Schröder und Putin beim Handshake
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Empörungswelle nach Schröders Besuch zu Putins Geburtstag
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Empörungswelle nach Schröders Besuch zu Putins Geburtstag

Empörungswelle nach Schröders Besuch zu Putins Geburtstag

"Schande", "unmoralisch", "völlig inakzeptabel": Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat mit seinem Besuch bei Kreml-Chef Wladimir Putin einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Doch es gibt auch Fürsprecher.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Feiern mit Wladimir Putin, während Russland die Ukraine bombardiert: Der Geburstagsbesuch von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) in Moskau sorgt für Entrüstung im politischen Berlin - quer durch die Parteien.

"Deutschlands frechster Rentner"

Kanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte "zutiefst empört", wie der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte. Putins Befehle im Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgten jeden Tag "für unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete". Auch SPD-Chef Lars Klingbeil kritisierte den Auftritt Schröders in Moskau als "völlig inakzeptabel".

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb auf X: "Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden." Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und "eine frische Ladung Rubel". 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.

Kreml: "Präsident lud seinen alten Freund ein"

Russlands Präsident Putin hatte laut Kreml am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren und ihn dann zu seinem 74. Geburtstag eingeladen. "Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein." Gezeigt wurden auch Fotos, auf denen die beiden lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.

Vor der Party war Schröder in einer Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt, um eine Begrüßungsrede vor Mitarbeitern zu halten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat berufen worden.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser Verbindung und seines geschäftlichen Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik.

Ukraines Botschafter nennt Treffen "widerlich"

Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen, gegen den seit 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vorliegt. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, sagte dem "Tagesspiegel" (Samstag): "Es ist widerlich, dass ein Altkanzler den Kriegsverbrecher so herzlich umarmt."

Auch SPD-Chef Klingbeil reagiert mit Unverständnis und sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht."

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller reagierte verärgert: "Es macht mich fassungslos, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder fröhlich mit Kriegsverbrecher Wladimir Putin die Sektkorken knallen lässt, während Russland die Ukraine zeitgleich und unerbittlich mit Angriffen überzieht", sagte sie der "Funke"-Mediengruppe.

Stegner: Schröder kann Türen zu Putin öffnen

Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sagte hingegen dem "Tagesspiegel", man müsse "in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen." Stegner fügte hinzu: "Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg." Der Altkanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten, und den müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. "Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: 'Mach weiter mit dem Krieg!'", sagte Stegner weiter.

Dem Nachrichtenportal "t-online" sagte der SPD-Abgeordnete: "Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist."

Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung war dies aber auf deutliche Skepsis gestoßen.

Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters

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