Nach dem massiven Polizeieinsatz im "City Club" Augsburg am vergangenen Samstag will der Betreiber gegen den Durchsuchungsbeschluss rechtlich vorgehen. Das teilt der Club auf seinem Instagram-Kanal mit. Seit Dienstagmorgen liegen dem Betreiber des "City Club" und seiner Anwältin Martina Sulzberger demnach die polizeilichen Akten zum Großeinsatz vor.
Anwältin sieht keine Rechtfertigung für Razzia
Aus Sicht von Martina Sulzberger dürften die zugrundeliegenden Ermittlungen und Ermittlungsergebnisse nicht ausreichen, um den Durchsuchungsbeschluss und die anschließende Razzia zu rechtfertigen.
Am Samstag hatte ein Großaufgebot von Polizisten den Club und seine rund 200 Besucher durchsucht. Dabei sollen laut Betreiber und mehrerer Zeugenaussagen die anwesenden Personen mindestens bis auf die Unterwäsche kontrolliert worden sein. Auch der Intimbereich wurde bei manchen Gästen abgetastet oder laut einer Zeugenaussage mit Taschenlampen nach Drogen abgesucht.
Die Polizei hatte in einer Stellungnahme am Dienstag von mehreren Drogenverstößen in dem Club berichtet und den Vorwurf eines unverhältnismäßigen Einsatzes zurückgewiesen.
Linke: "Eindruck politischer Symbolik"
Die Linke Augsburg hat eine umfassende Aufklärung gefordert. In einer Mitteilung äußert die Partei Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Vorgehens: "Im Moment entsteht der Eindruck politischer Symbolik und gezielter Repression gegen die linke Kultur- und Clubszene", sagt Elisabeth Wiesholler von der Linken. Viele Betroffene seien bei winterlichen Temperaturen im Freien kontrolliert worden. Ein solches Vorgehen könne traumatisierend wirken, es müsse deshalb geklärt werden, ob diese Durchsuchungen rechtmäßig waren.
Die Partei kündigt an, sich im Stadtrat für eine transparente Aufarbeitung und den Schutz der Augsburger Club- und Kulturszene einzusetzen.
Interessenverband hält Einsatz für unverhältnismäßig
Kritik am Vorgehen der Polizei kommt auch vom "Club und Kulturkommission Augsburg" (CUKK), einem Interessenverband von knapp 40 regionalen Club-, Konzert- und Kulturschaffenden. Auf Grundlage der ihnen vorliegenden Informationen halte man den Einsatz für unverhältnismäßig, heißt es in einer Mitteilung. Razzien in dieser Größenordnung seien ihnen nahezu ausschließlich aus Clubs des linken Spektrums bekannt, obwohl Drogenkonsum ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sei.
Auch an der Art und Weise des Einsatzes übt die CUKK Kritik. Das Polizeiaufgebot sei um ein Vielfaches größer gewesen als in Augsburg üblich. Türen, Schränke und Tresore seien aufgebrochen worden, obwohl die Betreiber angeboten hätten, diese zu öffnen. Die Besucher wurden unzureichend informiert, so ein weiterer Kritikpunkt. Anstoß nimmt die CUKK auch daran, dass der Einsatz von einem Kamerateam eines Privatsenders begleitet wurde.
- Zum Artikel der Augsburger Allgemeinen: "Razzia im City Club sorgt für Eklat bei der Verleihung des Augsburger Pop-Preises Roy" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]
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