(Archivbild): Ehemalige Kämpfer der HTS
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Deutsche Dschihadisten Teil syrischer Streitkräfte

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Gemeinsame Recherchen von BR, Deutschlandfunk und rbb zeigen: Unter den syrischen Streitkräften befinden sich Sicherheitskreisen zufolge auch Dschihadisten mit Deutschlandbezug. Ein Sicherheitsexperte verweist dabei auf Verbindungen nach Bayern.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa bemüht sich seit Monaten darum, international als verlässlicher und moderater Partner wahrgenommen zu werden. Syrien ist sogar Teil jener Koalition aus rund 85 Ländern, die die Terrororganisation IS bekämpft. Extremismusexperten warnen jedoch davor, dieses Auftreten mit einer tatsächlichen ideologischen Abkehr seines Umfelds gleichzusetzen.

Schatten der Vergangenheit: Islamistische Netzwerke im Machtapparat

Al-Sharaa war über Jahre Teil dschihadistischer Milizen und hatte enge Verbindungen zu Al-Qaida-nahen Strukturen. Auch wenn er sich später öffentlich von Al-Qaida distanzierte und heute deutlich moderater auftritt, stammen Teile seines Machtapparats weiterhin aus genau diesen Milieus. So befinden sich Dschihadisten in den Reihen der Streitkräfte der syrischen Übergangsregierung. Nach Informationen von Deutschlandfunk, rbb und BR sind auch Dschihadisten darunter, die in Deutschland gelebt haben.

"Personen mit Deutschlandbezug innerhalb von Kräften der syrischen Übergangsregierung verfügen zum Teil über Al-Qaida-Bezüge", heißt es aus deutschen Sicherheitskreisen. Und: "Teilweise vertreten sie weiterhin eine global-dschihadistische Ideologie" – also die Vorstellung, islamistische Herrschaft mit Gewalt international durchzusetzen.

Spuren führen auch nach Bayern

Recherchen des Sicherheitsexperten Christoph Leonhardt vom Berliner Analyse- und Beratungsunternehmen Middle East Minds deuten zudem darauf hin, dass sich Dschihadisten aus Berlin, Brandenburg und Bayern in den Reihen der syrischen Streitkräfte befinden. Teile der deutschen Dschihadisten seien auch bei der Eroberung von Damaskus Ende 2024 dabei gewesen.

Diese Deutschen sind Teil einer Gruppe von Dschihadisten, die sich einst vor Jahren Al-Qaida-naher Gruppen anschlossen – und gemeinsam mit al-Sharaa kämpften. Sicherheitskreise sprechen von einer hohen zweistelligen Anzahl an Kämpfern. Teile von ihnen kommen aus dem Ausland, etwa Europa, dem Kaukasus oder Zentralasien. Sie kämpften unter anderem für die "Haiat Tahrir al-Sham" (HTS) oder mit ihr nahestehenden Gruppen.

Viele dieser Personen seien ursprünglich bewusst nach Syrien gereist, um sich islamistischen Gruppen anzuschließen, gegen den 2024 gestürzten Machthaber Assad zu kämpfen und einen islamistischen Staat aufzubauen, sagt Hans-Jakob Schindler von der transatlantischen Denkfabrik Counter Extremism Project.

Warum diese Kämpfer auch für Europa gefährlich sind

Schindler warnt, dass diese Kämpfer aus dem Umfeld al-Sharaas über jahrelange Kampferfahrung und Verbindungen in internationale extremistische Netzwerke verfügten. Sie könnten irgendwann unter anderem nach Deutschland zurückkehren. Er sagt, Hinweise darauf, dass diese Personen systematisch deradikalisiert oder ideologisch von dschihadistischen Strukturen gelöst worden seien, gebe es bislang nicht.

Auch der Berliner Sicherheitsexperte Leonhardt warnt davor, die ehemaligen Netzwerke rund um al-Sharaa zu unterschätzen. Besonders im Internet könnten sich diese Extremisten weiterhin international vernetzen, neue Unterstützer anwerben oder Radikalisierung vorantreiben. Er hält es für vorstellbar, dass sie auch in andere Gebiete reisen könnten, um Terrororganisationen zu unterstützen, etwa in Afrika.

Verbleib einzelner Dschihadisten unklar

Nach Einschätzung der Sicherheitskreise ist zudem unklar, wo sich einzelne Personen mit Deutschlandbezug aus dem al-Qaida-Umfeld derzeit genau aufhalten. Gleichzeitig seien deutsche Dschihadisten in Reihen syrischer Streitkräfte unzufrieden mit dem moderaten Kurs des ehemaligen Waffenbruders und jetzigen Übergangspräsidenten.

Seine diplomatischen Kontakte zu europäischen Regierungen und Treffen mit westlichen Politikern werden von radikaleren Kräften innerhalb seines Umfelds teils kritisch gesehen. Zuletzt traf sich al-Sharaa unter anderem mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier.

Sicherheitskreise: Dschihadisten erhalten Kompensationsleistungen

Al-Sharaa brauche die Dschihadisten, um seine Macht zu sichern, sagt Experte Schindler. Aus Sicherheitskreisen heißt es zudem, die syrische Übergangsregierung versuche ehemalige Al-Qaida-Kämpfer "zu integrieren und zu kontrollieren". Dabei setze sie "ähnlich wie bei anderen in die Streitkräfte integrierten Gruppierungen unter anderem auch auf Kompensationsleistungen". Welcher Art diese sind, bleibt allerdings unklar.

Angriffe auf Minderheiten

Experte Schindler verweist auf deutliche Widersprüche zwischen dem moderaten Auftreten al-Sharaas und der Realität vor Ort. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Übergriffen auf religiöse Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Christen.

Nach Recherchen von BR, Deutschlandfunk und rbb waren deutsche Dschihadisten aus dem Umfeld al-Sharaas über Jahre auf Telegram aktiv. Dort verherrlichten sie unter anderem den 2011 getöteten Al-Qaida-Chef Osama bin Laden.

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