Die Fachtagung zum Thema Biogas ist gut besucht, rund 100 Männer und eine Handvoll Frauen wollen im Kloster Banz über Biogas sprechen. Auf der Tagesordnung steht gleich das Thema "Biomethan", also auf Erdgasniveau aufbereitetes Biogas. Ein Pilotprojekt will zeigen, wie sich Biogasbetreiber zusammenschließen können, um gemeinsam ins Erdgasnetz einzuspeisen. Doch rund ein Viertel der Anwesenden verlässt lieber den Raum und trinkt vor der Tür Kaffee.
Dabei könnte das ein echtes Perspektivthema sein, zumindest wenn es nach der Bioquote im neu geplanten Heizungsgesetz (amtlich: Gebäudeenergiegesetz) geht, deren Eckpunkte Union und SPD Mitte der Woche bekanntgaben. Die Vorgabe, dass neue Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollen, fällt weg. Stattdessen zieht eine neue Regelung ein: Neu eingebaute Gasheizungen müssen ab 2029 mindestens zehn Prozent klimafreundlichen Brennstoff nutzen – wie zum Beispiel Biomethan.
- Zum Artikel: Darum geht´s im neuen "Heizungsgesetz"
Nur 27 Biogasanlagen in Bayern produzieren Biomethan
Biomethan ist bisher nicht im ausreichenden Maße vorhanden und die Ressourcen nicht unendlich vorhanden. Von den 2.711 Biogasbetrieben in Bayern bereiten nur 27 ihr Biogas überhaupt zu Biomethan auf. Denn die Anbindung an das Erdgasnetz ist kompliziert, teuer und braucht einen langen Vorlauf. Wie ein Ausbau künftig funktionieren könnte, steht noch aus. Man befinde sich dazu im Gespräch mit dem Wirtschaftsministerium, sagt der Geschäftsführer des Fachverbands Biogas, Stefan Rauh. Dort bevorzuge man effiziente Lösungen, nicht jede kleinere Anlage dürfe auch ans Netz kommen, gleichzeitig dürfe es nicht zu teuer sein.
Biomethan dort nutzen, wo es keine Alternative gibt
Biomethan sei eine knappe Ressource, betont Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Eine Ressource, die man wertvoll da einsetzen solle, wo es keine Alternative gäbe, beispielsweise im Industriebereich. "Aber im Heizungsbereich es zu verschwenden, ist sehr ineffizient und teuer und nicht nachhaltig", sagt die Energieökonomin. Sie sieht das Potenzial von Biogas in einem anderen Bereich: im Strom.
Strom aus Biogasanlagen kann gute Ergänzung zu erneuerbaren Energien sein
Denn die Produktion mit Biogas mache durchaus einen Unterschied, betont Kemfert. Biogas sei eine gute Ergänzung zu den schwankenden erneuerbaren Energien, wie Solar und Windenenergie. "Gerade für die Spitzenlastausgleiche ist es enorm wichtig und auch wertvoll", sagt Kemfert. "Sie hat eine wertvolle, wertvolle Aufgabe, die wir auch berücksichtigen sollten und sie es vor allen Dingen auch heimisch und kann auch nachhaltig sein."
Strom aus Biogasanlagen auf Knopfdruck abrufbar
Denn Strom aus Biogasanlagen kann jederzeit auf Knopfdruck produziert werden – also auch dann, wenn Sonne und Wind fehlen. Wie das funktioniert, zeigt sich auf dem Hof von Landwirt Andreas Popp. Drei bis sechs Mal pro Tag befüllt er seine Biogasanlage – je nach Bedarf. Das Biogas, das daraus entsteht, wird in einem Blockheizkraftwerk nebenan zu Strom und dann ins Stromnetz eingespeist. Wann er das macht, plant der Landwirt ganz genau: dann, wenn es sich für ihn lohnt. "Alle 15 Minuten hat in Deutschland der Strom einen anderen Preis", erklärt der Landwirt, während er auf einen großen Bildschirm, der die Entwicklung des Strompreises über den Tag abbildet. "Heute gibt es wieder einen extremen Ausschlag zwischen 17.45 bis 18.00 Uhr", erklärt Popp. In dem Zeitraum kostet der Strom in Deutschland 24,3 Cent, zu dem Zeitpunkt lohnt es sich für ihn also besonders einzuspeisen.
Schon jetzt beträgt der Anteil von Biogas an der Stromproduktion fünf bis sechs Prozent. Popp würde das gerne noch steigern. Alleine er könnte seine Produktion verdoppeln – und beispielsweise Reststoffe verwerten, die bei anderen Landwirten liegen bleiben.
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