(Symbolbild) Ein Schild mit dem Schriftzug "Halal" vor Fleischstücken
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(Symbolbild) Halal-Siegel: Zwischen Glauben und Sicherheitsbedenken
Bildrechte: pa/dpa/CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
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Halal-Siegel: Zwischen Glauben und Sicherheitsbedenken

Halal-Siegel: Zwischen Glauben und Sicherheitsbedenken

Halal-Zertifikate auf Lebensmitteln stehen für das Einhalten islamischer Speisevorschriften – doch Verfassungsschützer sehen einzelne Zertifizierungsstellen im Dunstkreis islamistischer Netzwerke. Wie tief reichen diese Strukturen?

Über dieses Thema berichtet: KLAR am .

Islamistische Bezüge tauchen längst nicht nur dort auf, wo man sie erwartet. Ein Beispiel dafür findet sich im Alltag vieler Menschen: im Supermarkt. Zwischen Wurstwaren, Fertiggerichten und Süßigkeiten stehen Produkte mit Halal-Zertifikat – gekennzeichnet als konform mit islamischen Speisevorschriften. Was viele Verbraucher jedoch nicht wissen: Mindestens zwei Zertifizierungsstellen stehen nach Einschätzung von Verfassungsschützern in Verbindung mit Organisationen, die als islamistisch eingestuft werden.

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Halal-Zertifizierungsstelle unter Beobachtung

Für viele muslimische Konsumenten sind Halal-Lebensmittel ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Für Hersteller und Händler ist der Markt lukrativ – deshalb gibt es verschiedene Halal-Zertifizierungsstellen. Und vermutlich haben die meisten keine Verbindungen zu islamistischen Organisationen.

Im Fall des Islamischen Zentrums München (IZM) scheint das anders zu sein. Das IZM vergibt Halal-Zertifikate, zum Beispiel für Wurstwaren. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) stuft das IZM als "extremistisches Beobachtungsobjekt" ein.

Bayerischer Verfassungsschutz sieht Verbindungen zur Muslimbruderschaft

Konkret wird das IZM von den bayerischen Verfassungsschützern der "Deutschen Muslimischen Gemeinschaft e.V." (DMG) zugerechnet. Diese nutze, so das LfV, die freiheitliche demokratische Grundordnung aus, um eine extremistische Islaminterpretation zu etablieren. Die DMG wiederum sei in das Netzwerk der sogenannten Muslimbruderschaft (MB) eingebunden.

"Nach außen gibt sich die MB offen, tolerant und dialogbereit und strebt eine Zusammenarbeit mit politischen Institutionen und Entscheidungsträgern an, um so Einfluss im öffentlichen Leben zu erlangen. Ihr Ziel bleibt aber die Errichtung einer auf der Scharia basierenden gesellschaftlichen und politischen Ordnung", heißt es im aktuellen Jahresbericht der bayerischen Verfassungsschützer. Die DMG selbst hat auf Anfrage nicht geantwortet. In der Vergangenheit hatte die DMG auf BR-Anfrage eine Zugehörigkeit zur Muslimbruderschaft zurückgewiesen.

Bayerns Verfassungsschützer sehen die Rolle des Islamischen Zentrums München als Halal-Zertifizierer kritisch. In einer Stellungnahme erklärt die Behörde: "Teile der extremistischen Szene sehen Halal-Zertifizierungen als lukratives Geschäftsmodell an, das zudem die Möglichkeit bietet, sich ein breiteres Rekrutierungsfeld zu ermöglichen. Diese Entwicklung wird als problematisch wahrgenommen."

Islamisches Zentrum wehrt sich

Das Islamische Zentrum teilt auf BR-Anfrage mit: 2025 sei eine einstellige Anzahl Zertifizierungen durchgeführt worden. Man lehne pauschale Verdächtigungen und die Reproduktion islamophober Narrative ab.

Neben dem IZM gibt es weitere Akteure im Zertifizierungsmarkt. Dazu gehört das Europäische Halal Zertifizierungsinstitut (EHZ), getragen von der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt die IGMG als eine Organisation, die "als islamistische Gruppierung auftritt" und versuche, "eine nach ihrer Interpretation islamkonforme Ordnung durchzusetzen": Teil der Ideologie der "Millî Görüş" sei "ein Weltbild antiwestlicher, antisemitischer und antikapitalistischer Prägung, das die Schaffung eines allein auf islamischen Grundsätzen basierenden Gesellschaftssystems anstrebt".

IGMG weist Einstufung als islamistisch zurück

Die IGMG selbst weist die Einstufung als islamistisch durch das Bundesamt für Verfassungsschutz zurück. Seit vielen Jahren werde die IGMG in den Verfassungsschutzberichten der meisten Bundesländer nicht mehr aufgeführt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz dagegen bleibt bei seiner Einordnung, der eine "überregionale Betrachtung der Aktivitäten und Strukturen des Vereins zugrunde" liege.

Für Verbraucher bleibt damit eine schwer durchschaubare Situation. Halal-Siegel stehen einerseits für islamische Lebensmittelstandards, andererseits können sie – zumindest in Einzelfällen – auch Teil eines Geflechts fragwürdiger politischer und ideologischer Interessen sein.

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