Kurz vor Beginn der Aufstiegssaison am Mount Everest ist die Route zum Gipfel des höchsten Bergs der Welt von einem gewaltigen Eisblock blockiert. Die normalerweise längst geöffnete Strecke vom Basislager zu Lager 2 sei durch einen Sérac – einen aufgetürmten Eisblock – im Khumbu-Eisbruch versperrt, teilte Nepals Tourismusministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.
Gletscher in ständiger Veränderung
Der Khumbu-Eisbruch ist ein Gletscher mit tiefen Spalten, der sich ständig verändert. Er hat riesige überhängende Eisflächen, die so groß wie zehnstöckige Häuser sein können. Der Khumbu-Gletscher gilt als einer der schwierigsten und kniffligsten Abschnitte auf dem Weg zum 8.848 Meter hohen Gipfel.
Behörde: Bergsteiger müssen sich gedulden
Das Gletschergebilde oberhalb des Basislagers sei instabil und für die Bergsteiger riskant, sagte Himal Gautam von der nepalesischen Bergsteigerbehörde am Freitag. Behörden und Expeditionsveranstalter sollten die Lage untersuchen. Bis dahin müssten die Bergsteiger warten.
Spezialisten suchten derweil nach einer sicheren Route, die nicht vom Sérac-Einsturz in dem ohnehin besonders kritischen Gletschergebiet gefährdet sei, so Gautam.
Lawinengefahr verzögert Vorbereitung der Everest-Route
Die übliche Route auf den höchsten Berg der Welt wird jedes Jahr von besonders erfahrenen Bergführern vorbereitet, die in der Regel bis Mitte April Seile anbringen und Aluminiumleitern über Gletscherspalten legen. Der Sagarmatha-Ausschuss, der das Team zum Präparieren der Route losschickt, wollte den Eisblock aus der Luft untersuchen lassen. Die Lawinengefahr sei groß, sagte der Ausschussvorsitzende Lama Kazi Sherpa. Man warte darauf, dass der Eisblock auf ein ungefährliches Ausmaß zusammenschmilzt.
Normalerweise ist die Route zum Lager 2 ab Mitte April geöffnet, Bergsteiger können sich durch wiederholte Lagerwechsel vor den Gipfelversuchen akklimatisieren. Erste Gipfelbesteigungen gelingen üblicherweise Anfang Mai.
Stau und extremer Andrang befürchtet
Dass der Weg noch nicht eingerichtet ist, lässt die Sorge vor extremem Andrang und Staus auf der Strecke wachsen. Das Zeitfenster ist ohnehin klein: Die Everest-Klettersaison konzentriert sich auf wenige Tage bis Wochen im Mai, wenn die Wetterbedingungen am stabilsten sind und das allmähliche Abschmelzen des Khumbu-Gletschers die Bergsteiger noch nicht zur Umkehr zwingt.
Das kurze Wetterfenster führte schon häufig zu Staus in dem wegen des extrem niedrigen Sauerstoffgehalts als Todeszone bezeichneten Gebiet.
Trotz Lawinengefahr: Hunderte wollen auf den Everest
Vor zwölf Jahren war ein Stück des Khumbu-Gletschers vom Berg abgebrochen und hatte eine Eislawine ausgelöst, die 16 Bergführer tötete, die die Ausrüstung ihrer Kunden auf den Berg trugen. Es war eines der schlimmsten Bergsteigerunglücke am Mount Everest.
In diesem Jahr haben nach Angaben der nepalesischen Behörden 410 ausländische Bergsteiger die Erlaubnis erhalten, während des Frühjahrs den Gipfel zu besteigen. Sie werden von etwa genauso vielen Bergführern und Helfern unterstützt.
Mit Informationen von dpa
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