Linksextreme Demo am "Tag der politischen Gefangenen".
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Linksextremismus: "Rote Hilfe" auch für mutmaßliche Straftäter

Linksextremismus: "Rote Hilfe" auch für mutmaßliche Straftäter

Die Rote Hilfe unterstützt nicht nur "linke Aktivist*innen", sondern auch mutmaßliche Straftäter. Nach Einschätzung des sächsischen Verfassungsschutzes nimmt dies dem Strafrecht die abschreckende Wirkung und untergräbt den Rechtsstaat.

Über dieses Thema berichtet: report München am .

"Anna und Arthur halten's Maul" steht auf der Internetseite des Vereins Rote Hilfe (externer Link). Damit ist gemeint, dass linke Aktivistinnen und Aktivisten gegenüber Polizei oder Staatsanwaltschaft die Aussage verweigern sollen - oder, wie es der Verein nennt, gegenüber "Repressionsorganen". Wer sich daran hält, kann bei Problemen mit Polizei und Justiz offenbar auf Unterstützung der Roten Hilfe hoffen - solidarisch und finanziell.

Verfassungsschutz: "Rote Hilfe" für mutmaßliche linksextreme Straftäter

Verfassungsschutzbehörden sehen die Aktivitäten des Vereins kritisch und beobachten ihn seit Jahren. Das primäre Betätigungsfeld der Roten Hilfe sei "die Unterstützung linksextremistischer Straftäter", heißt es im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Und das Landesamt in Sachsen vermerkt: "Ziel des Vereins ist die juristische und finanzielle Unterstützung von Straf- und Gewalttätern des ,linken' Spektrums, zum Beispiel bei anfallenden Anwalts- und Prozesskosten."

Die Rote Hilfe weist dies auf Anfrage von report München als "pauschale Zuschreibung" zurück. Der Verein unterstütze Personen, "die sich wegen ihres politischen Engagements mit Ermittlungsverfahren, Prozessen und anderen Repressionsmaßnahmen konfrontiert sehen".

Ein Aktivist berichtet

Ein junger Mann aus Nürnberg, der sich als "Aktivist der linken Szene" bezeichnet und anonym bleiben möchte, schätzt die Rote Hilfe. Er spricht aber nicht stellvertretend für sie. "Der Zweck, der hinter einer roten Hilfe steht, ist zum Beispiel, die Leute zu ermuntern, zu ihren politischen Aktionen zu stehen", erzählt er im Interview mit report München. Auch in Bayern unterhält die Rote Hilfe mehrere Ortsgruppen, unter anderem in Nürnberg. "Es geht darum, dass ich im Gerichtssaal nicht einknicken muss und sagen muss, oh, das tut mir alles total leid, sondern um die Verteidigung des eigenen Handelns", so der Aktivist.

In Dresden stehen derzeit gleich sieben Angeklagte, vor Gericht. Sie sollen laut Anklage Mitglieder oder Unterstützer der sogenannten "Hammerbande" sein. Einige von ihnen sollen an Angriffen auf Personen beteiligt gewesen sein, die der rechten Szene angehören oder von der Gruppe als rechtsradikal angesehen wurden. Unter anderem kamen dabei Hämmer zum Einsatz. Insgesamt sollen mindestens 28 Personen zum Teil schwer verletzt worden sein, auch in Budapest. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Laut sächsischem Verfassungsschutz zeigt sich die Rote Hilfe immer wieder solidarisch und veröffentlichte zum Prozessauftakt im November 2025 eine Pressemitteilung, die die Unterstützung der Angeklagten zum Ausdruck bringen sollte: "Wir als Rote Hilfe e. V. stehen an der Seite der Angeklagten. Wir sind alle Antifa!"

Wie weit die Unterstützung der Roten Hilfe im Fall der "Hammerbande" geht, ist nicht bekannt. Auf Anfrage verweist die Rote Hilfe auf das laufende Verfahren und teilt mit, dass sie keine personenbezogenen Auskünfte erteilt.

Rote Hilfe: Millionen für Aktivistinnen und Aktivisten

Die Rote Hilfe unterstützt nach eigenen Angaben "jedes Jahr eine Vielzahl von linken Aktivist*innen, die sich wegen ihres politischen Engagements mit Ermittlungsverfahren, Prozessen und anderen Repressionsmaßnahmen konfrontiert sehen". Allein im vergangenen Jahr, so der Verein, seien knapp 1,2 Millionen Euro direkte Unterstützungsleistungen ausgezahlt worden.

Hierbei handle es sich um "konkrete Hilfeleistungen in Repressionsfällen: zum Beispiel für anwaltliche Unterstützung, Verfahrenskosten, Repressionskosten oder Haftunterstützung." Weitere 600.000 Euro seien in Öffentlichkeitsarbeit zu Repressionsfällen und Gesetzesverschärfungen geflossen.

Der sächsische Verfassungsschutzpräsident Dirk-Martin Christian kritisiert, dass "die Abschreckungsfunktion, die das Strafrecht ja eigentlich haben soll", dadurch unterminiert wird, dass Leute, "die schwerste Straftaten begehen, fest damit rechnen können, dass sie zumindest eine finanzielle Unterstützung erfahren."

Linke Bundestagsabgeordnete unterstützen Verein als Mitglieder

Die Rote Hilfe finanziert sich vor allem über Mitgliedsbeiträge, im Jahr 2025 hat sie nach eigenen Angaben 1,8 Millionen Euro eingenommen. Aktuell habe sie rund 19.800 Vereinsmitglieder.

Einige dieser Mitglieder sitzen im Deutschen Bundestag, als Abgeordnete der Partei "Die Linke". Wie zum Beispiel Isabelle Vandre aus Brandenburg, Vinzenz Glaser aus Baden-Württemberg oder Desirée Becker aus Hessen. Auf Anfrage von report München möchte sich keiner von ihnen vor der Kamera dazu äußern. Der Bundesgeschäftsführer der Partei, Janis Ehling, antwortet auf Nachfrage: "Ich halte die Rechtshilfe für politisch Angeklagte in einer Demokratie durchaus für legitim."

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