Segler vor der iberischen Halbinsel berichten immer wieder davon, dass Orcas sie gezielt attackiert hätten. Seit 2020 geht das so und die Angriffe sind zwar weniger geworden, hören aber nicht auf. Was genau hinter dem mysteriösen Verhalten der Orcas steckt, darüber wird immer noch viel diskutiert: Mütter lehren ihren Jungen das Jagen oder allgemein, dass Orcas miteinander das Jagen trainieren, Neugierde oder reiner Spieltrieb. Bekannt ist, dass es nur etwa 16 Tiere sind, die regelmäßig Segelboote ins Visier nehmen. Insgesamt wird die Population der sogenannten Iberischen Orcas nur noch auf knapp 50 Tiere geschätzt. Und klar ist auch: eine Erklärung für das Verhalten löst das Problem auch nicht.
- 🎧 Zum ARD-Podcast: Wild Crimes - Rache der Orcas
Die aktuelle Staffel Wild Crimes geht dem Phänomen der Orcaangriffe nach. Dabei trifft Host Simon Plentinger in Spanien Fischer, Wissenschaftler und Tierschützer - dabei kommt er den Orcas selbst gefährlich nah.
Orcas haben es vor allem auf das Ruder abgesehen
Clara Weimer ist gerade erst gestartet, um den Atlantik zu überqueren, als vor Spanien ein paar Wale immer wieder ihr Boot rammen. "Das ganze Schiff zittert, als ob du grad auf Grund gelaufen wärst", schildert sie die Eindrücke an Board. Das Steuerrad dreht sich wie von Geisterhand rasend schnell. Sie und ihre Crew versuchen, die Orcas mit Lärm zu vertreiben. Aber weil das nicht hilft, beobachten sie die faszinierenden Tiere und hoffen, dass ihr Boot nicht leckschlägt. Mit einem völlig demolierten Ruder werden sie in den nächsten Hafen geschleppt.
Gebrochenes Schiffsruder
So wie Clara Weimer ging es schon hunderten Seglern in den letzten Jahren vor der iberischen Halbinsel. Nicht alle waren so gefasst wie Clara Weimer. Auch Achim Szimanski erwischt es, er ist ganz allein auf seinem Boot, als die Orcas schon mit dem ersten Schlag sein Ruder abbrechen. Er wirft Matratzen, Decken und Fender über Board, um die Orcas abzulenken. Nichts hilft, Achim erinnert sich an Todesängste, bis die Orcas wieder von allein abzogen.
Noch mehr Interesse an den iberischen Orcas seit Beginn der Vorfälle
Das mysteriöse Verhalten der iberischen Orcas ist Dauerthema, vor allem in Südspanien, wo die meisten Angriffe, oder "Interaktionen" passieren. So neutral formulieren es Wissenschaftler und Behörden vor Ort, um nicht das Image vom "Killerwal" zu befeuern.
Nach dem Corona-Lockdown werden im Sommer 2020 zum ersten Mal solche Interaktionen bekannt, seitdem ist das Interesse an den iberischen Orcas noch gewachsen. Vor Ort beschäftigen sich ganz unterschiedliche Gruppen mit den Walen: die Fischer, die sich mit den Walen den Thunfisch teilen, und die zahlreichen Whalewatching-Anbieter, auch vermehrt Wissenschaftler, die das Problem lösen wollen, aber auch Tierschützer, die sich für die Orcas einsetzen wollen. Und nicht zuletzt Boote, die Segler warnen, wenn sie ins Orca-Gebiet fahren.
Kein ungewöhnliches Verhalten für Raubtiere
Was genau diese eine Gruppe der iberischen Orcas antreibt, regelmäßig Boote zu attackieren, dafür gibt es keine ganz eindeutige Erklärung. Aber eine Tendenz: Orcas sind Raubtiere und die "müssen neugierig sein, sonst würden sie nie überleben," sagt die Biologin Heike Vester, die seit über zwanzig Jahren Orcas erforscht. Dass sie es nicht auf Motor- sondern auf Segelboote abgesehen haben, überrascht sie nicht: "Das sind nicht die schnellsten und die lautesten," so könnten die Tiere diese Boote besser untersuchen: "Und dann kann es schon mal sein, dass sie vielleicht da auch dieses Ruder entdeckt haben", das sie leicht abbrechen können. Vester deutet die Vorfälle deshalb als eine Mischung aus Jagdinstinkt, Neugier und Spieltrieb.
Segler können sich nur bedingt wehren
Weil die Orcas aber immer weitermachen, reißt die Diskussion nicht ab, wie sich Segler schützen können. Nahe der Küste in seichteren Gewässern zu fahren, ist ein Rat. Tierschützer berichten von Seglern, die Sprengsätze auf die Orcas geworfen haben – eine große Gefahr für die geräuschempfindlichen Wale, die ohne ihr Gehör nicht überleben können. Eine portugiesische Werft hat eine Zulassung für ein Ruder mit Messerklingen beantragt. Einige Segler setzen auf ein Akustiksystem, das die Wale durch für sie unangenehme Laute fernhalten sollen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

