Zecken-Warnschild in einem Wald.
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Zecken-Warnschild in einem Wald. (Symbolbild)
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FSME auf dem Vormarsch: Mehr Hirnhautentzündungen durch Zecken

FSME auf dem Vormarsch: Mehr Hirnhautentzündungen durch Zecken

In Sachen FSME-Fällen dürfte das Jahr 2025 einen neuen Rekordwert liefern. Besonders betroffen neben Baden-Württemberg: Bayern. Warum auch ein kalter Winter leider nicht hilft und was vor Zecken schützt – alle wichtigen Infos und Tipps.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Die Zahl der gemeldeten FSME-Fälle in Deutschland steuert auf einen neuen Höchststand zu. Im Jahr 2025 wurden bislang 693 gesicherte Erkrankungen registriert, hinzu kommen 100 Verdachtsfälle, wie die Universität Hohenheim mitteilte. Damit dürfte der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2024 mit 695 Fällen übertroffen worden sein. Die Forscher gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weil ein Großteil der Infektionen nicht erkannt wird oder mild verläuft.

Zecken sind das ganze Jahr aktiv

Als einen wichtigen Grund für den Anstieg sehen die Parasitologin Ute Mackenstedt (Uni Hohenheim) und der Virologe Gerhard Dobler (Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München) den Klimawandel. Zecken seien mittlerweile fast ganzjährig aktiv und breiteten sich auch in kühleren Bergregionen sowie im Norden Deutschlands aus. Früher sei auf ein Jahr mit vielen Krankheitsfällen meist ein schwächeres gefolgt. Seit 2016 gebe es diesen Zyklus nicht mehr.

Konstant hohe Fallzahlen – Bayern besonders betroffen

Den Angaben zufolge stehen Baden-Württemberg und Bayern mit etwa 85 Prozent der Krankheitsmeldungen weiter an der Spitze der FSME-Risikogebiete. Ein ansteigender Trend auf niedrigem Niveau sei aber in allen Bundesländern zu beobachten, hieß es. "Wir müssen davon ausgehen, dass ganz Deutschland inzwischen ein FSME-Risikogebiet ist", sagte Mackenstedt.

Der frostige und schneereiche Winter wird den Zecken kaum schaden. Es sei "keine Delle" bei den Zeckenvorkommen in Deutschland zu erwarten, erläuterte Mackenstedt. Der Lebenszyklus laufe von der Eiablage bis zur erwachsenen Zecke über mehrere Jahre, in deren Biologie seien auch kältere Winter verankert. "Die werden jetzt nicht sofort wegsterben."

Experten raten zur FSME-Impfung

Bei 99 Prozent der Betroffenen fehlt laut Robert Koch-Institut (RKI) ein Impfschutz. Das Risiko einer Infektion hat sich laut Dobler vor allem für Menschen ohne Impfschutz stark erhöht. Als Beispiel nannte er den Landkreis Passau. Während dort 80 Prozent der Bevölkerung durch Impfung oder eine durchgemachte Infektion geschützt seien, stiegen die Fallzahlen in der Gruppe der Ungeschützten weiter. Die Experten raten dringend zur Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

FSME ist eine Virus-Erkrankung, die bei etwa einem Drittel der Infizierten grippeartige Symptome mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auslöst. Bei fünf bis zehn Prozent treten nach einem zunächst symptomfreien Verlauf Hirnhaut- und Gehirn-Entzündungen auf. Vor allem bei älteren Menschen können sie bleibende Schäden hinterlassen. Einer von hundert Patienten stirbt an den Folgen der Erkrankung. Eine spezielle Behandlung gibt es nicht, nur die Symptome können behandelt werden.

Wo Zecken sich wohl fühlen

Zecken leben in Wäldern, Parks und Gärten auf Pflanzen wie Gräsern, Farnen, Sträuchern oder in losem Laub. Von dort aus gelangen sie zu vorbeilaufenden Tieren oder Menschen und beißen sich an weichen Hautpartien wie Kniekehlen, unter den Armen und am Haaransatz fest. Sie bohren sich in die Haut, um Blut zu saugen. Dabei können auch Krankheitserreger übertragen werden. Ab etwa fünf Grad werden Zecken aktiv.

Spaziergänger sollten in Wäldern sowie auf Feldern und Wiesen am besten lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Nach einem Ausflug ins Freie sollte die Haut gründlich abgesucht werden, um festgebissene Zecken rechtzeitig zu entdecken und mit einer speziellen Pinzette zu entfernen. Antizeckenmittel auf Haut und Kleidung sind ebenfalls hilfreich, dieser Schutz ist aber zeitlich begrenzt.

Borreliose noch häufiger übertragen als FSME

Am häufigsten durch Zecken übertragen wird nicht FSME, sondern die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die das Nervensystem und die Gelenke schädigen kann. Schätzungen zu Krankheitsfällen schwanken sehr stark zwischen rund 40.000 und 120.000 pro Jahr oder sogar mehr. Treten binnen vier Wochen nach einem Zeckenbiss grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es nicht. Früh erkannt, können Mediziner eine Infektion allerdings gut mit Antibiotika behandeln. Borreliose wird erst übertragen, wenn die Zecke bereits einige Stunden Blut saugt.

Mit Informationen von epd und dpa

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