Angesichts der weiterhin steigenden Spritpreise in Deutschland diskutieren Experten und Politiker über mögliche Maßnahmen zur Entlastung der Bürger. Dabei stehen vor allem ein Tempolimit auf den Straßen sowie erweiterte Homeoffice-Regelungen im Fokus.
Ökonomin Grimm plädiert für ein Tempolimit
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sieht in einem Tempolimit eine sinnvolle Maßnahme zur Bekämpfung der steigenden Spritpreise. Im Gespräch mit der "Rheinischen Post" erklärte Grimm, dass ein Tempolimit "kein Schaden" wäre und sogar ein "kluges Signal" setzen könnte. Ihrer Meinung nach könnte dies den Verbrauch von Treibstoff verringern und den Menschen die ernste Situation näherbringen. Grimm verwies auf Länder des globalen Südens, die bereits drastische Maßnahmen ergriffen haben, wie die Einführung von Homeoffice-Pflichten und Einschränkungen der Fahrzeugnutzung.
Grimm kritisierte jedoch, dass die bisherigen Maßnahmen der Regierung wenig wirksam seien. Ihrer Ansicht nach müsse die Regierung die Preise "wirken lassen", um die Nachfrage zu senken, anstatt auf temporäre Lösungen wie Tankrabatte oder Preisdeckel zurückzugreifen. Auch von der Übergewinnsteuer hält sie wenig, da diese die Märkte verzerren könnte.
Grünen-Politikerin Lang fordert Recht auf Homeoffice
Neben den Diskussionen über Tempolimits forderte Grünen-Politikerin Ricarda Lang als Reaktion auf die gestiegenen Spritpreise eine flexiblere Handhabung des Homeoffice. In einem Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe erklärte Lang, dass jeder "gesparte Tropfen Sprit" im Moment eine direkte Entlastung für die Bürger darstelle. Besonders für Beschäftigte, deren Tätigkeiten es zulassen, sollte es ein "Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice" geben. Lang betonte, dass dies eine konkrete Unterstützung für viele Beschäftigte darstellen könne, insbesondere in Zeiten steigender Kosten für Sprit und Bahntickets.
Lang machte jedoch auch deutlich, dass nicht alle Berufe Homeoffice ermöglichen, was die Notwendigkeit zusätzlicher Entlastungsmaßnahmen unterstreicht. Lang plädierte daher für gezielte finanzielle Unterstützung, die über eine Übergewinnsteuer finanziert werden sollte. Unternehmen, die in der aktuellen Krise außergewöhnliche Gewinne erzielen, sollten ihrer Meinung nach einen Beitrag leisten, um die negativen Folgen der hohen Spritpreise für die Bevölkerung abzumildern.
Auch Internationale Energieagentur für Tempolimit
Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte ebenfalls in einer jüngeren Empfehlung dazu aufgerufen, den Ölverbrauch durch Maßnahmen wie das Absenken des Tempolimits und eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu senken. Trotz der jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung, die den Anstieg der Spritpreise eindämmen sollen, bleibt der Dieselpreis in Deutschland auf einem Rekordhoch. Der Preis für einen Liter Diesel überstieg kürzlich den alten Rekord aus dem März 2022 und lag bei 2,327 Euro. Auch Superbenzin E10 erreichte mit 2,129 Euro je Liter einen neuen Jahreshöchststand.
Deutscher Gewerkschaftsbund fordert flexiblere Arbeitsregelungen
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte bereits zuvor ähnliche Forderungen erhoben und sich für flexiblere Homeoffice-Regelungen ausgesprochen. Der DGB fordert, dass Unternehmen ihren Beschäftigten die Wahl zwischen Büroarbeit und Homeoffice ermöglichen, um Pendelstrecken zu reduzieren und somit auch die Geldbeutel der Beschäftigten zu entlasten.
Mit Informationen von dpa
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
