Die Initiatoren des "Baumentscheids" Joseph Coenen und Stefanie Günther stehen auf einem Gehsteig
Die Initiatoren des "Baumentscheids" Joseph Coenen und Stefanie Günther stehen auf einem Gehsteig
Bild
Die Initiatoren des "Baumentscheids" Joseph Coenen und Stefanie Günther
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Audiobeitrag

Die Initiatoren des "Baumentscheids" Joseph Coenen und Stefanie Günther

Audiobeitrag
>

"Baumentscheid": Wie zwei 25-Jährige Hitze bekämpfen wollen

"Baumentscheid": Wie zwei 25-Jährige Hitze bekämpfen wollen

Innerhalb von vier Monaten haben sie 50.000 Unterschriften gesammelt, für über 12.000 neue Bäume in München. Stefanie Günther und Joseph Coenen sind die Initiatoren des "Baumentscheids". Wer sind die beiden und was treibt sie an? 

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

In München war es in diesem Jahr besonders heiß: 37 Tage mit Temperaturen über 30 Grad, sieben sogenannte "Tropennächte", also Nächte über 20 Grad. Eine Situation, die dem 25-jährigen Münchner Joseph Coenen Sorgen bereitet. Denn er hat die negativen Folgen von Hitze in der Stadt vor zwei Jahren bei einer Städtereise nach Budapest am eigenen Leib erfahren. "Es war so heiß, dass mein Kreislauf kollabiert ist. Gleichzeitig habe ich mich umgeschaut und gesehen: kein Baum weit und breit, kein Schatten", erzählt der Initiator des Münchner "Baumentscheids". Das persönliche Erlebnis in Budapest habe ihn so nachhaltig beschäftigt, dass ihm die Idee, auch in München etwas gegen die Hitze zu tun nicht aus dem Kopf gegangen sei.

Sie lernten sich im Seminar an der TUM kennen: "Changemakers" 

In einem Seminar an der Technischen Universität München lernt Joseph Coenen dann Stefanie Günther kennen. Die beiden haben viel gemeinsam: Sie sind beide 25 Jahre alt, in München geboren und aufgewachsen und sie studieren beide Studiengänge, in denen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt. Er Landschaftsarchitektur und sie nach ihrem Psychologie-Bachelor im Master Politikwissenschaften. Nach dem Seminar namens "Changemakers" kommen sie dann in der Mensa beim gemeinsamen Kaffeetrinken auf die Idee mit dem Bürgerbegehren, erzählt Günther. 

Hundert Fachgespräche, vier Monate Vollzeitjob 

"Wir hatten uns dann einfach mal drei Tage in der TUM eingesperrt, mit einer Skizzenrolle aufgezeichnet, was es für Möglichkeiten gibt. So hat sich die Idee dann weiterentwickelt", so Günther. Die beiden führen nach eigener Aussage fast hundert Fachgespräche mit Experten, der Stadtpolitik und Verwaltung. Sie verbinden sich mit dem Verein "Baumentscheid e.V.", der das Anliegen schon erfolgreich in Berlin eingebracht hat. Und sie sammeln innerhalb von vier Monaten rund 50.000 Unterschriften. 

Ihr Ziel: Demokratische Teilhabe und Selbstwirksamkeit

Ein Vollzeitjob, den die Psychologin Stefanie Günther jedoch gern macht. Mit dem Bürgerbegehren will sie Gesundheit und Arbeitskraft schützen. Außerdem hofft sie so, demokratische Teilhabe zu ermöglichen und die Selbstwirksamkeit von Menschen zu stärken. Schlicht: dazu beizutragen, dass es allen besser geht. "Es ist sehr viel Zeit und Liebe da reingeflossen", bestätigt die Initiatorin des Baumentscheids. Es sei jedenfalls eine zwar intensive, aber schöne Zeit gewesen, in der sie viel gelernt hat. "Und ja, dieses Gemeinschaftsgefühl war einfach toll", schwärmt die Studentin.  

Schwarz-Grüne "Koalition" im Initiatoren-Team 

Doch so viel die beiden zusammen erreicht und auch gemeinsam haben – eines unterscheidet die beiden auch voneinander: die Farbe ihres Parteibuchs. Stefanie Günther ist Mitglied bei den Grünen und Joseph Coenen ist Mitglied bei der CSU. Das habe jedoch keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die politische Mitte zusammenarbeiten muss für so wichtige Themen. Beim Thema Hitzeschutz ist ja egal, ob ich links oder rechts wähle oder irgendwas in der Mitte – es betrifft ja jeden", argumentiert Coenen. 

Ausgang des Bürgerbegehrens ungewiss 

Den ersten Schritt haben sie jetzt gemacht. Der Münchner Stadtrat wird nach der Sommerpause entscheiden, wie mit dem Baumentscheid umgegangen wird. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat grundsätzlich Sympathie für die Anliegen des Baumentscheids, erklärte er im BR-Interview. Jedoch verwies er auch auf die Kosten. Ein Baum kostet je nach Standort zwischen 5.000 und 95.000 Euro.    

Eine begrünte Straße in München
Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON
Videobeitrag

So sollen in Zukunft mehr Straßen in München aussehen, wenn es nach dem Willen der "Baumentscheid"-Initiatoren geht.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!