Symbolbild: Ein Rettungshubschrauber vom Typ Airbus H145 der Bundeswehr übt gemeinsam mit Rettungshundestaffeln der Bergwacht und der Malteser.
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Bergrettung: Was kostet es und wann zahlt man selbst?

Bergrettung: Was kostet es und wann zahlt man selbst?

Ohne passende Ausrüstung, ohne Plan und mit Kleinkindern machten sich drei Familien in Österreich zu einer Wanderung auf. Sie wurden gerettet. Den Einsatz müssen sie zahlen. Wie viel kostet das? Und in welchen Fällen bleibt man auf den Kosten sitzen?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Spontan sind sie zu einer Wanderung auf über 2.300 Metern über dem Meeresspiegel in Österreich angetreten – mit Kleinkindern und Kinderwägen. Sie gerieten in Bergnot und, wie die Tiroler Polizei mitteilte, mussten Rettungskräfte daraufhin insgesamt 36 Personen aus hochalpinem Gelände bergen.

Die befreundeten Familien seien kurzfristig von der Bergstation der Wildspitzbahn bei Sölden zu einer Wanderung aufgebrochen. Die Ausrüstung der Gruppe mit Erwachsenen, Jugendlichen und mehreren Kleinkindern sei "gleich null" gewesen, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Während der Wanderung gerieten die Familien mehrfach in unwegsames und risikoreiches Gelände und kamen teilweise vom markierten Weg ab. Schließlich setzten zwei Mitglieder der Gruppe einen Notruf ab. Die Kosten der Rettung müssen sie offenbar selbst zahlen.

Was kostet eine solche Bergrettung?

Zwei Rettungshubschrauber stiegen auf, um die Wanderer aus ihrer Notlage zu befreien. Mit den Helikoptern wurden 14 Personen geborgen, 4 davon mittels Seil. Weitere 22 Personen wurden von Bergrettern zu Fuß ins Tal gebracht. Der Einsatz wird teuer, Schätzungen zufolge womöglich bis zu 30.000 Euro.

Laut Tiroler Tageszeitung wird die Rechnung für die Rettung, die die Gruppe erhält, bei "um die 3.500 Euro" liegen, schätzt Franz Josef Fiegl, Leiter der örtlichen Bergrettung [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt]. Pro Stunde liegen die Kosten bei 1.244 Euro. Hinzu kämen die Kosten für die Hubschraubereinsätze. "Wir verrechnen in etwa 15.000 Euro", zitiert die Tiroler Tageszeitung den Salzburger Helikopter-Unternehmer Roy Knaus, dessen Hubschrauber Martin 8 an der Bergung beteiligt gewesen sei.

Auch die Nürnberger Versicherung [externer Link] und der ADAC geben an, die Kosten für eine Bergrettung [externer Link] liegen bei mehreren hundert Euro bis mehr als zehntausend Euro. In diesem Fall errechnen sich die enormen Kosten durch die große Anzahl an Menschen, die gerettet wurden. Sie wurden teils per Helikopter und Seilwinde vom Berg gebracht, teils zu Fuß begleitet von der Bergwacht.

Bergrettungen finanzieren sich neben der privaten Kostenübernahme oder Kostenerstattungen durch zum Beispiel Versicherungen noch durch weitere Faktoren: In Bayern etwa durch Spenden oder Zuwendungen vom Freistaat, erklärt Roland Ampenberger, Pressesprecher Bergwacht Bayern, gegenüber dem BR. Ein großer Anteil an den Kosten entfalle nicht auf den Rettungseinsatz an sich, sondern auf die Bereitschaft und die Bereitstellung, damit ein solcher Einsatz mit Helikopter und Co. überhaupt möglich ist.

In welchen Fällen erhalten Wanderer eine private Rechnung?

Ist die Rettung medizinisch notwendig, etwa aufgrund einer Verletzung, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Rettung. Auch einige andere Versicherungen übernehmen in manchen Fällen die Kosten, etwa eine Unfall- oder Auslandskrankenversicherung. Hier müssen individuell die Versicherungsbedingungen geprüft werden. Auch ADAC-Mitglieder bekommen je nach Mitgliedschaft und Einsatzart Rettungsleistungen gezahlt.

Auf der sicheren Seite ist, wer Mitglied des Deutschen Alpenvereins ist. In vielen Fällen trägt der DAV die Such-, Bergungs-, und Rettungskosten [externer Link] bis zu einem hohen Betrag, bei Unfällen, aber auch bei Bergnot. Doch es gibt auch hier Ausnahmen, zum Beispiel bei grob fahrlässigem Verhalten oder ab bestimmten Höhenmetern.

Wie häufig sind solche Rettungen und was sind die Gründe dafür?

Fälle wie der in Tirol, bei denen so viele Personen mit mehreren Kinderwägen involviert sind, sind Einzelfälle, erklärt Ampenberger von der Bergwacht Bayern. Bei 90 Prozent der Einsätze sei der Grund zudem, dass Verletzte oder akut Erkrankte gerettet werden müssen. Dass sich Menschen riskant verhalten, sei im Verhältnis seltener.

Eine Art Unbedarftheit habe es ein Stück weit schon immer gegeben. Doch die Anzahl der Menschen, die in den Bergen unterwegs sind, sei gestiegen, womöglich auch durch die Medien und das Internet, wo über Touren in den Bergen als Gegenpol zur urbanen Welt berichtet werde. "Die Fähigkeit, was es heißt, dort unterwegs zu sein, geht ein Stück weit verloren oder ist verloren gegangen", warnt Ampenberger. In vielen Fällen sei das Problem also Unwissenheit. "Dass man sich dem Berg schrittweise nähert, das findet zu wenig statt."

Mit Informationen von dpa

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