(Symbolbild) Eine Gruppe vermummter Männer zwischen Pyrolicht und Rauch.
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(Symbolbild) Linksextremismus - Die unterschätzte Gefahr?
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Linksextremismus: Mutmaßliches Opfer der Hammerbande erzählt

Linksextremismus: Mutmaßliches Opfer der Hammerbande erzählt

Der Verfassungsschutz geht von über 11.000 gewaltorientierten Linksextremisten aus und warnt vor einer zunehmenden Professionalität. Investigative Recherchen von report München zeichnen das Bild einer Szene, die zum Teil schwere Straftaten begeht.

Über dieses Thema berichtet: report München am .

Dresden, bittere Novemberkälte. Hier, am Hammerweg, beginnt Ende vergangenen Jahres eines der größten Staatsschutzverfahren gegen linke Gewalttäter. Es geht um die sogenannte Hammerbande. Als die sieben Angeklagten in den Gerichtssaal kommen, werden sie vom Publikum gefeiert wie Popstars. Dabei geht es hier mitunter um versuchten Mord.

Mitglieder des Netzwerkes sollen laut Anklage mindestens 28 Menschen zum Teil schwer verletzt haben, vor allem in Ostdeutschland. Der wohl prominenteste Tatort aber ist Budapest. Hier sollen sie regelrecht Jagd auf Neonazis gemacht haben – und auf Personen, die sie dafür hielten. An drei Tagen sollen sie neun Personen attackiert haben, laut Generalbundesanwalt mit Hämmern, Schlagstöcken und Pfefferspray. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei Urteile sind in diesem Zusammenhang bereits gefallen: gegen Maja T. in Budapest und gegen Hanna S. in München. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Leipzig-Connewitz: Angriff auf Kanalarbeiter 

Wie brutal Mitglieder der sogenannten Hammerbande laut Anklage vorgegangen sein sollen, zeigt der Fall eines Kanalarbeiters. Er wird am helllichten Tag in Leipzig-Connewitz von mehreren vermummten Personen zusammengeschlagen, erleidet Brüche im Gesicht und sternförmige Verletzungen am Kopf. report München gelingt es, Kontakt zu dem Mann aufzunehmen. Nach langen Telefonaten ist er bereit, seine Geschichte exklusiv zu erzählen, möchte jedoch nicht erkannt werden.

Der Mann leidet bis heute unter Panikstörungen, sagt er. Seinen Job als Kanalarbeiter musste er aufgeben und umschulen. Ins Visier der Angreifer geriet er offenbar, weil er die falsche Mütze trug. Es war die eines Modelabels aus der rechten Szene, der er laut eigener Aussage selbst mal angehörte. Zum Tatzeitpunkt aber hatte er "damit gar nichts mehr zu tun", so der Mann. Für Sachsens Verfassungsschutzpräsidenten Dirk-Martin Christian ist der Fall ein treffendes Beispiel für die Selbstermächtigung der Szene: Sie übe "gewissermaßen Selbstjustiz gegen Menschen, von denen sie glaubt, sie würden quasi in das feindliche Lager gehören".

Im Video: report München: Linksextremismus · Die unterschätzte Gefahr?

Der Verfassungsschutz geht von mehr als 11.000 gewaltorientierten Linksextremisten und warnt vor einer zunehmenden Professionalität. Investigative Recherchen von report München zeichnen das Bild einer Szene, die zum Teil schwere Straftaten begeht.
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Der Verfassungsschutz geht von mehr als 11.000 gewaltorientierten Linksextremisten und warnt vor einer zunehmenden Professionalität.

Zentrale Figur der Gruppe soll der 33-jährige Johann G. sein, jahrelang einer der meistgesuchten Linksextremisten Deutschlands. Ende 2024, nach vier Jahren im Untergrund, wird er von Zielfahndern in einem Regionalzug bei Weimar festgenommen. Johann G. soll seit seiner Jugend in der autonomen Szene aktiv sein, wird früh straffällig. Gemeinsam mit seiner früheren Partnerin, der bereits verurteilten Lina E., soll er innerhalb der Vereinigung eine "herausgehobene Stellung" eingenommen haben. So steht es in der Anklage. Das heißt: Johann G. habe die Angriffe maßgeblich geplant und dafür auch Personen aus der linksextremen Szene mobilisiert.

Anfragen von report München an die Verteidiger von Johann G. zu einer Stellungnahme blieben unbeantwortet. 

"Hammerbande": Johann G. und Lina E. laut Anklage im Zentrum

Auf diese Angriffe soll sich die Gruppe intensiv vorbereitet haben: Johann G. habe Schulungen organisiert, in denen Kampfsporttechniken vermittelt worden seien. Im rechtskräftigen Urteil gegen Lina E. ist die Rede von "Szenariotrainings". Gezielt seien Schläge auf "markante Körperstellen" trainiert worden: Schienbein, Knie und Kopf, so beschreibt es ein Zeuge. Und alles sollte schnell gehen, nach 30 Sekunden vorbei sein. Die Aussagen dieses Zeugen dürften auch im nun laufenden Verfahren eine wichtige Rolle spielen. 

Laut Informationen von report München fanden diese "Szenariotrainings" auf einem alten Fabrikgelände im Leipziger Westen statt. Im vorderen Bereich: eine Fahrradwerkstatt, ein Umsonstladen, ein Lesecafé. Im hinteren Teil, ganz oben, versperrt eine schwere Eisentür den Zutritt. Darauf steht: "Hier endet der öffentliche Bereich."

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) mahnt, politische Gewalt müsse unabhängig von der Richtung klar verurteilt werden. Linksextremisten würden davon leben, dass ihre Taten als "Einsatz für etwas Gutes charakterisiert" würden. Und dieser öffentliche Kredit, so Schuster, der sei das Problem. 

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