Er hat nur seinen Job gemacht und ist dabei getötet worden: Nach dem Tod eines Zugbegleiters, den ein Fahrgast in Rheinland-Pfalz mit Fäusten attackiert hatte, ist das Entsetzen groß. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) räumte am Mittwoch ein, dass mehr für den Schutz von Bahnbediensteten getan werden müsse. "Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein", erklärte er. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich erschüttert. "Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden", forderte er.
- Zum Artikel: Zugbegleiter stirbt nach Angriff bei Ticketkontrolle
Bahn-Chefin Palla: "Fassungslos und traurig"
Das Bundesjustizministerium hatte zum Jahreswechsel einen Entwurf zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens veröffentlicht. Dieser sieht vor, dass Menschen, die für das Gemeinwohl tätig sind, strafrechtlich besser geschützt werden sollen. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) betonte, für die Tötung eines Menschen sehe das Strafgesetzbuch schwere Strafen vor.
Bahn-Chefin Evelyn Palla schrieb in einem Beitrag auf der Plattform LinkedIn, der Tod des Mitarbeiters mache sie "fassungslos und traurig": "Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt." Es sei ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner.
Schweigeminute der Eisenbahner
Die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) riefen indessen zu einer Schweigeminute auf. "Wir sind erschüttert und trauern um unseren Kollegen", teilte der EVG-Vorsitzende Martin Burkert mit. "Heute steht die Eisenbahnerfamilie still." Unter anderem am Hauptbahnhof in Frankfurt verharrten Hunderte Bahnbedienstete am Nachmittag mehrere Minuten lang schweigend in Gedenken an den getöteten Kollegen. Burkert und andere Gewerkschafter versammelten sich am Nürnberger Hauptbahnhof. "Wir trauern um Serkan", war auf schwarzen Plakaten zu lesen.
"Ab morgen erhöhen wir noch mal den Druck", so die Gewerkschaft. "Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten." Die Politik müsse Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreifen. Notwendig sind laut Burkert eine Doppelbesetzung der Zugbegleiter in den Nahverkehrszügen sowie mehr Bodycams mit Ton und eine Ausweitung des Konzepts von Notrufknöpfen in Regionalzügen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Sicherheitspersonal in den Zügen.
Ticketkontrolle in Regionalzug eskaliert
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatte ein 26-jähriger Fahrgast den 36 Jahre alten Bahnmitarbeiter am Montagabend angegriffen, als der Regionalexpress den Bahnhof Landstuhl im Kreis Kaiserslautern verlassen hatte. Da der Fahrgast kein Ticket vorzeigen konnte, forderte der Zugbegleiter ihn auf, den Zug zu verlassen. Daraufhin kam es laut Polizei zum Angriff, bei dem keine Waffe zum Einsatz gekommen sei. Das Opfer habe seine schweren Kopfverletzungen durch Faustschläge erlitten und musste reanimiert werden. Dennoch starb das Opfer am Mittwochmorgen im Krankenhaus.
Nach vorläufigem Obduktionsergebnis ist der Zugbegleiter an einer Hirnblutung gestorben. Dies sei eine Folge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. Laut Staatsanwaltschaft werden gesicherte Videoaufnahmen aus dem Zug ausgewertet.
Der 26-jährige Angreifer sei griechischer Staatsbürger und nach eigenen Angaben in Luxemburg wohnhaft, hieß es. "Vorstrafen oder polizeiliche Erkenntnisse in Deutschland liegen nicht vor." Er wurde festgenommen und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Kriminaldirektion Kaiserslautern ermittelt zu den Hintergründen des Geschehens und zum Tatablauf.
Weiterer Angriff auf Bahnmitarbeiter in Hamburg
Nur einen Tag nach dem Angriff in Rheinland-Pfalz ist auch in Hamburg ein Bahnmitarbeiter brutal niedergeschlagen und verletzt worden. Ein 43-jähriger Mann soll den Mitarbeiter am Bahnhof Hamburg-Dammtor attackiert haben, weil er sich in einem Dienstraum nicht aufwärmen durfte, wie die Bundespolizei mitteilte.
Der Vorfall habe sich bereits am Dienstagnachmittag ereignet. Demnach habe der 43-Jährige den Raum der Bahnaufsicht am Bahnsteig 3 unerlaubt betreten. Als ihm der 49 Jahre alte Bahnmitarbeiter erklärt habe, dass er sich dort nicht aufhalten dürfe, sei die Situation sofort eskaliert.
Gewalt gegen Bahnmitarbeitende an der Tagesordnung
Angriffe auf Beschäftigte der Bahn sind bitterer Alltag in Deutschland: Von Januar bis Ende Oktober 2025 wurden 2.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn Opfer von Straftaten. Darunter waren 1.148 Fälle von Bedrohung, 1.231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Dietmar Bartsch hervorgeht.
Einer Umfrage der EVG zufolge haben bereits 82 Prozent der Bahnmitarbeiter verbale oder körperliche Übergriffe bei der Arbeit erlebt. An der Umfrage im Februar 2024 nahmen fast 4.000 Zugbegleiter teil.
Zum Hören: Entsetzen nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter
Schweigeminute der Eisenbahnergesellschaft EVG in Nürnberg
Mit Informationen von dpa und AFP
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