Nach einem Hackerangriff auf die Berliner Senatsverwaltung haben die mutmaßlichen Täter gestohlene Daten veröffentlicht. Wie die Senatskanzlei bekannt gab, untersuchen beauftragte IT-Forensiker die veröffentlichten Daten "mit Hochdruck". Informationen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) zufolge gab die Hackergruppe "Rhysida" die Veröffentlichung auf ihrer Website im Darknet bekannt.
Erpresser forderten zwei Millionen Euro Lösegeld
Demnach wurden rund 1,4 Millionen Daten in mehreren Paketen zugänglich gemacht. Darunter könnten laut Senatskanzlei auch personenbezogene Daten von Beschäftigten des Landes Berlin, aber auch von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen sein.
Die kriminelle Gruppe hatte zuvor von der Berliner Senatsverwaltung Lösegeld gefordert. Verlangt wurden 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Diese sollten bis Freitagnachmittag übermittelt werden. Der Berliner Senat hatte jedoch bekräftigt, auf derartige Erpressungen nicht einzugehen.
Experte: Teils sensible Daten wie Arbeitszeugnisse geleakt
Nach dem Verstreichen der Frist am Nachmittag wurde auf der Webseite der Erpresser im Darknet die "Auktion" beendet. "Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!", hieß es dort.
"Nach dem, was ich jetzt hier sehen kann, haben sie den kompletten Datensatz für alle zur Einsicht live gestellt", sagte der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Joachim Selzer, der Deutschen Presse-Agentur. "Das sind natürlich sehr viele interne Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich sehe hier zum Beispiel Personalangelegenheiten, auch Arbeitszeugnisse. Mit solchen Daten können Kriminelle immer irgendetwas anfangen."
Veröffentlichte Daten könnten für Identitätsdiebstahl genutzt werden
In den Daten fänden sich unter anderem Bauangelegenheiten, Notfallpläne, Dokumente zu Bewerbungsverfahren, Stundenzettel, Wiedereingliederungsmaßnahmen von Mitarbeitern oder Betriebsratsunterlagen, so Selzer. Aber auch "jede Menge behördlicher Kleinkram". Dies seien häufig "für Identitätsdiebstahl interessant".
Unter den Daten, die einsehbar sind, ist zum Beispiel der Antrag auf ein neues Handy – samt der Unterschrift des Verwaltungsmitarbeiters. "Das heißt, ich habe schon mal Unterschriftenproben, das ist für manche Kriminelle ja ganz praktisch", erläutert Selz. Der Experte geht davon aus, dass die Daten aber eher mittelfristig für kriminelle Zwecke missbraucht werden.
Berliner Verwaltung will Betroffene kontaktieren
Die Senatskanzlei kündigte "eine intensive Datenprüfung" an. Dadurch sollten Betroffene identifiziert und anschließend informiert werden. Die Senatsverwaltung bat Bürgerinnen und Bürger, Strafanzeige zu stellen, wenn sie Hinweise darauf haben, dass ihre Daten veröffentlicht wurden.
Wegen des Hackerangriffs waren die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz am 14. August für rund eine Woche vom Landesnetz isoliert worden. Tagelang konnte wegen der Cyberattacke in Berlin unter anderem kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.
Lob von Experten für Verweigerung einer Lösegeldzahlung
Trotz der nun veröffentlichten Daten bekommt der Berliner Senat für seine Weigerung, auf Erpressungsversuche der kriminellen Hacker einzugehen, auch Zustimmung aus der Fachwelt. Der renommierte IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dürfe.
Die Situation bei Vorfällen wie in Berlin sei aber sehr schwierig: "Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen. Bislang ist mir kein Fall bekanntgeworden, bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung erfolgte."
Allerdings sei anzunehmen, dass die Täter, die meist in osteuropäischen Ländern lebten, diese Daten den dortigen Behörden zugänglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu erkaufen, betont Fischer.
BSI sieht nach Daten-Leak erhöhte Cyber-Bedrohung
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt unterdessen vor einer erhöhten Bedrohungslage. "Das BSI weist explizit darauf hin, dass sich aus der Veröffentlichung gestohlener Daten verschiedene Risiken für die Betroffenen und letztlich für die Gesellschaft ergeben können", erklärte ein Sprecher.
Für den politischen Raum bestehe insbesondere vor Wahlen die Gefahr sogenannter "Hack & Leak Operationen". Dabei werden gestohlene Dokumente, E-Mails oder Ähnliches zu einem für den Angreifer günstigen Zeitpunkt veröffentlicht und dabei womöglich in einen falschen Zusammenhang gerückt. In Berlin wird am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Im aktuellen Fall geht das BSI aber davon aus, dass die Tat "ausschließlich finanziell motiviert" gewesen sei.
Mit Informationen von dpa und AFP
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