Nur wenige Tage nach seiner Operation hat Papst Leo XIV. das Angelusgebet am Sonntag wieder wie üblich vom Fenster des apostolischen Palastes aus gehalten – bejubelt von Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Mit den Worten "Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!" wandte er sich an die Menge. Der Papst machte dabei einen äußerlich gesunden Eindruck und sprach rund acht Minuten mit fester Stimme.
Operation gut überstanden
Auf dem Petersplatz hatten sich sehr viel mehr Menschen versammelt als für einen Sonntagmittag üblich. Leo bedankte sich bei den Ärzten und Mitarbeitern der Gemelli-Klinik, wo ihm am vergangenen Dienstag ein Teil der Lunge mit einem Tumor entfernt worden war. "Danke für die Unterstützung, ich habe mich denjenigen nahe gefühlt, die diese Krankheit durchmachen", sagte der Papst. Und er versprach: "Sobald die heikle Phase überwunden ist, werde ich meine Aktivitäten schrittweise wieder aufnehmen, wie immer mit der Hilfe Gottes und Eurer Gebete."
Genau eine Woche zuvor hatte der gebürtige US-Amerikaner an derselben Stelle seine Erkrankung öffentlich gemacht. Am Dienstag musste er sich dann einer 90-minütigen Operation unterziehen. Dabei wurde ihm der untere Lappen seines rechten Lungenflügels entfernt, weil sich dort ein bösartiger Tumor eingenistet hatte. Nach Angaben seiner Ärzte hat Leo die OP gut überstanden.
An Südamerika-Reise wird nicht gerüttelt
Das Gemelli-Krankenhaus in Rom, wo er operiert wurde, konnte der Papst überraschend schon am Samstag verlassen. Vermutet wird, dass sich das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken noch einige Tage schonen wird. Die Planungen für eine Südamerika-Reise im nächsten Monat, bei der Leo auch seine zweite Heimat Peru besuchen will, laufen jedoch weiter. Leo will vom 6. bis 17. November Uruguay, Argentinien und seine zweite Heimat Peru besuchen. Dort hatte das Mitglied des Augustinerordens rund 20 Jahre als Missionar und Bischof gelebt. Deshalb besitzt er auch einen peruanischen Pass.
Vor seiner Entlassung hatte sich der Papst noch einmal den Brustkorb röntgen und Blut entnehmen lassen. Anschließend erklärten seine Ärzte, "nach Auswertung des klinischen Bildes" könne er nach Hause. Der Chirurg Stefano Margaritora, der ihn operiert hatte, gab später auch grünes Licht für die Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru. Er glaube, dass der Papst "in etwa zehn Tagen vollständig genesen" sein werde. "Ich würde sagen, dass es keine medizinischen Gründe gibt, warum die Reise nicht stattfinden sollte."
Leo hat als Papst bereits Spuren hinterlassen
Die behandelnden Ärzte äußerten sich im Detail allerdings nicht dazu, ob der Papst nach Entfernung des Tumors nun krebsfrei sei. Dabei geht es um die Frage, ob sich anderswo im Körper Metastasen gebildet haben. Auch zur weiteren Behandlung gab es keine näheren Angaben. Bekannt ist, dass Leo Atemtherapie bekommt. Seinem 2025 verstorbenen argentinischen Vorgänger Franziskus fehlte bereits seit jungen Jahren ebenfalls ein Teil der Lunge.
Mit seinen 71 Jahren ist Leo – mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost – ein verhältnismäßig junger Papst. Deshalb gingen bei seiner Wahl vor eineinhalb Jahren viele davon aus, dass der US-Amerikaner die Geschicke der katholischen Kirche für einen langen Zeitraum bestimmen werde. Seither machte er insbesondere durch eine Enzyklika – ein Lehrschreiben – zum Thema Künstliche Intelligenz auf sich aufmerksam. Weltweit sorgten zudem Kontroversen mit US-Präsident Donald Trump für Schlagzeilen.
Mit Informationen von dpa, KNA, epd
Im Audio: Papst Leos erster öffentlicher Auftritt seit seiner Krebs-OP
Papst spricht nach überstandener OP Angelus-Gebet
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