Am Wochenende sollen in Pakistan neue Verhandlungen über ein mögliches Ende des Iran-Kriegs stattfinden. Wie das Weiße Haus mitteilte, werden die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Samstag nach Islamabad reisen, um dort Gespräche mit iranischen Vertretern aufzunehmen. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte am Freitag, Washington hoffe auf ein produktives Treffen, das die Bemühungen um ein Abkommen voranbringen könne.
Pakistan tritt seit Wochen als Vermittler auf
Auch Irans Außenminister Abbas Araghtschi wird in der pakistanischen Hauptstadt erwartet. Laut iranischen und pakistanischen Angaben sollte er bereits am Freitagabend eintreffen, um bilaterale Konsultationen zu führen und die aktuelle Lage im Zusammenhang mit dem Konflikt zu erörtern. Im Vorfeld seiner Reise führte Araghtschi Gespräche mit Pakistans Militärchef Asim Munir und Außenminister Ishaq Dar.
Pakistan tritt seit Wochen als Vermittler im Konflikt zwischen den USA und dem Iran auf. Bereits Mitte April hatten Vertreter beider Länder in Islamabad verhandelt, jedoch ohne Durchbruch. Zu den zentralen Streitpunkten zählen das iranische Atomprogramm sowie die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus.
Konflikt mit dem Iran: Trump will auf Diplomatie setzen
An der ersten Gesprächsrunde hatte auch US-Vizepräsident JD Vance teilgenommen. Dieses Mal wird er laut Leavitt nicht vor Ort sein, bleibt jedoch gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio und dem nationalen Sicherheitsteam in Washington in Bereitschaft.
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt signalisiert, weiterhin auf Diplomatie zu setzen. Nach Angaben des Weißen Hauses hätten sich die iranischen Vertreter auf einen Aufruf Trumps hin für direkte Gespräche geöffnet. Zudem verlängerte Trump eine ursprünglich auf zwei Wochen angelegte Waffenruhe auf unbestimmte Zeit und betonte, er wolle dem diplomatischen Weg Vorrang geben. Gleichzeitig schloss er den Einsatz von Atomwaffen ausdrücklich aus.
Merz fordert Ende des iranischen Atomprogramms
Das iranische Atomprogramm bleibt ein zentraler Knackpunkt. Westliche Staaten werfen Teheran seit Jahren vor, den Bau von Atomwaffen anzustreben, was die iranische Regierung zurückweist. Die Internationale Atomenergiebehörde verweist darauf, dass Iran als Nicht-Atomwaffenstaat Uran bis auf 60 Prozent anreichert – ein international umstrittener Wert.
Auch europäische Politiker verfolgen die Entwicklungen aufmerksam. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderte das "definitive Ende" des iranischen Atomprogramms als Voraussetzung für eine mögliche Lockerung der Sanktionen. Zudem müssten Israels Sicherheit gewährleistet und die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus sichergestellt werden. EU-Ratspräsident António Costa bezeichnete Gespräche über Sanktionserleichterungen derzeit als verfrüht, unterstützte jedoch ebenfalls die Forderung nach einer Öffnung der wichtigen Handelsroute.
Angriff am 28. Februar
Die Straße von Hormus ist von zentraler Bedeutung für den globalen Energiemarkt, da etwa ein Fünftel des weltweiten Öltransports durch die Meerenge verläuft. Im Zuge des Konflikts wurde sie zuletzt weitgehend blockiert, was die Energiepreise deutlich ansteigen ließ. Die Aussicht auf neue Gespräche führte zuletzt wieder zu sinkenden Ölpreisen.
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels begonnen. Iran reagierte mit Angriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Zudem griffen pro-iranische Milizen Ziele im Irak und in anderen Ländern an. Zuletzt meldete Kuwait Drohnenangriffe auf zwei Grenzposten aus dem benachbarten Irak, bei denen Sachschaden entstand, jedoch keine Menschen verletzt wurden.
Vor diesem Hintergrund ruhen große Hoffnungen auf den neuen Gesprächen in Islamabad, die erstmals seit Wochen Bewegung in die festgefahrene Lage bringen könnten.
Mit Informationen von AFP und AP.
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