Das Treffen im Kreml mit den Chefs der russischen Erdöl- und Gaskonzerne am Montag dieser Woche bot Wladimir Putin Anlass zur Genugtuung: "Unter den derzeitigen Bedingungen verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Abnehmern um Energieversorger, um eine stabile und vorhersehbare Öl- und Gasversorgung zu gewährleisten", sagte er. Und mit einer "großen Portion Schadenfreude", wie das Wall Street Journal süffisant schreibt, erinnerte Putin "nicht nur meinen Kollegen in diesem Raum, sondern alle unsere Verbraucher generell" daran, dass Stabilität genau das sei, "wofür russische Energieunternehmen seit jeher bekannt sind."
Die Chancen des Kremlchefs sahen vor zwei Wochen noch schlecht aus, seinen verheerenden Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterhin ausreichend finanzieren zu können. Jetzt kann Putin erleichtert aufatmen. Bislang hatten der steigende Preisverfall an den Rohölmärkten und die immensen Staatsausgaben für den Krieg gegen Kiew für 2026 und die kommenden Jahre ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von einem Prozent und weniger erwarten lassen. Nach dem amerikanisch-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran haben die explodierenden Preise für Erdöl und Erdgas "der russischen Wirtschaft – zumindest vorübergehend – neuen Auftrieb gegeben," analysiert das Wall Street Journal.
Russland verbessert seine Einnahmen deutlich
Der Kontrast könnte nicht deutlicher sein: Im vergangenen Jahr konnte Russland sein Erdöl für durchschnittlich 50 US-Dollar pro Fass verkaufen. Um den russischen Staatshaushalt zu stabilisieren, benötigt der Kreml einen Verkaufspreis von 59 US-Dollar. Anfang dieser Woche schoss der Rohölpreis auf bis zu 120 Dollar hoch. Jetzt (Stand Mittwoch, 12:00 Uhr) liegt der Preis für ein Fass der Sorte Brent Crude Oil bei knapp 90 Dollar. Die Folgen für die Kriegsführung Russlands liegen auf der Hand: "Der jüngste Anstieg der weltweiten Ölpreise verschafft den Einnahmen der russischen Regierung einen dringend benötigten Schub", schreibt einer der kundigsten Auslandskorrespondenten in Moskau, Steve Rosenberg von der BBC. Die Preissprünge würden Russland dabei helfen, "seinen Krieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren."
Je länger die Rohölpreise hoch blieben, desto stärker füllten sich wieder die Kriegskassen des Kremls. Damit hätte Putin die finanziellen Möglichkeiten, um im Ukraine-Krieg neue Fronten zu eröffnen oder die hybride Kriegsführung gegen den Westen zu intensivieren, befürchtet Elina Ribakova, die Direktorin des internationalen Programms der Kyiv School of Economics. Sie habe die Sorge, "dass Russland, wenn dies ein halbes Jahr lang so bleiben würde, noch mehr Lust darauf bekäme", wie sie dem Wall Street Journal sagte. Sollte US-Präsident Trump seine Ankündigung wahrmachen und die Sanktionen gegen Russland lockern, würde er damit Putins Kriegsführung gegen die Ukraine unterstützen und Kiew sowie die Europäer massiv schädigen.
Russland unterstützt den Iran im Krieg
Die Meldungen sorgten nicht allein in den USA für Aufsehen: Russland gebe seine Satelliten-Aufklärung über die Standorte der amerikanischen Streitkräfte im Nahen und Mittleren Osten an den Iran weiter. Dies würde Teheran in die Lage versetzen, seine Raketenangriffe auf US-Einrichtungen gezielt durchzuführen. Dies berichteten mehrere große US-Medien, darunter CNN, New York Times, Washington Post und Wall Street Journal, vor wenigen Tagen übereinstimmend unter Berufung auf amerikanische Regierungskreise. Seit Kriegsbeginn versorge Russland die iranische Führung mit den Standorten amerikanischer Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und anderer US-Militärressourcen.
Russland habe bestritten, Geheimdienstinformationen an Teheran weitergegeben zu haben, um amerikanische Ziele in der Region anzugreifen, sagte Trumps Chefunterhändler Steve Witkoff gestern im US-Fernsehsender CNBC. Trump habe tags zuvor mit Putin telefoniert, erklärte Witkoff. "Die Russen haben gesagt, dass sie dies (Weitergabe von Satelliten-Aufklärung an Teheran) nicht getan haben." Und Steve Witkoff, der Vertraute von US-Präsident Trump, fügte wörtlich hinzu: "Wir können sie beim Wort nehmen. Aber sie haben das gesagt." Montagmorgen hätten "Jared (Kushner, Trumps Schwiegersohn) und ich unabhängig voneinander ein Telefonat mit Uschakow gehabt (dem außenpolitischen Berater des Kremls), der dasselbe wiederholte."
Demokratische US-Senatorin: Iran-Krieg hilft Putin
Je länger der Krieg gegen den Iran andauere, desto größer sei das Risiko für die Ukraine, den Westen und die USA. Die US-Senatorin der Demokraten, Jeanne Shaheen, weist in einem Meinungsartikel für die Washington Post auf die Folgen des Angriffskriegs Trumps und Netanjahus für die Ukraine deutlich hin: Der Krieg verschaffe Putin in einer Zeit, in der seine Wirtschaft ins Wanken geraten sei, eine finanzielle Lebensader.
Öl und Gas machten in den vergangenen zehn Jahren etwa 30 bis 50 Prozent des russischen Staatshaushalts aus, schreibt die US-Senatorin. Zudem würden wichtige militärische Ressourcen, die für den Abwehrkampf der Ukraine eingesetzt werden könnten, nun im Iran-Krieg verbraucht. Vor allem die Luftabwehrsysteme Patriot und THAAD sowie die entsprechenden Abfangraketen würden in der Ukraine benötigt und stünden nicht mehr zur Verfügung.
Doch die Trump-Administration schlage die entgegengesetzte Richtung ein, bilanziert Jeanne Shaheen. "Die Regierung lockert die Sanktionen und setzt die Verhandlungen mit Russland fort, als hätte Putin nicht bereits amerikanisches Blut an seinen Händen."
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