griechenland und eine jüdische Schule in Amsterdam.

Seit dem 9. März habe die Gruppe mehrere Anschläge auf jüdische, "zionistische" und amerikanische Ziele in Belgien, den Niederlanden, Griechenland, dem Vereinigten Königreich, Nordmazedonien und Deutschland für sich reklamiert, sagte Matthew Schierer von der NGO "Middle East Media Research Institute" (MEMRI) dem BR. MEMRI beobachtet extremistische Inhalte im Netz und wertet sie aus.

Bekennerschreiben und Videos der Taten wurden im Messenger Telegram verbreitet – über Kanäle, die dem iranischen Regime nahestehen. Die Gruppe war erst nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran in Erscheinung getreten. Auf Anfrage des BR heißt es aus Sicherheitskreisen, dass man davon ausgeht, dass das iranische Regime Einfluss auf diese Gruppe nimmt.

Experte: Warum der Iran wahrscheinlich hinter den Anschlägen steckt

Hans-Jakob Schindler von der transatlantischen Denkfabrik "Counter Extremism Project" hält es sogar für möglich, dass das Regime selbst als Auftraggeber hinter den Anschlägen steckt – als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels.

Schindler sagte dem BR, dass die jüngsten Vorfälle in München, bei denen es bislang keinen Personenschaden gegeben habe, auf ein bewusst abgestuftes Vorgehen hindeuteten. Es spreche vieles dafür, dass bei allen Anschlägen zunächst gezielt nur Sachschäden verursacht würden, um sich eine spätere Eskalation offenzuhalten.

Hinweise sprechen gegen organisiertes Netzwerk

Zugleich betonte Schindler, dass nach bisherigen Erkenntnissen keiner der Anschläge tatsächlich von einer klar strukturierten Terrorgruppe verübt worden sei. Vielmehr handele es sich bei der genannten Gruppierung um eine Art ideologische Überschrift. So habe es etwa nach Anschlägen in Paris, London und den Niederlanden bereits Festnahmen gegeben.

Die Verdächtigen seien überwiegend sehr jung gewesen, meist zwischen 15 und 19 Jahren, was gegen das Vorliegen eines organisierten Netzwerks spreche. Stattdessen deute vieles darauf hin, dass einzelne Personen gezielt mit Aufträgen betraut worden seien, mutmaßlich durch den Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden.

Auch Unstimmigkeiten in den Bekennerschreiben – etwa unterschiedliche Schreibweisen religiöser Begriffe – wertet Schindler als Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine einheitlich agierende Gruppe handle. Vielmehr solle durch diese Konstruktion der Eindruck einer koordinierten Terrororganisation erzeugt werden.

Iran unter Druck

Insgesamt füge sich dies in das Bild einer hybriden Strategie ein, bei der das iranische Regime unter wachsendem Druck stehe und versuche, durch gesteuerte, aber nach außen diffus wirkende Aktionen Einfluss zu nehmen und gleichzeitig Verantwortlichkeiten zu verschleiern. Und es könnte noch weiter eskalieren, so Schindler.

Laut der NGO MEMRI hat die Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya mit weiteren Anschlägen und dem möglichen Einsatz radioaktiver oder chemischer Stoffe gedroht. Sie rief dazu auf, "zionistische Zentren" zu meiden.

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