In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der große Andrang von Migranten zwar nachgelassen – doch die Folgen der Krise sind in Europa längst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.
- Zum Artikel: Was Ceuta für die EU bedeutet (tageschau.de)
Nahezu alle Migranten kehrten von Ceuta nach Marokko zurück
"Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten", versicherte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach Angaben des spanischen Außenministers José Manuel Albares sind nahezu alle der mindestens 50.000 irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 67 Menschen waren beim Überqueren der Grenze nach Ceuta übers Meer ums Leben gekommen, teilte die spanische Regierung mit. Einige Opfer seien ertrunken, andere bei Gedränge an einem Wellenbrecher ums Leben gekommen.
Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hätten die Menschen enttäuscht und freiwillig die Rückreise angetreten, berichtete die Zeitung "El País".
Polizisten kontrollieren Fahrzeuge
Am Hauptbahnhof von Tanger in Marokko schliefen Migranten, die aus Ceuta zurückgekehrt waren, auf dem Boden. Auf der Straße in die marokkanische Stadt Fnideq, die an Ceuta grenzt, waren Migranten zu Fuß in Richtung des Grenzzauns unterwegs. Taxifahrer und Busunternehmer weigerten sich, sie mitzunehmen, da sie Konsequenzen von Seiten der Behörden fürchteten. Entlang der Straße waren Polizisten im Einsatz, die jedes in Richtung Fnideq fahrende Fahrzeug stoppten und kontrollierten.
Doch einige, die es bis nach Ceuta geschafft hatten, waren entschlossen zu bleiben - trotz Hunger. Zu ihnen gehörte der 23-jährige Mohamed Hatri aus Marokko. "Sie haben alles geschlossen, so dass wir nichts zu essen kaufen können, um uns zur Rückkehr in unser Land zu zwingen", sagte er.
Auseinandersetzungen mit Beamten
Auch am Freitag versuchten noch hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen, wie Medien berichteten. An der Grenze zwischen Marokko und Melilla kam es laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten. In Ceuta, wo die Menschen in den vergangenen Tagen überwiegend schwimmend ankamen, verhinderten spanische Soldaten den Zugang vom Meer zum Strand.
Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen übernachtet. Bei den Bewohnern der autonomen Stadt wirkten die Geschehnisse der vergangenen Tage noch nach, sagte Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas. Die Rückführung der Menschen sei zufriedenstellend angelaufen, aber der Prozess müsse abgeschlossen werden. "Die Stadt ist noch nicht zur Normalität zurückgekehrt."
Kontrollen an spanischen Grenzen
Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien, ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken. Portugals Regierung erklärte ebenfalls, die Kontrollen an seinen Grenzen verstärken zu wollen. Regierungschef Luis Montenegro sagte allerdings, er sehe keinen Grund für Maßnahmen, "die die Schengen-Regeln außer Kraft setzen würden".
Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. "Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration", betonte der CDU-Politiker.
Einige Länder kontrollieren die Grenzen ohnehin
Der Schengen-Raum wurde ab 1985 schrittweise aufgebaut. In ihm sind keine Grenzkontrollen mehr vorgesehen. Mittlerweile umfasst er 29 Länder, darunter auch Nicht-EU-Mitglieder wie die Schweiz und Norwegen. Länder wie Deutschland und Frankreich haben die Kontrollen unter Berufung auf hohe Migrationszahlen, Terroranschläge oder die Corona-Pandemie allerdings wieder eingeführt und mehrfach verlängert. Die EU-Kommission hatte dies wiederholt kritisiert.
Mit Informationen von AFP und dpa
Zum Hören: Dramatische Lage in Ceuta
Karte mit Ceuta, Tanger, Spanien und Marokko
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