Archivbild: Europäische Staatschefs in Trumps Oval Office (August 2025)
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Mehr Mut gegenüber Trump: Europäer finden ihre Stimme wieder

Mehr Mut gegenüber Trump: Europäer finden ihre Stimme wieder

Bislang hatten Amerikas Nato-Partner auf die Breitseiten Trumps mit einer Mischung aus Servilität und Nachsicht reagiert. Die Gründe: der Krieg gegen die Ukraine und die mangelnde Verteidigungsfähigkeit. Doch mit dem Iran-Krieg drehte sich der Wind.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Den Anfang machte der britische Premierminister Keir Starmer. Wenige Stunden nach Beginn der fragilen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran am 8. April landete die Regierungsmaschine Starmers in Saudi-Arabien. Er wolle mit seiner Visite in Riad sowie in Bahrain und den Emiraten zeigen, dass Großbritannien zu "unseren Verbündeten" stehe. Donald Trump hatte zuvor den britischen Premierminister sowie die gesamten Nato-Staats- und Regierungschefs grobschlächtig dafür kritisiert, dass sie die USA im Iran-Krieg nicht unterstützten und sich an der Sicherung der Straße von Hormus nicht beteiligen würden.

Das wollte Starmer bei seinem Besuch der Golfstaaten nicht mehr länger auf sich sitzen lassen: "Ich habe die Nase voll", gab der ansonsten zurückhaltend formulierende Premier zu. Britische Unternehmen und die Bevölkerung seien den Unbilden rasch steigender Energiekosten ausgesetzt und das Ganze nur "wegen der Taten von Putin und Trump weltweit". Zudem halte er von Trumps Vernichtungsdrohungen an die Adresse des Iran nichts: "Ich würde solche Worte niemals benutzen." Dies würde "unseren britischen Werten und Prinzipien" nicht entsprechen.

Hatte Starmer seit dem Wiedereinzug Trumps ins Weiße Haus mit einer fast unablässigen Charmeoffensive versucht, den amerikanischen Präsidenten von dem Stellenwert der "besonderen Beziehungen" zwischen den USA und Großbritannien zu überzeugen, war damit nun Schluss. Und Starmer sollte nicht der einzige europäische Nato-Partner bleiben, der Trumps Beleidigungen nicht unwidersprochen über sich ergehen ließ.

Meloni adaptiert Trumps Taktik: Sag niemals sorry

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni zählte bis zum Angriffskrieg Amerikas und Israels gegen den Iran zu denjenigen europäischen Nato-Partnern Washingtons, die über gute Beziehungen zum US-Präsidenten verfügten. Die rechtsnationale Meloni pflegte enge Kontakte zum Weißen Haus und wurde als einzige Europäerin zur Amtseinführung nach Washington eingeladen. Trump hatte sie als europäisches Vorbild in der Migrationspolitik mehrfach gelobt. Dies änderte sich mit dem Iran-Krieg und den massiven wirtschaftlichen Auswirkungen auf Italien.

"Wir hatten ohne Zweifel ein offenes Gespräch", fasste Meloni ihr Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio Anfang des Monats in Rom zusammen. Die italienische Ministerpräsidentin sei im Gespräch mit Rubio "sehr direkt und klar" geworden, hieß es anschließend aus italienischen Regierungskreisen. Schließlich sei Italien in hohem Maße von Energieimporten abhängig und werde von den rasant angestiegenen Treibstoffpreisen hart getroffen.

Meloni hatte bereits Mitte April Trumps Anschuldigungen an die Adresse von Papst Leo nicht achselzuckend über sich ergehen lassen: Trumps Angriffe auf das Oberhaupt der katholischen Kirche seien "inakzeptabel": "Es ist richtig und normal, dass er (Papst Leo) zum Frieden aufruft und jede Form von Krieg verurteilt." Die umgehenden Schmähungen des US-Präsidenten, Meloni habe "keinen Mut", ließ Meloni an sich abtropfen.

Merz nimmt nichts zurück

Der Bundeskanzler, der Zeit seines politischen Lebens an die Stabilität der transatlantischen Beziehungen geglaubt hatte, sorgte in den vergangenen Tagen und Wochen mit seiner Kritik an Donald Trump für internationales Aufsehen. Auch Friedrich Merz fiel es zunehmend schwerer, zu den massiven, negativen Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Deutschland länger zu schweigen. Keine Strategie, keine erkennbaren Exit-Pläne zur Beendigung des Kriegs, keine gute Verhandlungsführung und zudem noch gedemütigt worden von Teheran: Mit diesen Feststellungen, die von europäischen Nato-Partnern geteilt werden, zog Merz den erwartbaren Zorn des US-Präsidenten auf sich.

Doch in der Sache gab der Bundeskanzler nicht nach: Dass Trump und er einen "unterschiedlichen Blick auf den Krieg haben, ist kein Geheimnis", sagte Merz bei Caren Miosga in der ARD. Damit stünde er nicht allein. Teilnehmer des Katholikentages in Würzburg ließ Merz wissen, dass sich die USA nicht zu ihrem Vorteil verändert hätten und er deswegen "seinen Kindern" von einem dortigen Aufenthalt abraten würde.

Woran liegt die härtere Haltung Europas?

In Europa gebe es "die wachsende und berechtigte Überzeugung, dass Washington weniger Einfluss auf den Kontinent hat als noch vor einem Jahr", schreibt der britische "Guardian". Das trifft exakt zu, aus mehreren Gründen: Erstens finanzieren die Europäer nahezu eigenständig den ukrainischen Abwehrkampf gegen die russischen Angreifer. Die Ukraine verfügt mittlerweile über eine leistungsfähige Rüstungsindustrie und produziert rund 60 Prozent an Waffen, Munition und Gerät im eigenen Land. "Eine weniger von den USA abhängige Ukraine bedeutet ein weniger von den USA abhängiges Europa", so der "Guardian". Der Iran-Krieg habe der Trump-Regierung vor Augen geführt, dass das US-Militär auf die zahlreichen Stützpunkte in Europa angewiesen ist. Die Drohungen Trumps, die vor wenigen Monaten noch Angst und Schrecken in europäischen Regierungszentren ausgelöst haben, verlören ihre Wirkung.

Europas Militärausgaben sind sehr deutlich in die Höhe geschossen. Die Verteidigungshaushalte der europäischen Nato-Partner werden in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Die europäischen Regierungen seien deshalb inzwischen besser in der Lage, dem Druck Trumps standzuhalten. Die Verbündeten der USA, bilanziert der "Guardian", hätten nicht mehr länger das Gefühl, "dass sie sich bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit einschmeicheln und ihm nach dem Mund reden müssen".

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