Montage: Ein Mann mit Fahrrad, hinter ihm ein Haus und eine Explosion, am Himmel die Augen Putins.
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Was führt Putin im Schilde während die Welt mit Trump, Iran, Papst abgelenkt ist?
Bildrechte: picture alliance / AA | Anatolii Stepanov, picture alliance / Rene Traut Fotografie | Rene Traut, picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited, colourbox.com/306552, picture alliance / Westend61 | Uwe Umstätter; Montage: BR/Maxi Schumann
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Was führt Putin im Schilde während die Welt mit Trump, Iran, Papst abgelenkt ist?

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Krieg in Europa: Wie real ist die Bedrohung durch Russland?

Krieg in Europa: Wie real ist die Bedrohung durch Russland?

Sabotage, Drohnen, geplante Attentate — Russland agiert längst auf deutschem Boden. Kommt nach dem hybriden Krieg der echte? Die Antwort ist unbequem.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Die Kriegsgefahr ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr — da ist sich Hauke Friederichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT und Autor des Buches "Wenn morgen bei uns Krieg wäre", sicher. Russland dringe mit Kampfjets in den NATO-Luftraum ein, schicke Militärdrohnen nach Polen, verübe Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur. "Es fehlt immer nur ein bisschen, um aus solchen Aktionen einen echten Krieg entstehen zu lassen", sagt Friederichs im BR24-Interview für "Possoch klärt". Was, wenn eine dieser Drohnen in ein Chemiewerk stürzt?

"Russland sieht sich bereits im Krieg mit uns"

Russland-Expertin Leslie Schübel von der Körber-Stiftung ordnet ein: Was öffentlich bekannt ist, sei nur die Spitze des Eisbergs. Explodierte Pakete, gekaperte Regierungsserver, manipulierte Zahlungswege, Stromausfall — das sei das wahrscheinlichste russische Angriffsszenario der nächsten Jahre: systematisches Austesten, wie weit man gehen kann. Die historische Parallele ist auch für Friederichs frappierend: Was KGB und Stasi im Kalten Krieg planten — Sabotage, Brandanschläge auf Rüstungsindustrie, Anschläge auf Führungspersonal — setze Putins Machtapparat heute nahezu eins zu eins um, inklusive des geplanten Attentats auf den Rheinmetall-Chef. "Russland sieht sich bereits im Krieg mit uns", sagt Schübel.

"Abschreckung ist eine Form der Kommunikation"

Könnte Russland trotzdem einen offenen Angriff wagen? Nico Lange, Senior Fellow für die Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz, gibt eine beunruhigende Antwort: Es kommt darauf an — nicht darauf, was "die NATO" abstrakt tut, sondern was Deutschland konkret signalisiert.

"Abschreckung ist eine Form der Kommunikation", sagt Lange. Man müsse der anderen Seite klarmachen: Wenn ihr kommt, ergeht es euch schlecht. Dieses Signal sende Deutschland derzeit nicht laut genug. Wer sich stets herauswindet, keine Drohnen abschießt, kaum Wehrpflichtdebatte führt — der kommuniziert Schwäche. Und genau das könnte Putin in Versuchung führen, auf einen kurzen Krieg zu setzen. Die Geschichte zeigt: Viele lange Kriege, darunter der russisch-ukrainische, wurden vom Aggressor als kurzer Krieg geplant.

Im Video: Plant Putin den großen Krieg, während wir abgelenkt sind? Possoch klärt!

Artikel 5 ist kein Automatismus

Mit einer wichtigen Illusion räumt Friederichs auf: Artikel 5 bedeutet nicht zwingend militärischen Beistand. Der NATO-Vertrag verpflichte Mitglieder zur gegenseitigen Unterstützung — nicht aber dazu, sofort Soldaten und Panzer zu schicken. Unterstützung könnte im Extremfall auch ein Beileidstelegramm und Schutzhelme sein. Außerdem gelte Artikel 5 nicht automatisch bei Sabotageakten oder Attentaten — erst ab einer bestimmten Schwelle. Russland könne zum Beispiel einen maroden Öl-Tanker seiner Schattenflotte vor unseren Küsten versenken: Wir hätten die Umweltkatastrophe, aber keinen Bündnisfall.

Eine Kriegssimulation der WELT und der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt] illustriert die Lücken in unserer Verteidigung: In dem Szenario drangen russische Truppen über die belarussisch-litauische Grenze vor, isolierten die deutsche Panzerbrigade in Litauen und überbrückten den Suwałki-Korridor — das Baltikum war vom Rest der NATO abgeschnitten. Der entscheidende Nachteil des Verteidigers: Russland bestimmte Zeitpunkt und Ort des Angriffs.

"Die Menschen haben ein Recht, wie Erwachsene behandelt zu werden"

Schübel nennt, was Polen und die baltischen Staaten anders machen: Dort ist der Bevölkerung bewusst, wozu der östliche Nachbar fähig ist — und bereit ist. In Deutschland fehle diese Klarheit noch. Für Lange ist das kein Argument für Panik, sondern für Ehrlichkeit: Politische Entscheider hätten die Menschen über Jahrzehnte nicht für erwachsen genug gehalten, die Lage zu kennen. Das spüre die Gesellschaft. Die wesentlichen Sicherheitsentscheidungen der Bundesrepublik — Wiederbewaffnung, NATO-Beitritt, NATO-Doppelbeschluss — seien in erheblichem Konflikt entstanden, mit knappen Mehrheiten. Konsens sei keine Voraussetzung für richtige Entscheidungen. Klarheit schon.

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