Eigentlich setzen sechs von zehn Wahlberechtigten in Deutschland auf europäische Lösungen in der Flüchtlingspolitik: Im ARD-DeutschlandTrend bezeichnen 59 Prozent es als sinnvoller, einen europäischen statt einen nationalen Ansatz bei der Migration zu verfolgen (minus 2 Prozentpunkte im Vergleich zu Januar 2025).
Trotzdem befürworten 71 Prozent eine Verlängerung der Kontrollen an den deutschen Grenzen über September hinaus, also eine nationale Lösung, wie aus der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap hervorgeht. Ein Viertel ist dagegen (24 Prozent).
Anhänger von AfD, Union und SPD mehrheitlich für Kontrollen
In der EU gilt zwar das Prinzip der offenen Grenzen. Um die Zahl der unerlaubten Einreisen zu verringern, führte aber bereits die Ampel-Regierung 2024 befristet wieder Kontrollen an allen deutschen Außengrenzen ein. Seitdem wurde die Regelung dreimal verlängert, zuletzt im Februar bis Mitte September. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte vor wenigen Tagen, an den Kontrollen festzuhalten: Um die bisherigen Erfolge beim Zurückdrängen der irregulären Migration zu erhalten, müssten "flexible und angepasste Binnengrenzkontrollen" aufrechterhalten werden.
Für eine erneute Verlängerung plädieren der Umfrage zufolge mit großer Mehrheit Anhänger der AfD (94 Prozent), der Union (77 Prozent) und der SPD (74 Prozent). Sympathisanten der Linken und Grünen halten längere Grenzkontrollen nur zu einem Drittel für richtig (35 und 33 Prozent).
ARD-DeutschlandTrend August 2026: Grenzkontrollen
Abschiebezentren außerhalb der EU: Jeder Zweite dafür
Pläne, für abgelehnte Asylbewerber Abschiebezentren außerhalb der EU einzurichten, befürwortet fast jeder Zweite: Für 49 Prozent gehen sogenannte "Return Hubs" in die richtige Richtung, für 38 Prozent in die falsche. Mehrheitlich für Abschiebezentren sind Anhänger der AfD (73 Prozent) und der Union (57 Prozent). Unter Sympathisanten von SPD, Grünen und Linken überwiegt Ablehnung.
Das EU-Parlament hatte im Juni solchen Abschiebezentren für abgelehnte Asylbewerber in Drittstaaten zugestimmt. Die Rückführungsverordnung erlaubt es Mitgliedstaaten, Zentren außerhalb der EU einzurichten. Dorthin sollen Ausreisepflichtige gebracht werden, die vorerst nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können.
Sorge vor islamistischer Gewalt
Am stärksten bedroht fühlen sich die Wahlberechtigten in Deutschland durch islamistische Übergriffe und Anschläge: Insgesamt 69 Prozent schätzen die Gefahr als "sehr groß" oder "eher groß" ein. Das ist ein Plus von neun Prozentpunkten gegenüber Juli 2019. Die Umfrage fand nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin statt, aber vor dem Drohnen-Fund am Flughafen Leipzig/Halle.
Um 15 Punkte zurückgegangen ist die Sorge vor rechtsextremen Übergriffen und Anschlägen: 56 Prozent fürchten diese Gefahr. 50 Prozent schätzen die Gefahr durch Linksextremisten als groß ein (+9). Anhänger der AfD fürchten sich vor allem vor islamistischer Gewalt (89 Prozent), Sympathisanten der Linken insbesondere vor rechtsextremistischer (79 Prozent).
ARD-DeutschlandTrend August 2026: Gefahr durch extremistische Gewalt
Jeder Dritte (33 Prozent) hat im öffentlichen Raum mindestens manchmal die Befürchtung, Opfer eines terroristischen Anschlags werden zu können. Am stärksten verbreitet ist die Sorge vor Diebstahl: Insgesamt 51 Prozent fürchten "manchmal", "häufig" oder "immer", dass ihnen etwas gestohlen wird. 49 Prozent haben die Sorge, dass sie beleidigt oder angepöbelt werden könnten. Die Befürchtung, geschlagen oder verletzt zu werden, haben 35 Prozent mindestens manchmal. Ein Viertel (24 Prozent) hat Angst, sexuell bedrängt zu werden.
Der ARD-DeutschlandTrend
Für den aktuellen ARD-DeutschlandTrend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 3. bis 5. August 2026 insgesamt 1.297 Wahlberechtigte in Deutschland (773 Telefoninterviews und 524 Online-Interviews). Es handelt sich um eine repräsentative Studie unter den Wahlberechtigten in Deutschland.
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