Polizeibeamte sichern Spuren vor einem israelischen Restaurant, in dem nach einem Angriff Scheiben zerstört wurden.
Polizeibeamte sichern Spuren vor einem israelischen Restaurant, in dem nach einem Angriff Scheiben zerstört wurden.
Bild
Bei der Attacke auf ein israelisches Restaurant in München gingen Fensterscheiben zu Bruch
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel
Audiobeitrag

Bei der Attacke auf ein israelisches Restaurant in München gingen Fensterscheiben zu Bruch

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

Bestürzung nach Angriff auf israelisches Restaurant in München

Bestürzung nach Angriff auf israelisches Restaurant in München

Zerstörte Fensterscheiben – und viele Fragen. Weiterhin ist unklar, wer hinter dem Angriff auf ein israelisches Restaurant in der vergangenen Nacht in München steckt. Ein antisemitisches Motiv wird vermutet. Am Abend gab es eine Solidaritätsdemo.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Zwei etwa ein Quadratmeter große Löcher klafften am Morgen in den Fensterscheiben des israelischen Restaurants "Eclipse" in der Münchner Maxvorstadt. Der Schaden wurde nach Angaben von Oberstaatsanwalt Andreas Franck vermutlich von einem Sprengkörper verursacht, der am Schaufenster des Restaurants gezündet wurde. Experten vermuten, dass es sich dabei um bei uns verbotene Böller gehandelt haben könnte. Da sich die Tat nach Mitternacht ereignete, war das Lokal bereits geschlossen. Es gab keine Verletzten, aber einen geschätzten Sachschaden von mehreren tausend Euro.

Ermittlungen wegen möglichem Antisemitismus

Gegen 0.45 Uhr war die Polizei von Anwohnern informiert worden, nachdem drei laute Knallgeräusche in der Heßstraße zu hören waren. Weil die Vermutung besteht, dass hinter der Sachbeschädigung ein politisch motivierter Angriff auf das Restaurant stecken könnte, hat inzwischen der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz, der bei der Generalstaatsanwaltschaft angesiedelt ist, die Ermittlungen übernommen. Die Details sollen derzeit Zeugenbefragungen sowie mehrere technische Experten, darunter Brandsachverständige aufklären.

"Wir machen hier keine Politik, wir machen leckeres Essen"

Steht der Angriff in Zusammenhang mit dem aktuellen Vorgehen Israels im Libanon, sowie der Beteiligung des Landes an den Angriffen auf Iran? Auch der Geschäftsführer des Restaurants hatte diesen Verdacht bereits am Morgen geäußert. Grigori Dratva betonte aber, dass es noch nie konkrete Drohungen gegen sein Lokal gegeben habe: "Es gab natürlich ab und an die üblichen Kleinigkeiten. Vor allem nach dem 7. Oktober gab es einige schlechte Bewertungen oder Leute, die zum Boykottieren aufgerufen haben. Wir sind immer und auch weiterhin der Meinung, wir machen hier keine Politik, wir machen leckeres Essen und bewirten unsere Gäste und das wollen wir auch weiter tun."

OB Krause: Antisemitismus entschieden entgegentreten

Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, bezeichnete den Angriff als "feigen und zutiefst bestürzenden Akt des Antisemitismus". Gady Gronich, Generalsekretär der in München ansässigen Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) erklärte: "Dieser Anschlag ist kein Einzelfall, sondern Teil eines gefährlichen Trends, den wir seit dem 7. Oktober 2023 sehen: wachsender Hass gegen Juden – offen, aggressiv, enthemmt." Münchens neu gewählter Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) forderte: "Über den heutigen Tag hinaus sind wir alle dazu aufgefordert, Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Bereichen klar und entschieden entgegenzutreten."

Auch die Lagergemeinschaft Dachau verurteilte die Attacke aufs Schärfste. "Dieser antisemitische Angriff steht leider nicht für sich allein", schreibt der Verein am Samstag in einer Pressemitteilung. Auch rechtsextreme Schmierereien und Angriffe in Dachau – etwa auf das Jugendzentrum "Freiraum" – zeigten: München und Dachau seien keine Einzelfälle, es gehe um eine "sichtbare und gewaltbereite rechte Bedrohung." In Dachau hatten Unbekannte am Faschingswochenende rechtsextremistische Symbole und Schriftzüge auf den Hintereingang des dortigen Jugendzentrums gesprüht.

Restaurant wieder geöffnet – 300 Menschen kommen zu Solidaritätsdemo

Nachdem die kaputten Scheiben notdürftig verklebt wurden, hat der Betreiber sein seit 2007 existierendes Restaurant am Nachmittag wieder regulär geöffnet. Im Innenbereich hat es keinen größeren Schaden gegeben. Um 17 Uhr fand zudem eine Solidaritätskundgebung gemeinsam mit den Betreibern vor dem Restaurant statt. Rund 300 Menschen versammelten sich dort. Dazu aufgerufen hatte Guy Katz von der Initiative "Run for their lives", die sich nach dem 7. Oktober 2023 als Reaktion auf den Angriff auf Israel gegründet hat. Dem Aufruf angeschlossen hat sich auch das Bündnis "München ist Bunt!".

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und Guy Katz hielten Ansprachen. Einige Teilnehmer hatten Schilder dabei – darauf stand etwa "München ist bunt", "Kein Platz für Antisemitismus" oder "Nie wieder ist jetzt".

Zum Video: Attacke auf israelisches Restaurant in München

Ein großes Loch in einer der Fensterscheiben.
Bildrechte: BR/Henning Pfeifer
Videobeitrag

Unbekannte haben ein israelisches Restaurant in München angegriffen und mehrere Fensterscheiben zerstört.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!