ARCHIV - 18.04.2026, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses.
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Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran verlängert. Wie wird er als Nächstes im Iran-Krieg vorgehen?
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julia Demaree Nikhinson
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Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran verlängert. Wie wird er als Nächstes im Iran-Krieg vorgehen?

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Iran-Verhandlungen: Welche Optionen bleiben für Trump?

Iran-Verhandlungen: Welche Optionen bleiben für Trump?

Erst hat er gedroht, den Iran erneut zu bombardieren. Dann hat US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe verlängert. Wie kann es jetzt weitergehen? Fünf Handlungsoptionen bleiben.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Trump-Kritiker können einmal mehr "Taco" rufen. Die Abkürzung steht für "Trump always chickens out" – frei übersetzt: Am Ende kneift Trump in der Regel. Auf wüste Drohungen – wenn der Iran jetzt nicht einlenke, werde wieder massiv bombardiert – folgte einmal mehr die Kehrtwende: Trump hat die Waffenruhe verlängert, zunächst sogar auf unbestimmte Zeit. Ob und wann unter Vermittlung Pakistans tatsächlich wieder verhandelt wird, ist aber offen.

Aus iranischer Sicht bleibt Trump unberechenbar und auch der von ihm beauftragte Vizepräsident JD Vance als Verhandlungspartner unzuverlässig. Umgekehrt stellt sich aus US-Sicht die Frage: Mit wem in Teheran verhandelt man eigentlich? Sind es Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi, die zuletzt zumindest weiter gesprächsbereit schienen? Oder sitzen in Wirklichkeit längst allein die Revolutionsgarden am Hebel der Macht, die ohne Rücksicht auf Verluste hart bleiben wollen und den Abflug der iranischen Verhandlungsdelegation nach Pakistan verhindert haben?

Viele Fragezeichen bleiben. Für die USA lassen sich nun grundsätzlich fünf Handlungsoptionen skizzieren:

Option 1: Hart verhandeln

US-Medien wie das Wall Street Journal nennen zwei "rote Linien" Trumps: Der Iran müsse erstens die Anreicherung von Uran für mindestens 20 Jahre aussetzen und das bereits auf 60 Prozent angereicherte Uran außer Landes bringen. Nur so könne die Entwicklung einer iranischen Atomwaffe ausgeschlossen werden. Zweitens müsse der Iran die Straße von Hormus wieder vollständig freigeben. Nur dann könne umgekehrt die US-Blockade der Meerenge enden. Bisher lehnt der Iran dies als US-Maximalforderungen ab.

Option 2: Kompromisse finden

Kompromisse könnten etwa darin bestehen, die Urananreicherung zwar grundsätzlich für 20 Jahre einzufrieren, aber bereits nach zehn Jahren einige Restriktionen wieder aufzuheben. Die Freigabe der Straße von Hormus könnte ebenso schrittweise erfolgen, verbunden mit internationaler Kontrolle, bei der auch die Europäer ins Spiel kommen könnten. Weitere Zugeständnisse an den Iran sind durch das schrittweise Aufheben von Finanz- und Wirtschaftssanktionen vorstellbar.

Option 3: Weiter Zeit gewinnen

Auch wenn es in einer nächsten Verhandlungsrunde nicht zum "Deal" kommt, könnte Trump die Waffenruhe immer weiter verlängern. Um Fortschritte zu signalisieren, wäre als Zwischenschritt eine Verständigung auf gewisse Grundlinien denkbar. Hauptziel bliebe, immer neue Zeit für Verhandlungen zu gewinnen, ohne den Krieg wieder eskalieren zu lassen.

Option 4: Zurück zum Krieg

Um den US-Forderungen Nachdruck zu verleihen, könnte Trump seine Drohung mit neuen Luftangriffen wahrmachen. Wiederholt hat er die Bombardierung von Brücken und zivilen Kraftwerken im ganzen Land angekündigt, falls der Iran nicht einlenkt. Auch der begrenzte Einsatz von Bodentruppen stünde erneut im Raum – ganz abgesehen von einer Intensivierung des Libanonkriegs durch Israel.

Option 5: Raus aus dem Krieg

Trump würde den "Sieg" ausrufen, dabei auf die zerstörte militärische Infrastruktur im Iran verweisen, es mehr oder weniger beim Status quo belassen und sich aus dem Staub machen. Die zusätzlich in der Golfregion stationierten US-Streitkräfte würden schrittweise zurückgezogen. Dies wäre für das iranische Regime die beste, für Europa und die Welt die wohl schlechteste Entwicklung.

Ein schneller Deal scheint unrealistisch

Welche Richtung Trump auch einschlägt – eine schnelle umfassende Verhandlungslösung scheint unrealistisch, nicht nur aufgrund der unklaren Machtverhältnisse in Teheran. Als die USA und die damals beteiligten Europäer im Jahr 2015 den Abschluss eines Atomabkommens verkündeten, hatten sie mit dem Iran zwei Jahre lang verhandelt. Jon Finer, damals Stabschef des verhandlungsführenden US-Außenministers John Kerry, beschrieb die Iraner im Radiosender NPR vor kurzem als äußerst hartnäckige Verhandler mit extrem guter Detailkenntnis. Jetzt eine Lösung in zwei Tagen oder zwei Wochen zu erzielen, ist für die damals Beteiligten kaum vorstellbar.

Klar ist: Trump steht innenpolitisch enorm unter Druck. Der Iran-Krieg ist mehrheitlich unbeliebt, auch prominente frühere Unterstützer Trumps versagen ihm die Gefolgschaft, die Benzinpreise sind auch in den USA gestiegen, im November stehen die Kongress-Zwischenwahlen an. Trump will offenbar möglichst schnell raus aus dem Krieg, ohne dabei Schwäche zu zeigen. Wie er das erreichen will, erscheint offener denn je.

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