Bill Clinton, Ex-Präsident der USA
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Epstein-Skandal: Kann Clinton-Anhörung Trump gefährlich werden?

Epstein-Skandal: Kann Clinton-Anhörung Trump gefährlich werden?

Der Epstein-Skandal überschattet Amerikas tief gespaltene politische Landschaft: Die Republikaner haben die Clintons vor den Kongress-Ausschuss geladen. Zugleich steht Trumps Justizministerium im Verdacht, belastende Dokumente zurückzuhalten.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Amerikas ehemalige Außenministerin und Ex-Senatorin Hillary Clinton, seit Jahrzehnten die politische Lieblingsfeindin der Republikaner, machte aus ihrer Verachtung über ihre Kongress-Anhörung am Donnerstag hinter verschlossenen Türen keinen Hehl: Das Ganze sei ein "parteipolitisches Theater". Die Untersuchungen seien allein darauf ausgerichtet, "eine politische Partei und einen Amtsträger zu schützen, anstatt Wahrheit und Gerechtigkeit für die Opfer und Überlebenden zu suchen".

Hillary Clinton wirft Republikanern Ablenkung und Vertuschung vor

Die Republikaner hätten sie vorgeladen, wohlwissend, dass sie "keine Kenntnisse" von dem habe, was der Ausschuss herausfinden wolle. Die Intention der Republikaner sei vielmehr "die Aufmerksamkeit von den Handlungen von Präsident Trump abzulenken" und die "berechtigten Forderungen nach Antworten zu vertuschen".

Über die Kontakte ihres Mannes zu dem Sexualstraftäter Epstein habe sie nichts gesagt, wie der Ausschussvorsitzende, der Republikaner James Comer anschließend sagte. Mehrmals habe sie erklärt, "das weiß ich nicht, Sie werden meinen Mann fragen müssen".

Kongressausschuss drohte Clintons mit strafrechtlichen Konsequenzen

Dazu haben die Ausschussmitglieder des Kongresses am Freitag Gelegenheit. Sie können 79-jährigen Ex-Präsidenten hinter verschlossenen Türen befragen. Beide, Hillary und Bill Clinton, hatten sich zuvor monatelang gegen die Vorladung gewehrt. Erst als der Kongressausschuss mit den Stimmen der Republikaner und einiger Demokraten dem prominenten Politpaar mit strafrechtlichen Konsequenzen drohten, lenkten die Clintons ein. Die Anordnung findet in einem Kulturzentrum nahe dem Wohnort der Clintons in Chappaqua im Bundesstaat New York statt.

Ex-Präsident in den Epstein-Dokumenten

Die Anhörung des ehemaligen US-Präsidenten werde "länger dauern" als die von Hillary Clinton, kündigte der republikanische Vorsitzende des Ausschusses James Comer vorab an. Den Clintons werde kein Fehlverhalten vorgeworfen. Laut der bislang vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumente flog Bill Clinton nach seinem Ausscheiden aus dem Amt am 20. Januar 2001 bis zu sechs Mal mit Epsteins Flugzeug, in den Jahren 2002 und 2003. Auf einer Reihe von veröffentlichten Fotos ist der Ex-Präsident mit Frauen zu sehen, deren Gesichter unkenntlich gemacht worden sind.

Clinton bestritt bislang jegliches Fehlverhalten. Er bedauerte seine Verbindung zu Epstein. Dessen Privatinsel habe er niemals besucht. Hillary Clinton sagte am Donnerstag, ihr Mann habe den Kontakt mit dem Sexualstraftäter abgebrochen, "einige Jahre, bevor irgendetwas über Epsteins kriminelle Aktivitäten ans Licht kam". Epstein hatte sich 2008 in zwei Fällen der Anstiftung zur Prostitution schuldig bekannt, darunter einem Fall mit einer Minderjährigen. 2019 wurde er wegen Menschenhandels verhaftet und im selben Jahr tot in seiner Zelle im Bundesgefängnis von New York aufgefunden.

Zweierlei Maß? Keine prominenten Republikaner vorgeladen

Für die Republikaner sowie für Präsident Trump könnten die publikumswirksamen Anhörungen des Ehepaars Clinton das Schlaglicht darauf werfen, ob bei der Aufklärung des Epstein-Skandals nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Aussagen der Clintons würden "unangenehme Parallelen" aufwerfen, die Trump und seinem engsten Kreis Unbehagen bereiten würden, analysiert der US-Sender CNN. So seien bislang keine prominenten Republikaner vorgeladen worden, obwohl der Ausschuss die Vorladung der Clintons damit begründet hatte, beide seien in den Epstein-Akten erwähnt worden. Und deshalb müsse man sie anhören.

So wurden die Behauptungen von Handelsminister Howard Lutnick über seine früheren Kontakte zu Epstein durch die Akten widerlegt: Anfang dieses Monats musste Trumps Handelsminister einräumen, dass er 2012 mit seiner Frau und seinen Kindern Epsteins Privatinsel besucht habe. Zuvor hatte Lutnick jahrelang erklärt, die Beziehungen zu Epstein abgebrochen zu haben. Der Handelsminister beteuerte jetzt, er habe "in keiner Weise etwas Falsches getan". Gegen Lutnick liegt keine Anschuldigung wegen strafbarer Handlungen vor.

Schützt das US-Justizministerium Trump?

Bill Clintons frühere Kontakte zu Epstein würden für den Ausschuss sicherlich von Interesse sein, heißt es in der CNN-Analyse. "Aber ist es nicht eine Doppelmoral, wenn Trump, der in den Akten oftmals erwähnt wird, nicht ebenfalls unter Eid gestellt" werde wie der Ex-Präsident? Trump und Epstein hätten in den 90er und früheren 2000er Jahren "Zeit miteinander verbracht und wurden bei gesellschaftlichen Veranstaltungen fotografiert", bilanziert das "Wall Street Journal".

Seine Freundschaft zu Epstein habe er vor 2008 beendet, hatte Trump wiederholt erklärt. Dass der Fokus der veröffentlichten Epstein-Papiere kaum auf dem US-Präsidenten liegt, führen Demokraten als Paradebeispiel dafür an, dass Trumps Justizministerium ihn absichtlich schützt.

Donald Trump: Belastende Dokumente unterschlagen?

Die "New York Times" hatte berichtet [externer Inhalt, möglicherweise Bezahlinhalt], dass einige wichtige Unterlagen zu den Aussagen einer Frau, die Anschuldigungen gegen den Präsidenten erhoben habe, nicht in den veröffentlichen Dokumenten zu finden seien. Bei den Unterlagen handele es sich um Memoranden der Bundespolizei FBI, in denen die Befragungen der Frau zusammengefasst worden seien. Die Frau habe sich 2019 nach der Verhaftung Epsteins beim FBI gemeldet und angegeben, sie sei in den 1980er Jahren als Minderjährige sowohl von Trump als auch von Epstein mehrmals sexuell missbraucht worden.

Trump hat wiederholt jegliches Fehlverhalten bestritten. Bereits Anfang der Woche, als erste Medienberichte über die fehlenden Akten zu diesem Fall bekannt geworden waren, erklärte eine Sprecherin des Weißen Hauses, Abigall Jackson: Der Präsident sei "in Bezug auf alles, was mit Epstein zu tun hat, vollständig entlastet worden".

quer mit Christoph Süß: Was tun mit den Epstein-Akten? (12.02.2026)

quer mit Christoph Süß: Was tun mit den Epstein-Akten?
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