Eine Person legt zu Pessach Mazze auf den Tisch.
Eine Person legt zu Pessach Mazze auf den Tisch.
Bild
Eine Person legt zu Pessach Mazze auf den Tisch.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Fabian Sommer
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance/dpa | Fabian Sommer
Videobeitrag

Eine Person legt zu Pessach Mazze auf den Tisch.

Videobeitrag
>

Jüdischer Frühjahrsputz: Jüdinnen und Juden feiern Pessach

Jüdischer Frühjahrsputz: Jüdinnen und Juden feiern Pessach

Pessach gehört zu den wichtigsten jüdischen Festen. Es wird auch in Bayern gefeiert, in Familien und in den insgesamt 15 jüdischen Gemeinden des Freistaats. Besonders aufwändig sind die Vorbereitungen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Wenn Pessach vor der Tür steht, wird in der Synagoge von Straubing erstmal gründlich geputzt. Die Gemeindevorsitzende Anna Zisler sagt, auch viele ihrer nicht-jüdischen Nachbarn und Freundinnen seien jetzt beim Großreinemachen. Sie ist überzeugt, der Frühjahrsputz leite sich "hundertprozentig vom Putzen an Pessach ab".

Pessach: Ein Fest der "Freiheit"

Beim achttägigen Pessach-Fest erinnern jüdische Menschen an die Exodusgeschichte im 2. Buch Mose. Sie erzählt vom Ausbruch der Israeliten aus der Sklaverei der Pharaonen, der Flucht durch die Wüste und von den gottgesandten Plagen über Ägypten.

Mendel Muraiti, Rabbiner der Straubinger Gemeinde, erklärt, das Pessachfest sei ein Symbol von "einem neuen Leben, einem neuen Anfang und von Freiheit". Der gründliche Hausputz steht ihm zufolge auch für den Neuanfang im Frühling.

Die Gemeindevorsitzende Zisler sagt: "Das jüdische Volk hat überlebt und wird überleben, vor allem weil wir unsere Traditionen halten." Pessach sei eine gute Gelegenheit, den Kindern Traditionen und Bräuche zu zeigen.

"Mazze": Ungesäuertes Brot wie auf der Flucht aus Ägypten

Einer der Bräuche ist, alles sogenannte "Chametz" loszuwerden. "Chametz", darunter versteht man Gebäck, Nudeln oder Bier, das bei der Zubereitung länger als 18 Minuten gegangen ist.

Zisler erzählt vom Auszug der Israeliten aus Ägypten: "Sie hatten keine Zeit mehr, das Brot zu backen und konnten nur noch Mehl und Wasser verrühren. Um an diese schwere Zeit zu erinnern und daran zu denken, wie gut es uns jetzt geht, feiern wir Pessach." Deshalb wird zu Pessach traditionell Mazze gegessen, ungesäuertes Brot.

Kinder suchen "Chametz" wie Ostereier

In der Straubinger Synagoge haben sie kistenweise Lebensmittel für einen symbolischen Euro an ukrainische Flüchtlinge verkauft. Dann hat das Küchenteam die Schränke gründlich geputzt, das Alltagsgeschirr weggepackt und das spezielle für Pessach aus dem Keller geholt.

Aber etwas "Chametz" wird aufgehoben. Es wird am Vorabend von Pessach in Tütchen getan und in der Synagoge und dem Gemeindehaus versteckt. Kinder suchen es dann – ähnlich wie andere Kinder am Ostersonntag Ostereier. Sie essen das Chametz allerdings nicht, sondern verbrennen es am ersten Tag von Pessach – in Feuern, die wiederum an Osterfeuer erinnern, jedoch im Judentum religiöse Pflicht sind. Danach gibt es das sogenannte Sedermahl. 

Pessach-Traditionen: Bitterkraut und Salzwasser

Auf einen Sederteller gehört eine traditionelle Auswahl von Speisen: ein hartgekochtes Ei, Kraut, rohes Frühlingsgemüse wie Sellerie, Petersilie oder Zwiebeln, ein Knochen, der an das Pessachlamm erinnert, das am ersten Abend des Auszugs der Israeliten aus Ägypten geopfert wurde, Bitterkraut und Chrarosset.

Charosset bedeutet "Lehm" auf Hebräisch und steht symbolisch für den Lehm, aus dem Jüdinnen und Juden in der ägyptischen Knechtschaft Ziegel herstellen mussten. Es ist eine Mischung aus Früchten und Nüssen und die einzige süße Seder-Mahlzeit. Dazu wird Salzwasser gereicht, das die Tränen symbolisiert, die beim Auszug aus Ägypten vergossen wurden, sagt Anna Zisler, die Straubinger Gemeindevorsitzende.

Gemeindevorsitzende: Pessach ist ein Familienfest

Neben dem Essen wird an Pessach die Geschichte von dieser Flucht vorgelesen. Danach wird von neuem geputzt: "Sie können sich nicht vorstellen, wie eine Mazze bröselt", sagt Zisler. Pessach ist aber auch ein Familienfest. Und so feiert es auch Anna Zisler – in ihrer Gemeinde mit ihren Kindern und Enkeln. 

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Sie interessieren sich für Themen rund um Religion und Spiritualität? Dann abonnieren Sie hier den Newsletter der Redaktion Religion & Orientierung.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!