Archivbild: Gavin Newsom und Donald Trump im Januar 2025
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Gouverneur parodiert Trump: Neue Taktik für die Demokraten?

Gouverneur parodiert Trump: Neue Taktik für die Demokraten?

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Newsom will US-Präsident Trump mit seinen eigenen Waffen schlagen. Die Methode: komplett überdrehte Social-Media-Beiträge. Aufmerksamkeit hat er gewonnen – aber bringt man Trump damit wirklich in Bedrängnis?

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Großspurig, größenwahnsinnig, in Großbuchstaben – das ist der Stil, in dem US-Präsident Donald Trump viele seiner Social-Media-Posts verfasst. Trump beleidigt, übertreibt und lobt vor allem: sich selbst. Ein prominenter Demokrat hat nun angefangen, Trump mit seinen eigenen Waffen schlagen zu wollen: Gavin Newsom, Gouverneur von Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten US-Staat.

Newsom nennt sich in Beiträgen "AMERIKAS BELIEBTESTER GOUVERNEUR (UND VIELE SAGEN DER HÜBSCHESTE; DANKE!)". Er macht sich über Trumps vermeintlich kleine Hände lustig. Über dessen Pressekonferenz nach dem Treffen mit Russlands Machthaber Putin postet er: "NULL ENERGIE: DER MANN SIEHT AUS, ALS HÄTTE ER GERADE 3 EIMER FRITTIERTES HÜHNCHEN MIT VLAD GEGESSEN": Er fordert "MAKE AMERICA GAVIN AGAIN". Er postet KI-Bilder von sich mit seinem Gesicht auf dem Mount Rushmore, oben ohne und muskelbepackt einen Dinosaurier reitend oder von Trump in sowjetischer Uniform (externer Link).

Erfolg in den Sozialen Medien

Innerhalb weniger Wochen hat der Account "Governor Newsom Press Office" auf X seine Follower-Zahl verdreifacht. Die Beiträge werden massenweise in die Timelines der User gespült. Michelle Obama prägte einst den berühmten Satz: "When they go low, we go high". Sinngemäß: Wenn sie mit Dreck werfen, stehen wir drüber. Newsom macht nun das Gegenteil – er wirft zurück.

"Newsom greift Trump mit seinen eigenen Waffen an, er begegnet Trump im Informationskrieg auf Augenhöhe", erklärt der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje gegenüber BR24. Weil Trump pausenlos provoziere, diffamiere und vulgarisiere, sei er ständiger Inhaber der Aufmerksamkeit. "Newsom hat verstanden, dass die Demokraten unter einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden", so Hillje.

Demokraten im Tiefflug

Seit der bitteren Niederlage von Kamala Harris im November suchen die Demokraten einen Weg, Trump die Stirn zu bieten. Dabei sind erneut erbitterte Flügelkämpfe zutage getreten: Es waren vor allem Vertreter vom linken Flügel, die Aufmerksamkeit erregen und Menschen begeistern konnten. Der linke Senator Bernie Sanders tourte mit der gleichgesinnten Alexandria Ocasio-Cortez durchs Land und brachte Zehntausende auf die Straße. In New York gewann vollkommen überraschend der linke Shooting-Star Zohran Mamdani die demokratische Nominierung für das Bürgermeisteramt.

Was in Großstädten funktioniert, holt aber keine Mehrheiten in den Swing States – das glaubt der pragmatische Flügel. Deren Vertreter gaben in den Augen vieler jedoch ein katastrophales Bild ab: zu lethargisch, den Kampf verweigernd. Mit der wichtigste Demokrat im Land, der Minderheitenführer im Senat, Chuck Schumer, ist mittlerweile 74 Jahre alt und für viele in der Partei ein Problem.

Als Trump im Juli sein gigantisches Gesetzespaket verabschiedete, konnte Schumer am Inhalt nichts verändern – feierte sich aber dafür, dass er es geschafft hat, die Bezeichnung "big beautiful bill" aus dem Gesetz streichen zu lassen. Im März stimmte er für Trumps umstrittenen Haushaltsplan, um einen Shutdown der Regierung zu verhindern. Auch dafür musste er viel Kritik aus den eigenen Reihen einstecken. Andere Figuren der Parteispitze agierten ähnlich unglücklich - und das seit Längerem. Das Ergebnis: Einer Untersuchung der New York Times zufolge haben mehr als zwei Millionen Wähler die Partei in den vergangenen Jahren verlassen. Die Zustimmungswerte sind laut Umfragen historisch niedrig.

Experte: Strategie "dürfte kaum aufgehen"

Diese Kraftlosigkeit scheint Newsom durchbrechen zu wollen. "Ich habe mich verändert", erklärte er gegenüber dem Sender Fox LA seine neue Strategie. "Die Fakten haben sich verändert, wir Demokraten müssen uns verändern". Aber wie erfolgreich ist die Strategie der Trump-Parodie?

"Newsoms Ansinnen, Trump-Anhängern den Spiegel vorzuhalten, dürfte kaum aufgehen", glaubt Experte Hillje. Trump werde nicht trotz, sondern wegen seines vulgären Auftretens von seinen Anhängern verehrt. "Die zentrale Frage wird sein, wofür Newsom seine neue Aufmerksamkeit nutzt." Nur wenn er damit eine überzeugendere politische Vision vermitteln könne, seien die Demokraten in der Lage, Vertrauen zurückzugewinnen.

Lob vom politischen Gegner

Hillje glaubt, dass Newsom die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2028 anstrebt. Bereits bei der vergangenen Wahl wurden ihm Ambitionen nachgesagt – aber da Joe Biden erst spät seinen Rückzug erklärte und direkt Kamala Harris unterstützte, warf auch Newsom seinen Hut nicht in den Ring.

Aus dem Weißen Haus hieß es gegenüber diversen Medienanfragen zu den Social-Media-Posts, dass Newsom nicht witzig sei und sich lächerlich mache. Ein Lob für Newsom kam von unerwarteter Seite: Ex-Trump-Berater Steve Bannon, Vordenker der Make-America-Great-Again-Bewegung, attestierte Newsom gegenüber "Politico": "Er wirkt wie der Einzige in der Demokratischen Partei, der einen Kampf organisiert, von dem die Partei glaubt, ihn gewinnen zu können."

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