Am Freitagabend und über die Nacht ist es zu einem der stärksten Erdbeben seit etwa 40 Jahren rund um die süditalienische Großstadt Neapel gekommen. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) registrierte nach dem Erdstoß mit einer Stärke von 4,7 zahlreiche Nachbeben bis in den Morgen hinein – darunter ein besonders starkes der Stärke 3,8. Das Epizentrum liegt in den Phlegräischen Feldern.
26 Verletzte, Felsbrocken und Trümmerteile an Autos und Gebäuden
Nach Angaben der Behörden wurden in der Region 26 Menschen verletzt. Besonders betroffen war die Küstenstadt Pozzuoli. Mauern und Fassadenteile stürzten dort herab, auch Tuffsteinhänge gaben den Stößen nach. Felsbrocken und Trümmerteile beschädigten zudem Autos, an Gebäuden entstanden Schäden. Die Behörden richteten noch am Abend ein Krisenzentrum ein.
Menschen verlassen aus Angst ihre Häuser
Der erste Erdstoß und die weiteren Nachbeben waren vor allem in Pozzuoli und den Ortschaften rund um die Phlegräischen Felder, aber auch in Neapel sowie auf den Inseln Ischia und Procida sehr deutlich zu spüren. Rund 300 Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Es kam zu Stromausfällen in einigen betroffenen Gegenden.
"Vieles gewohnt, aber nicht in dieser Stärke"
Man sei zwar viel gewöhnt, aber nicht in dieser Stärke, sagte ein Anwohner gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.
In Pozzuoli stürzte ein Teil der Mauer eines kleineren Gebäudes ein. Große Gesteinsbrocken fielen auf mehrere darunter abgestellte Autos und hüllten die Straße in eine weiße Staubwolke. Die Hafenbehörde sperrte daraufhin die Mole von Pozzuoli.
Erdrutsche und Stromausfälle
In der Region kam es nach Angaben von Zivilschutzminister Nello Musumeci außerdem zu kleineren Erdrutschen und Felsstürzen. In Neapel kippte nach dem Beben außerdem ein Hochspannungsmast um. Für betroffene Gebiete wurde eine Ersatzstromversorgung eingerichtet, dennoch kam es zeitweise zu Stromausfällen.
In Neapel und Pozzuoli wurden Anlaufstellen für Menschen eingerichtet, die Unterstützung benötigten. Es handle sich um "das stärkste Erdbeben, das sich seit 40 Jahren in den Phlegräischen Feldern ereignet hat", erklärte der Vorsitzende der Geologen-Vereinigung der Region Kampanien, Lorenzo Benedetto.
Pläne für Evakuierung von Hunderttausenden
Seit einiger Zeit rumort es immer wieder in dieser Gegend. Meist sind die Erdstöße allerdings schwächer. Vergangenes Jahr hatte die Regierung in Rom neue Maßnahmen und Pläne für eine mögliche Evakuierung von Hunderttausenden auf den Weg gebracht. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beobachtet nach Angaben ihres Amtssitzes die aktuellen Entwicklungen in dem Gebiet. Sie befinde sich in ständigem Kontakt mit den lokalen Behörden.
Mit Informationen von KNA, AFP und dpa.
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