Zwei Jugendliche mit ihren Smartphones (Symbolbild)
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App vorgestellt: Nach 21 Tagen weniger am Smartphone hängen?

App vorgestellt: Nach 21 Tagen weniger am Smartphone hängen?

Mehr Offline-Zeit, weniger Daddeln bei Social Media: Eine vom Bundessuchtbeauftragten vorgestellte kostenlose App soll Jugendlichen und ihren Eltern helfen. Wie genau, warum das Thema auch Erwachsene betrifft und welche weiteren Tipps hilfreich sind.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Soziale Netzwerke, Messenger, Spiele-Apps: Viele Jugendliche hängen täglich stundenlang am Smartphone. Während die Debatte um ein mögliches Social-Media-Verbot bis 14 Jahren weiter läuft, hat der Bundessuchtbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) in Berlin ein milderes Gegenmittel vorgestellt – die kostenlose App "freii" (externer Link). Sie soll helfen, den Verlockungen des eigenen Smartphones bewusster zu begegnen und wieder mehr Offline-Zeit ohne Bildschirm vor der Nase zu verbringen.

Das Angebot richtet sich an 11- bis 15-Jährige. In einer dreiwöchigen "Challenge" erhalten sie täglich kurze Aufgaben, mal allein, mal mit den Eltern. Das Smartphone mehrere Stunden wegschließen, Quizfragen beantworten, handylose Zeit mit Freunden draußen verbringen – das und mehr gehört dazu. Durch die App führen nicht Erwachsene, sondern vier junge Hosts. Es gibt zusätzlich einen Bereich für Eltern, mit dem Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen.

Smartphone-Gesellschaft: Sorge vor psychischen Problemen

Hirschhausen betont bei der App-Vorstellung: "Wir haben eine Gesellschaft, die dringend darauf angewiesen ist, wieder zu wissen, wie echtes Miteinander funktioniert." Der Bundessuchtbeauftragte Streeck sagt: Viele Kinder und Jugendliche würden weniger mit Freunden spielen, seltener mit den Eltern essen, zu wenig schlafen. "Das führt zu Konzentrationsstörungen, das führt zu psychischen Problemen", am Ende auch zu Schlafstörungen und vielleicht Depressionen.

Gleichzeitig betont Streeck, dass es nicht nur um die Länge der Nutzung gehe – sondern um den richtigen Umgang. Digitale Medien böten viele Chancen, aber auch Risiken. Laut den Entwicklern von der Villa Schöpflin in Lörrach, einem Zentrum für Suchtprävention, soll die App stetig ergänzt werden. Es handle sich um ein "Präventionsmittel", das eine Balance in die Mediennutzung bringen solle – nicht um ein therapeutisches Angebot. Auch an Schulen soll die App zum Einsatz kommen.

Schülersprecherin Bäuerlein: "Schon wieder eine Stunde vorbei"

Apps für einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone seien grundsätzlich eine gute Idee, sagt Jana Bäuerlein vom Landessschülerrat auf BR24-Anfrage. "Viele Jugendliche merken selbst, dass sie sehr viel Zeit am Handy verbringen. Man will eigentlich nur kurz was nachschauen – und schwupps, schon wieder eine Stunde vorbei."

Es brauche aber weitere Maßnahmen, betont Bäuerlein. "Noch mehr Medienbildung in der Schule, hilfreiche Bildschirmzeit-Gespräche mit den Eltern – und Erwachsene müssten im Alltag bessere Vorbilder sein." In der Schule beobachte man aber häufig, dass Lehrkräfte selbst während des Unterrichts privat am Handy seien. Auch viele Erwachsene klebten oft am Smartphone. Gleichzeitig seien Jugendliche vermutlich besonders betroffen: "Wir kommunizieren nun mal viel übers Smartphone – und auch an den Schulen geht der Trend ja zu immer mehr digitalen Lösungen."

BLLV-Präsidentin Fleischmann: "Die Welt ist digital"

Eine App, die Jugendliche, Eltern und Schulen anspreche, sei grundsätzlich gut. Das sagt Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, auf BR24-Anfrage. Nur die Schulen könnten die Aufgabe nicht lösen: Es gehe um "Medienkompetenz bei Eltern und bei Jugendlichen".

Fleischmann sieht großen Handlungsbedarf. "Wir haben leider psychiatrische und psychische Störungsbilder, die extrem zunehmen und auf das extreme Mediennutzungsverhalten zurückzuführen sind." Man habe bereits Zeit verschlafen. Deshalb brauche es jetzt einerseits ein europaweites Social-Media-Verbot bis zu einer bestimmten Altersgrenze und andererseits mehr Medienbildung auch in den Schulen. "Die Welt ist digital, sie wird nicht anders werden", betont die BLLV-Präsidentin.

App-Limits, keine Push-Mitteilungen, Orte ohne Smartphone

Wie nachhaltig Apps wie "freii" sind oder ob ihr Effekt nach der 21-Tage-Challenge schnell verpufft, ist offen. Belastbare Langzeitdaten fehlen. Es gibt viele weitere Möglichkeiten, die Bildschirmzeit zu reduzieren – ohne auf Verbote oder Null-Minuten-Versuche zu setzen. Hilfreich kann sein:

  • ein generelles Limit für die tägliche Bildschirmzeit festlegen
  • einzelne Apps zeitlich beschränken
  • Verzögerungs-Apps wie "One Sec" nutzen, um Social-Media-Zeit zu reduzieren
  • Push-Mitteilungen weitgehend ausschalten
  • Smartphone-freie Orte festlegen, etwa Bett oder Esstisch
  • das Smartphone häufiger zuhause lassen
  • den Bildschirm auf Graustufen stellen (bunte Farben wirken anziehender)

Entscheidend ist nach Ansicht von Fachleuten: Regeln für die Smartphone-Nutzung sollten gemeinsam vereinbart werden – und für Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen gelten.

Im Video: App hilft Kids - Bewusster mit Medien umgehen

Die kostenlose App "freii" soll Kindern einen achtsameren Umgang mit digitalen Medien vermitteln.
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Die kostenlose App "freii" soll Kindern einen achtsameren Umgang mit digitalen Medien vermitteln.

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