Feuerwerk auf Champagnerflasche löste laut Behörden den Brand aus.
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Feuerwerk auf Champagnerflasche löste laut Behörden den Brand aus.

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Schweizer Unglücksbar: Sechs Jahre keine Brandschutzkontrolle

Schweizer Unglücksbar: Sechs Jahre keine Brandschutzkontrolle

Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana ist jetzt klar: Es gab in der Bar jahrelang keine Brandschutzkontrolle. Die örtlichen Behörden sprechen von "Versäumnissen", der Gemeinderatspräsident will aber nicht zurücktreten.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana haben die örtlichen Behörden "Versäumnisse" eingeräumt. Die bei dem Unglück in der Silvesternacht ausgebrannte Bar "Le Constellation" war seit Jahren nicht mehr kontrolliert worden, wie Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud am Dienstag bei einer Pressekonferenz sagte. "Wir bereuen das bitterlich." Bei dem Unglück waren 40 Menschen ums Leben gekommen und 116 weitere verletzt worden.

Laut Gesetz hätte in dem Lokal jedes Jahr eine Brandschutz- und Sicherheitskontrolle stattfinden müssen, sagte Féraud. Die letzte Kontrolle gab es jedoch im Jahr 2019. Damals wurden dem Gemeinderat zufolge bestimmte Änderungen angeordnet. In den Jahren von 2020 bis 2025 fanden dann keine Begehungen mehr statt. Warum die Kontrollen versäumt wurden, sei nicht bekannt: "Wir sind zutiefst bestürzt darüber, wir haben heute keine Antwort darauf."

40 Menschen tot, 116 verletzt

Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar "Le Constellation" ins neue Jahr feierten. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig, das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt. Am Montagabend wurden noch 83 Verletzte in Krankenhäusern behandelt, viele davon mit schwersten Verbrennungen. Viele werden inzwischen im Ausland behandelt, auch in Deutschland. Ihnen stehen teils unzählige Operationen, Hauttransplantationen und monate- oder jahrelange Behandlungen bevor.

Ermittlungen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung

Den Ermittlungen zufolge wurde die Feuersbrunst in der Keller-Bar durch auf Sektflaschen aufgesteckte Feuerwerksfontänen ausgelöst, die die Schaumstoffdämmung der Decke in Brand setzten. Gegen die Betreiber des Lokals wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach. Ein am Montagabend vom Schweizer Sender RTS veröffentlichtes Video belegt, dass die Gefahr offenbar schon seit Jahren bekannt war: "Passt auf den Schaumstoff auf!" ruft darin ein Kellner, während Menschen in der Silvesternacht 2019/2020 ebenfalls Flaschen mit darauf gesteckten Feuerwerksfontänen hochhalten.

Gemeinderatspräsident: "Hätten sofort eingegriffen"

Die Gemeindeverwaltung habe jedoch nie einen Hinweis erhalten, betonte Féraud. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Leute uns alarmieren. Wir hätten sofort eingegriffen, wenn wir etwas gewusst hätten." Warum nach 2019 keine Kontrollen stattfanden, könne er sich nicht erklären. Er wies zurück, dass womöglich Korruption im Spiel sei. Er habe keine persönlichen Beziehungen zu dem Wirtepaar, und das gelte nach seinen Informationen auch für die zuständigen Brandinspektoren.

Einen Rücktritt schloss der Gemeinderatspräsident aus: "Man verlässt ein Schiff nicht inmitten des Sturms", sagte Féraud. Auf eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer ließ Féraud sich bei der Pressekonferenz nicht ein. Er kämpfte aber mit den Tränen, als er sagte: "Wir sind extrem traurig. Ich werde diese Last immer tragen, die Trauer der Familien, mein Leben lang."

Bar-Betreiber: "Am Boden zerstört"

Féraud belastete das Wirtepaar schwer. Er warf ihnen Fahrlässigkeit vor. Es habe eine "Kultur der Rücksichtslosigkeit gegenüber Risiken" geherrscht. Einem zweiten Lokal, das die beiden Franzosen in Crans-Montana betreiben, sei die Betriebsgenehmigung entzogen worden.

Nach Angaben von Féraud war die Bar "Le Constellation" für je 100 Personen im Unter- und Obergeschoss zugelassen. Wie viele Menschen sich tatsächlich in der Schicksalsnacht dort aufhielten, müsse geprüft werden. Für die zugelassene Zahl an Besuchern seien genügend Ausgänge vorhanden gewesen. Ob sie zugänglich waren, sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.

Die Betreiber der Bar erklärten am Dienstag erneut, sie seien zur "vollständigen Zusammenarbeit" mit den ermittelnden Behörden bereit. "Wir werden in keiner Weise versuchen, uns diesen Dingen zu entziehen", teilten Jacques und Jessica Moretti der Nachrichtenagentur AFP mit. Beide seien "am Boden zerstört und voller Trauer".

Nationaler Trauertag am Freitag

Am Freitag gedenkt die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der Toten. Im ganzen Land sollen um 14 Uhr die Kirchenglocken läuten, gleichzeitig ist eine Schweigeminute geplant. In Martigny westlich von Crans-Montana findet eine nationale Trauerfeier statt, zu der neben dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin auch Gäste aus dem Ausland erwartet werden.

Als Sofortmaßnahme hat der Gemeinderat beschlossen, den Einsatz sämtlicher pyrotechnischer Gegenstände in geschlossenen Räumen auf dem gesamten Gemeindegebiet zu verbieten. Zudem werden unabhängige Dienstleister beauftragt, Brandschutzkontrollen im Ort durchzuführen.

Mit Informationen von AFP und dpa

Im Audio: Letzte Brandschutz-Kontrolle der Bar war 2019

Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud bei einer Pressekonferenz am 6.1.26 in Crans-Montana
Bildrechte: pa/KEYSTONE/CYRIL ZINGARO
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Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud bei einer Pressekonferenz am 6.1.26 in Crans-Montana

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