Viele unausgefüllte Organspendeausweise liegen auf einem Tisch.
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Organspende: Dankbarkeit, vergebliches Warten, Skepsis

Organspende: Dankbarkeit, vergebliches Warten, Skepsis

Welche Regeln sollen künftig für eine Organspende gelten? Aktuell befasst sich auch die Politik wieder mit dem Thema. Im Dialog mit der BR24-Community zeigt sich eine große generelle Spendenbereitschaft, aber auch etwas Skepsis.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Eine Organspende kann Leben retten, es stehen allerdings zu wenig Spenderorgane zur Verfügung. Zum Stichtag 31. Mai warteten in Bayern 1.051 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan, deutschlandweit waren es 7.919 Menschen. Allerdings stehen nicht alle Personen, die ein Spenderorgan brauchen, auch auf dieser Warteliste.

Widerspruchslösung statt Entscheidungsregelung?

Aktuell befasst sich auch die Politik wieder mit dem Thema Organspende. Um die Spendenbereitschaft zu erhöhen, wird diskutiert, das System umzustellen: Statt einer aktiven Entscheidung für eine Spende müsste man sich dann aktiv gegen eine Spende aussprechen. Am Donnerstag wurde im Bundestag darüber debattiert (externer Link), eine Abstimmung fand nicht statt.

Angesichts der Debatte haben wir in der BR24-Community gefragt, wie es ihnen mit dem Thema Organspende geht. In Hunderten Antworten über Instagram, WhatsApp, Facebook und YouTube schildern Nutzer emotionale Erlebnisse, lebensrettende Ereignisse sowie kritische Gedanken dazu.

User wünschen sich: Alle sollen sich mit Thema auseinandersetzen

So antwortet Katharina im BR24 WhatsApp-Channel, dass sie eine Widerspruchsregelung besser als das aktuelle System finden würde, "weil sich zu wenig Menschen über eine Organspende Gedanken machen". Auch Anja befürchtet, dass die meisten Deutschen das Thema nur beiseiteschieben und sich gar nicht richtig damit beschäftigen würden. Ebenso würden überforderte Angehörige so im Todesfall entlastet, argumentiert Birgit auf BR24 Facebook.

Gleichzeitig wünschen sich nicht alle Userinnen und User diese Lösung. Moni schreibt, dass dies für sie der falsche Weg sei. Gabi kommentiert auf Facebook, dass eine Spende freiwillig sei und es ethisch falsch sei, jeden Nicht-Spendenwilligen automatisch zu einem Spender zu machen, damit er widerspreche.

Christian schlägt auf Facebook noch eine andere Option vor: "Wer einen neuen Personalausweis beantragt, sollte sich äußern müssen, ob er bereit ist, Organe zu spenden."

"Organspende ist ein Geschenk an das Leben"

Wie wichtig die Organspende insgesamt ist, zeigen auch diese Rückmeldungen aus der BR24-Community: Willie ist selbst betroffen und braucht eine neue Niere. Er ist seit zwei Jahren an der Dialyse und befürchtet, dass er nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen könnte. Regina schreibt auf BR24 WhatsApp, dass ihr Sohn als Fünfjähriger Herz-transplantiert worden sei, "das hat ihm das Leben gerettet. Jetzt ist er 23. Bitte macht alle mit, bzw. gebt Organe frei, wenn Angehörige versterben, das erspart vielen furchtbares Leid!"

Video: Argumente aus der Bundestagsdebatte vom 25.6.2026

Organspende
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Es ist ein enger Wettlauf mit der Zeit, der über Leben und Tod entscheidet - gibt es doch zu wenige Spender.

Aber auch: Unklarheit, Sorgen und Ängste

Unabhängig davon, wie gespendet wird, haben manche User Bedenken, dass ihre Organe wegen ihres Alters nicht mehr gespendet werden könnten. So schreibt Erika über den BR24 WhatsApp-Channel, dass sie bereits 72 Jahre alt sei, "meine alten Teile braucht keiner mehr!" Wichtig zu wissen ist aber: Für die Organspende gibt es keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist der Zustand der Organe. Die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) teilt mit, dass die bisher älteste Organspenderin Deutschlands 98 Jahre alt gewesen sei.

Andre berichtet in einer Sprachnachricht auf BR24 Instagram, dass er die Organspende zwar generell gut finde, aber: "Ich habe Angst, dass Menschen mit mehr finanziellen Mitteln [bei der Organ-Vergabe] bevorzugt werden könnten." Dieser Gedanke kam bei manchen auch auf, als die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit kürzlich innerhalb von nur zwölf Tagen eine neue Lunge erhielt.

In Deutschland liegt da die Wartezeit laut DSO bei mehreren Monaten, das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart schreibt auf seiner Website sogar von bis zu zwei Jahren. Dass es für Mette-Marit so schnell ging, liegt unter anderem am Spendenaufkommen: In Norwegen gilt die Widerspruchsregelung. Außerdem kann dort eine Spende auch bei einem Herzkreislaufstillstand erfolgen. Dabei können Menschen, die eine lebenserhaltende Therapie beenden lassen, zuvor einer Organspende zustimmen. In Deutschland ist eine Spende nur nach einem festgestellten Hirntod möglich.

Die Organvergabe hierzulande erfolge nach Erfolgsaussicht, Dringlichkeit sowie Chancengleichheit, erklärt die DSO. Einen "Promi-Bonus" oder eine kürzere Wartezeit gegen Geld, wie von manchen vermutet, gebe es nicht.

Das Warten auf ein Organ

Claudia berichtet uns noch, dass ihre Schwester gestorben sei, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ bekommen habe. Es wird geschätzt, dass in Deutschland täglich zwei bis drei Menschen, die auf der Warteliste stehen, versterben, weil es kein Spenderorgan für sie gibt.

Und Henning erzählt in einer ausführlichen Sprachnachricht an BR24, dass er wegen einer Autoimmunkrankheit auf die Dialyse angewiesen war. Er stand fast zehn Jahre auf der Warteliste für eine neue Niere – ohne Rückmeldung. Vergangenes Jahr hat ihm sein Bruder eine Niere gespendet: "Wir sind als Brüder sowieso schon sehr eng, aber durch so eine Sache wächst man noch enger zusammen in seinem Verhältnis."

Instagram-Galerie: User-Stimmen zu Organspende

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