(Symbolbild) Ein Mann fächert sich Luft zu,
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(Symbolbild) Menschen leiden unter den hohen Temperaturen – besonders Menschen über 65 Jahren und Frauen.
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Dmitrii Marchenko
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(Symbolbild) Menschen leiden unter den hohen Temperaturen – besonders Menschen über 65 Jahren und Frauen.

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Extreme Hitze: Fast jeder Dritte leidet unter Beschwerden

Extreme Hitze: Fast jeder Dritte leidet unter Beschwerden

Die große Hitzewelle in Europa Ende Juni hat nicht nur 10.000 Menschenleben gefordert, sie schlug auch einem Großteil der Bevölkerung auf die Gesundheit. Das belegen neue Daten und Umfragen. Besonders litten Menschen über 65 Jahren und Frauen.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Die Hitzewelle in Westeuropa Ende Juni hat zu mehr als 10.000 zusätzlichen Todesfällen geführt. Das belegen neue Daten des Netzwerks EuroMOMO (externer Link), das von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt wird. Extreme Hitze kann zum Tod führen – etwa weil Menschen einen Hitzschlag erleiden oder weil sie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmert.

Hohe Übersterblichkeit im Juni 2026 in Europa

"Eine derartige Übersterblichkeit zu dieser Jahreszeit ist ungewöhnlich. Sie ist wirklich hoch", sagte Lasse Vestergaard vom dänischen Statens Serum Institut, bei dem EuroMOMO angesiedelt ist. Die mit 9.000 Menschen große Mehrheit waren über 65-Jährige.

Die Forscher hatten Daten aus den nationalen Sterbestatistiken von 27 europäischen Ländern der Woche vom 22. bis zum 28. Juni zusammengetragen. Es gebe keine anderen bekannten wichtigen Faktoren wie Covid-19-Ausbrüche, die zu dem Anstieg auf 10.650 Todesfälle in dieser Woche beigetragen hätten. Besonders hoch war die Übersterblichkeit in Frankreich und Belgien.

Hitze beschert jedem Dritten gesundheitliche Probleme

Aber die hohen Temperaturen haben nicht nur zu einem deutlichen Anstieg der Todesfälle geführt – jeder Dritte in Deutschland hatte gesundheitliche Probleme. Das ergab eine Umfrage. Das seien mehr Menschen als bei der gleichen Umfrage in den Vorjahren gewesen, erklärte die Krankenkasse DAK-Gesundheit, die die Forsa-Studie in Auftrag gegeben hatte (externer Link).

Zu den häufigsten Beschwerden gehörten Müdigkeit und Abgeschlagenheit (71 Prozent) sowie Schlafprobleme (68 Prozent). Außerdem gaben jeweils mehr als die Hälfte der Menschen mit Gesundheitsbeschwerden an, unter Kreislaufbeschwerden (64 Prozent) und Kopfschmerzen (52 Prozent) gelitten zu haben. Schwindel (32 Prozent) und Appetitlosigkeit (27 Prozent) traten ebenfalls auf, einige Menschen (7 Prozent) klagten auch über Verwirrtheit.

Frauen treffen die Auswirkungen von Hitze offenbar mehr als Männer. Mit 40 Prozent liegt der Wert fast doppelt so hoch wie bei den Männern (21 Prozent). Fünf Prozent der Befragten suchten aufgrund ihrer Beschwerden infolge von Hitze einen Arzt auf.

Hitze beeinträchtigt auch die psychische Gesundheit

Dass Hitze zudem auch psychische Auswirkungen haben kann, ist das Ergebnis einer gerade erschienenen länderübergreifenden Meta-Studie, die im Fachjournal "Nature Health" veröffentlicht wurde. Die Forschenden fanden heraus, dass die Menschen nach einer Hitzewelle häufiger wegen psychischer Störungen und Verhaltensstörungen in ein Krankenhaus kamen.

Eine mögliche Erklärung sei die erhöhte Ausschüttung von Cortisol und anderen Stresshormonen bei extremer Hitze. Das steigere die Reizbarkeit, Angst und kognitive Beeinträchtigungen – und könne zum Beispiel Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen verschlimmern. Andere Störungen traten den Forschenden zufolge nicht unmittelbar am Hitzetag vermehrt auf, sondern erst nach einigen Tagen, darunter Depressionen, bipolare Störungen, Angststörungen und Demenz. Dabei spielten vermutlich Faktoren wie Schlafstörungen durch Hitzenächte und anhaltender psychologischer Stress eine Rolle.

Großteil der Menschen hält Hitzemaßnahmen für unzureichend

Für den Hitzereport der DAK-Gesundheit wurden Ende Juni 1.519 Bundesbürgerinnen und -bürger ab 18 Jahren vom Forsa-Institut online befragt. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie sich große oder sehr große Sorgen wegen Hitze machen. Drei Viertel halten die aktuellen Hitzeschutzmaßnahmen für nicht ausreichend. Die größte Betroffenheit sieht die Mehrheit vor allem bei denjenigen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, etwa im Handwerk, Bau und in der Produktion (89 Prozent). Auch in der Pflege wird die Betroffenheit als sehr hoch angesehen (86 Prozent). 58 Prozent der Befragten sehen Schulen und Kindergärten durch Hitze stark eingeschränkt. 

Hitzewelle ohne Klimawandel "praktisch unmöglich"

Wissenschaftler haben bereits erklärt, dass die Hitzewelle Ende Juni ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel "praktisch unmöglich" gewesen wäre.

Daten von BR24 Data belegen, dass die Zahl der heißen Tage in Bayern im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte zugenommen hat. Ein sogenannter Hitzetag ist laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) ein Tag, an dem die höchste gemessene Temperatur 30 Grad oder mehr beträgt. Die durchschnittliche Zahl heißer Tage pro Jahr ist ein vom DWD berechneter Mittelwert für Bayern, basierend auf den Messwerten relevanter meteorologischer Stationen im Freistaat.

Von 1951 bis 1999 gab es im bayernweiten Schnitt in insgesamt fünf Jahren zehn heiße Tage oder mehr (1952, 1964, 1983, 1992 und 1994). Von 2000 bis 2025 gab es in Bayern elf Jahre, in denen die Zehn-Heiße-Tage-Marke erreicht wurde.

Zum Artikel: #Faktenfuchs: Klimawandel oder "Sommer wie früher"?

Mit Informationen von dpa und Reuters.

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