Die gute Nachricht kommt mit Einschränkungen: Ja, die Gesamtzahl der erfassten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Der bestehende Trend aus den vergangenen Jahren hält also an, und Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, sieht darin ausreichend Anlass, auf eine positive Langzeitentwicklung zu hoffen.
Rund 5,5 Millionen Straftaten wurden 2025 erfasst. Auf den ersten Blick ein Rückgang von 5,6 Prozent. Weil nach der Teillegalisierung von Cannabis aber weniger Drogendelikte erfasst werden und durch den Rückgang der Migration die Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht abnehmen, bleibt ein sogenannter bereinigter Straftatenrückgang von 4,4 Prozent. Auch das ist natürlich eine positive Entwicklung. Der Blick auf die einzelnen Straftatbereiche zeigt aber besorgniserregende Zahlen.
Über die Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik haben wir um 16 Uhr live mit unserem BR-Korrespondenten Tim Aßmann live aus Berlin sowie mit dem Kriminologen Dirk Baier (externer Link) gesprochen. Das Video zum Livestream finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Mehr Sexualdelikte in der Statistik
Während weniger schwere Körperverletzungen und Raubdelikte erfasst wurden und die Zahl der Gewaltverbrechen auch insgesamt sank, nahm die Zahl der Sexualstraftaten, wie zum Beispiel Vergewaltigungen, um 8,5 Prozent zu. Auch die Zahl der Kinder, die im Zusammenhang mit Gewaltdelikten auffielen, ist weiter steigend.
Weiterhin hoch ist auch der Anteil ausländischer Tatverdächtiger. Er liegt mit gut 35 Prozent ungefähr auf Vorjahresniveau und deutlich über dem Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung. Bundesinnenminister Dobrindt hob in diesem Zusammenhang syrische und afghanische Tatverdächtige hervor. BKA-Präsident Münch wies auf ein weiteres Phänomen hin: Als ausländische Verdächtige gelten in der Statistik auch mutmaßliche Täter, die zwar in Deutschland Verbrechen begehen, das aber aus dem Ausland tun, wie zum Beispiel im Bereich der Internetkriminalität.
Debatte um Cannabis-Teillegalisierung
Die jährliche Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist meist auch die Bühne für die politische Interpretation der Zahlen. In diesem Jahr wurde das beim Thema Cannabis sehr deutlich.
Das geltende Gesetz zur Teillegalisierung der Droge nannte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, CSU, anlässlich der Vorstellung der PKS-Zahlen "kriminalitätsfördernd", auch wenn das aus der Statistik nicht hervorgeht. Der Hamburger Innensenator und aktuelle Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Bundesländer, Andy Grote, SPD, erklärte, es gebe keine Erkenntnisse, dass die Cannabis-Teillegalisierung zu mehr Konsum geführt habe.
Auch Befragungsergebnisse vorgestellt
Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) steht immer wieder auch in der Kritik, weil sie als sogenannte Hellfeld-Studie nur erfasste Straftaten berücksichtigt.
Zusammen mit der PKS wurde in diesem Jahr auch eine Studie vorgestellt, für die Menschen in Deutschland schon 2023 zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität und ihrem Sicherheitsgefühl befragt wurden. Fast jeder fünfte Befragte gab dabei in dieser Dunkelfeld-Studie an, schon einmal Opfer von Cyberkriminalität geworden zu sein. Rund jede zehnte Frau in der Erhebung erklärte, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein.
Insgesamt fühlten sich die Befragten sicher in Deutschland, erklärte BKA-Präsident Münch bei der Vorstellung der Studie, und er sagte auch: Sicherheit sei kein Selbstläufer.
(Symbolbild) Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik
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