Vor allem enttäuschte Erwartungen sieht Dr. Roland Abold als Ursache für die schlechte Stimmung im Land. Er ist Meinungsforscher und Geschäftsführer bei dem für den ARD-DeutschlandTrend verantwortlichen Institut Infratest dimap. Die Regierung habe zu Beginn ihrer Amtszeit große Hoffnungen auf Reformen, Stabilität und einen besseren Umgang innerhalb der Koalition geweckt, erklärt Abold. Festzustellen sei, "dass aktuell aus Sicht der Bevölkerung diese Erwartungen nicht erfüllt werden".
Wenig Vertrauen in Bundesregierung
Im letzten ARD-DeutschlandTrend fiel das Urteil vieler Menschen entsprechend ernüchternd aus. Nur 13 Prozent gaben an, dass sie zufrieden oder sehr zufrieden mit der Regierung Merz sind. Damit erreicht die schwarz-rote Koalition den niedrigsten Zustimmungswert, den Infratest dimap seit Beginn der Umfragen für eine Bundesregierung im ersten Amtsjahr gemessen hat.
Krisenstimmung – In welchem Land wollen wir leben?
Darüber diskutieren am Mittwochabend in der Münchner Runde um 20:15 Uhr der CSU-Politiker Manfred Weber, Partei- und Fraktionsvorsitzender der EVP, Sebastian Roloff, Vorsitzender der BayernSPD, Stephan Protschka, AfD-Parteivorsitzender in Bayern, die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm, sowie der Politikwissenschaftler Prof. Peter R. Neumann.
Moderiert wird die Live-Sendung von BR-Chefredakteur Christian Nitsche.
Warum steht die AfD in Umfragen so gut da?
Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung wirkt sich auch auf die Sonntagsfrage aus. Demnach wäre die AfD derzeit stärkste politische Kraft auf Bundesebene, noch vor der Union. Roland Abold erklärt dies zum einen mit der klassischen Rolle der AfD als größte Oppositionspartei, die natürlicherweise von der Unzufriedenheit mit der Regierung profitiere. Gleichzeitig würden jedoch immer mehr Menschen der Partei auch inhaltliche Kompetenz zuschreiben. "In unseren Umfragen sagt ungefähr jeder Zweite, dass er die AfD aus Überzeugung und nicht aus Unzufriedenheit wählt."
Nach Einschätzung des Meinungsforschers punktet die AfD inzwischen nicht mehr nur beim Thema Migration. Auch in den Bereichen Wirtschaft und Energieversorgung trauten viele Wählerinnen und Wähler der Partei Lösungen zu.
Wunsch nach Stabilität trotz Unzufriedenheit
Zugleich verlieren die etablierten Parteien dem Meinungsforscher zufolge zunehmend an Bindekraft. Die Wechselbereitschaft unter Wählerinnen und Wählern nehme zu. "Zusätzlich sehen wir auch, dass das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Parteien relativ gering ist." Die Vielzahl an Krisen erschwere es den Parteien aktuell, politische Kompromisse und stabile Mehrheiten zu finden, so Abolds Einschätzung.
Menschen sehen Reformbedarf
Prinzipiell würden sich die Menschen in Deutschland aber Reformen wünschen. Die Notwendigkeit, insbesondere auch hinsichtlich der sozialen Sicherungssysteme, also Rente, Gesundheit und Pflege, würde sehr hoch angesehen. Sein Fazit: "Also die Deutschen sind definitiv davon überzeugt, dass hier hoher Reformbedarf besteht."
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