Nach einer über sechsstündigen Befragung zum tödlichen Feuer bei einer Silvester-Party im Schweizer Skiort Crans-Montana ist einer der Bar-Besitzer in Untersuchungshaft genommen worden. Wie es am Freitag aus Ermittlerkreisen hieß, wurde gegen den Franzosen Jacques Moretti in Sitten im Kanton Wallis Untersuchungshaft verhängt.
Schweizer Staatsanwaltschaft geht von "Fluchtgefahr" aus
Es bestehe Fluchtgefahr, teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit. "Aufgrund seiner Aussagen, seines bisherigen Lebenslaufes sowie seiner persönlichen Situation in der Schweiz und im Ausland erachtete die Staatsanwaltschaft die Fluchtgefahr als konkret", teilte die Behörde weiter mit. Dies gelte nicht für seine Frau, die ebenfalls Mitbesitzerin der Bar ist.
Gegen das Ehepaar wird seit Anfang Januar wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt. Am Freitag wurden die Morettis erstmals offiziell als Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft befragt.
Jacques Moretti gab bei seiner Vernehmung offenbar an, dass in der Bar eine "Servicetür" von innen verschlossen gewesen sei. Laut französischen und Schweizer Medienberichten erklärte Moretti, er habe diese Tür nach dem Brand von außen aufgebrochen, weil sie "von innen verriegelt" gewesen sei. Gegenüber den Behörden gab er demnach an, es habe sich um eine "Servicetür" gehandelt, die "nicht als Notausgang gekennzeichnet" war. An der Tür hätten mehrere Menschen reglos gelegen.
Bar-Betreiberin bittet um Entschuldigung
Jessica Moretti bat am Freitag unter Schluchzen um Entschuldigung: "Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können", sagte sie nach der Befragung bei der Staatsanwaltschaft in Sion vor Medien. "Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen."
Moretti sagte, ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten. Gemeinsam mit ihrem Mann Jacques betreibt Moretti die Bar "Le Constellation", in der in der Silvesternacht ein Brand ausbrach.
Bei der Brandkatastrophe waren 40 Menschen ums Leben gekommen. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig; das jüngste war erst 14 Jahre alt, das älteste 39. Außerdem wurden 116 Menschen verletzt, viele von ihnen sehr schwer. Einige von ihnen werden in auf Brandverletzungen spezialisierten Kliniken in Deutschland behandelt.
Im Video: Nationaler Trauertag in der Schweiz – in Gedenken an die 40 Toten und 120 Verletzten
Nach Bar-Inferno in Crans-Montana
Brandschutz im Fokus der Ermittlungen
Ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge war der Brand im Keller der Bar offenbar durch Party-Fontänen ausgelöst worden, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden.
Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach. Nach Angaben des Gemeinderatspräsidenten hatte die letzte der jährlich vorgeschriebenen Brandschutzinspektionen im Jahr 2019 stattgefunden.
Schweigeminute und Trauerfeier in der Schweiz
Die Brandkatastrophe hat in der Schweiz große Erschütterung und Trauer ausgelöst. Am Freitag haben die Menschen dort der 40 Todesopfer gedacht. Begleitet vom Glockengeläut der Kirchen hielt das Land um 14.00 Uhr eine Schweigeminute ab. Kurz zuvor hatte in Martigny westlich von Crans-Montana eine Trauerfeier begonnen, zu der neben Bundespräsident Guy Parmelin auch Gäste aus dem Ausland wie der französische Präsident Emmanuel Macron anreisten. Parmelin nannte den Brand "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat".
Er forderte weiter eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien "ohne Verzögerung und ohne Nachsicht" aufzudecken. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin. Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung.
Mit Informationen von AFP und dpa
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