Ein Start-up aus Bayern schreibt Raumfahrtgeschichte: Die Trägerrakete Spectrum des Unternehmens Isar Aerospace hat bei einem Testflug am Samstag eine Erdumlaufbahn erreicht. Isar Aerospace schrieb in einem Beitrag auf der Online-Plattform X: "Wir haben Geschichte geschrieben. Bereits bei unserem zweiten Flug waren wir das erste kommerzielle Raumfahrtunternehmen aus Europa, das Satelliten in die Umlaufbahn gebracht hat."
Isar Aerospace auf X: "We made history"
Die Rakete hob um 22.12 Uhr MESZ vom norwegischen Weltraumbahnhof Andöya ab. Der Start wurde live übertragen. Nach etwa zehn Minuten brach die Verbindung wegen der zu großen Entfernung ab. Vorstandschef Daniel Metzler erklärte: "Wir haben in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht hat. Europa hat jetzt souveränen Zugang zum Weltraum." Metzler nannte den Flug am Sonntag indes nur einen "ersten Schritt". "Das Ziel war nicht, nur eine Rakete zu starten, sondern viele Raketen zu starten.
Merz: "Beginn einer neuen Ära"
Der Kanzler gratulierte dem Unternehmen nach dem geglückten Start: "Großer Glückwunsch an Isar Aerospace für den erfolgreichen Start der Trägerrakete Spectrum. Das erste Mal gelingt ein solcher Flug vom europäischen Kontinent aus in die Erdumlaufbahn. Das ist der Beginn einer neuen Ära".
Merz auf X: "Das ist der Beginn einer neuen Ära"
Forschungsministerin Bär: Deutschland gestaltet Zukunft der Raumfahrt mit
"Deutschland kann Raumfahrt!": Es handele sich um einen "Meilenstein, der die Innovationskraft und das technische Wissen unseres Landes eindrucksvoll unter Beweis stellt", teilte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) auf X mit.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte, "dieser großartige Erfolg" zeige, dass Deutschland "mit mutiger Forschung, nachhaltiger Industriepolitik und grenzüberschreitender Kooperation" die Zukunft der Raumfahrt mitgestalte.
BFMTR auf X: "Deutschland kann Raumfahrt!"
Erster erfolgreicher Testflug im März
Das Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München baut Trägerraketen für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten. Die zweistufige Spectrum-Rakete ist 28 Meter hoch und kann mit ihren zehn Triebwerken Nutzlasten von bis zu tausend Kilogramm in erdnahe Umlaufbahnen befördern.
Im März vergangenen Jahres hatte das Unternehmen einen ersten Testflug unternommen. Die Rakete war dabei – ebenfalls in Andöya – erfolgreich gestartet und war nach 30 Sekunden Flug planmäßig ins Meer gestürzt.
Söder: Bayern will bis 2030 eine Milliarde Euro investieren
Der Testflug der zweiten Mission der Rakete war seit Januar geplant und mehrfach wegen technischer Probleme oder ungünstiger Wetterbedingungen verschoben worden.
"Bayern ist auf dem Weg ins Weltall", schrieb der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei X. "Herzliche Gratulation an unser Weltraum-Start-up Isar Aerospace aus München zum Testflug ins All. Sie sind Pioniere und Aushängeschilder der Raumfahrt-Strategie", schrieb Söder. Bayern sei demnach "Space-Minded". Söder kündigte an, Bayern wolle bis 2030 eine Milliarde Euro in die Raumfahrt investieren.
Söder auf X: "Bayern ist auf dem Weg ins Weltall"
Europa soll unabhängiger in der Raumfahrt werden
Isar Aerospace wurde 2018 gegründet und gehört zu mehreren deutschen und europäischen Unternehmen, die Europa in der Raumfahrt unabhängiger von den USA und Russland machen wollen. Das Unternehmen wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) unterstützt.
Nach Angaben von Startup-Chef Metzler ist derzeit ein weiterer Startplatz in Kanada im Bau, es gebe zudem Gespräche mit mehr als zwei Dutzend weiteren Ländern. "Europa kann liefern", sagte Metzler. Mit der Eröffnung einer neuen Produktionshalle könnten künftig bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr hergestellt werden, teilte Isar Aerospace mit.
Bisher dominiert SpaceX von Elon Musk das Geschäft
Laut dem Chef der Deutschen Raumfahrtagentur, Walther Pelzer, hat die Bundesregierung bei Isar Aerospace eine Startdienstleitung für die Spectrum-Rakete eingekauft. "Dieser Schritt ist mehr als ein Auftrag - er ist ein klares Signal: Wir vertrauen den Startups und wir vertrauen darauf, dass die entwickelten Produkte funktionieren werden", erklärte Pelzer. Er sprach von einem "neuem Modell der Raumfahrtentwicklung in Europa: ein Modell, das auf Innovation, Marktfähigkeit und öffentlich-privaten Partnerschaften basiert." Das sei die Zukunft der Raumfahrt.
Bisher wird das Geschäft mit Trägerraketen von US-Milliardär Elon Musk dominiert. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX hat die teilweise wiederverwendbare Trägerrakete Falcon 9 schon hunderte Male ins All geschickt.
Merz: Strategische Schlüsselbranche
Kanzler Merz hatte den Weltraumbahnhof in Norwegen im März besucht und sich für eine größere Unabhängigkeit Europas in der Raumfahrt ausgesprochen. Bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin im Juni bezeichnete er die Luft- und Raumfahrtindustrie als "strategische Schlüsselbranche", die nicht nur Innovation und Wirtschaftskraft sichere – sondern "auch unsere Souveränität und unsere Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung".
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat angekündigt, bis zum Jahr 2030 insgesamt 35 Milliarden Euro in die Weltraumsicherheit und militärische Raumfahrtprojekte zu investieren.
Mit Informationen von AFP und dpa.
Im Video: Bayerische Rakete erreicht Orbit
Nach mehreren Anläufen ist die Trägerrakete "Spectrum" vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya abgehoben.
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