Erstmals seit Beginn der Waffenruhe vor zwei Monaten haben sich der Iran und Israel wieder gegenseitig angegriffen. Der Iran hatte Israel Sonntagabend mit mehreren Raketensalven attackiert - nach eigenen Angaben als Reaktion auf israelische Angriffe im Libanon. Israel nahm daraufhin militärische Ziele im Iran ins Visier - und setzte sich damit über die Aufforderung von US-Präsident Donald Trump hinweg, von Vergeltungsmaßnahmen abzusehen. Teheran reagierte wieder mit mehreren Angriffswellen, kündigte am späten Mittag aber an, diese vorerst wieder einzustellen. Auch Israel soll einem Insider zufolge bereit sein, seine Angriffe auf den Iran zu beenden.
Wie ist die aktuelle Lage in Nahost? Darüber haben wir mit Sophie von der Tann, ARD-Korrespondentin im Studio Tel Aviv und Gabriele Dunkel, ARD-Korrespondentin im Studio Istanbul gesprochen. Das Video zum Livestream finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Iran warnt vor weiteren israelischen Angriffen
Irans militärisches Hauptquartier warnte aber vor "härteren und vernichtenderen Maßnahmen als bisher", sollten die Kampfhandlungen, darunter Israels Angriffe im Südlibanon, weitergehen.
Erst in der Nacht zum vergangenen Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach US-Vermittlung auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der Waffenruhe in dem Konflikt geeinigt - die bisher faktisch kaum wirksam war. Die Hisbollah lehnte die vereinbarten Bedingungen ab. Kurz darauf erfolgten neue Angriffe der Miliz. Im Libanon hatte es bereits am Morgen nach den Gesprächen Berichte über neue israelische Angriffe gegeben.
Neue Vergeltungsschläge bedrohen Trumps Vermittlungsversuche
Am Sonntag feuerte Israel auf Vororte in Beirut - für Teheran die nächste Eskalationsstufe, auf die das Land mit Raketen auf Israel reagierte. Die israelische Armee griff daraufhin am Montag eine Petrochemie-Anlage im Südwesten Irans sowie weitere militärische Ziele an. Auch in Teheran waren Explosionen zu hören. Wiederum als Vergeltung feuerten die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) nach eigenen Angaben Raketen auf eine vergleichbare Anlage in der israelischen Stadt Haifa, zudem heulten in vielen Orten im Norden, Süden und Zentrum Israels die Sirenen.
Die jüngsten Kampfhandlungen drohen die Hoffnungen auf eine von US-Präsident Donald Trump angestrebte Vereinbarung zur Beilegung des Konflikts in der Region zunichtezumachen. Trump selbst bestand in mehreren Posts jedoch darauf, dass weiter an einer baldigen Lösung des Konflikts gearbeitet werde, beide Seiten müssten "sofort aufhören zu schießen".
EU fordert zu Deeskalation auf
Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte die jüngsten Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran . "Ich denke, die Region braucht keine weitere Eskalation", sagte Kallas vor einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Nikosia am Montag. Stattdessen sollten sich die Kriegsparteien "an den Verhandlungstisch setzen und eine Einigung erzielen", forderte Kallas.
Mit Informationen von dpa und Reuters
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