Der Briefversand in Deutschland dürfte so teuer werden wie nie zuvor. Die Bundesnetzagentur hat vorgeschlagen, der Deutschen Post ab Januar 2027 eine Portoerhöhung von bis zu 20,35 Prozent zu ermöglichen. Der Spielraum gilt für Briefe und Postkarten in den Jahren 2027 und 2028. Auch Pakete sollen teurer werden.
Bislang lag der höchste durchschnittliche Preisanstieg bei 10,48 Prozent im Jahr 2025. Sollte die Post den neuen Spielraum vollständig ausschöpfen, würde sich dieser Wert nahezu verdoppeln.
Standardbrief könnte 1,14 Euro kosten
Wie viel die einzelnen Briefarten künftig kosten, steht noch nicht fest. Bislang beträgt das Porto für einen Standardbrief bis 20 Gramm 95 Cent. Bei einer gleichmäßigen Erhöhung um 20,35 Prozent wären ab Januar 2027 rund 1,14 Euro fällig. Die Post könnte die Preise allerdings auch auf Beträge wie 1,10 oder 1,15 Euro festlegen.
Zum Vergleich: 2012 kostete ein Standardbrief noch 55 Cent. In Österreich liegt das Porto derzeit bei einem Euro, in den Niederlanden bei 1,40 Euro und in Frankreich bei 1,52 Euro. Dort steigt der Preis zum Jahreswechsel auf 1,67 Euro.
Weniger Briefe, höhere Kosten
Die Briefmenge in Deutschland sinkt seit Jahren, weil Unternehmen und Verbraucher zunehmend auf digitale Kommunikation setzen. Während 2005 noch 16,9 Milliarden Briefe verschickt wurden, waren es 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Energie und Material. Die Post muss zudem weiterhin ein flächendeckendes Netz aus Briefkästen, Filialen und Zustellern unterhalten.
Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller erklärte, die Post habe einen noch höheren Preisanstieg beantragt. Die Behörde sei jedoch hinter den Forderungen des Konzerns zurückgeblieben und habe mehrere geltend gemachte Kostenpositionen nicht berücksichtigt.
Post kündigt ausgewogene Preisgestaltung an
Die Deutsche Post verwies auf gestiegene Lohn-, Energie- und Materialkosten. Zugleich räumte das Unternehmen ein, dass starke Portoerhöhungen die Kunden belasten und den Rückgang der Briefmengen verstärken könnten. Man wolle den genehmigten Spielraum deshalb verantwortungsvoll nutzen und eine ausgewogene Preisgestaltung finden.
Auch Pakete und Geschäftspost werden teurer
Neben Privatbriefen betrifft die geplante Anpassung auch Pakete und Geschäftspost. Für Pakete sieht die Bundesnetzagentur einen Erhöhungsspielraum von 10,72 Prozent vor. Bei Briefsendungen von Unternehmen und Behörden sind ebenfalls bis zu 20,35 Prozent vorgesehen.
Die neuen Preise gelten für 2027 und 2028. Zunächst will die Bundesnetzagentur ihren Vorschlag mit der Branche beraten. Anschließend legt sie den endgültigen Spielraum fest. Die Deutsche Post bestimmt daraufhin die konkreten Preise, die wiederum von der Behörde geprüft und genehmigt werden müssen.
Mit Informationen der dpa
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