Eine ukrainische Familie vor ihrem zerstörten Haus in Kiew. Landesweit fiel nach Angriffen in 600.000 Haushalten der Strom aus.
Eine ukrainische Familie vor ihrem zerstörten Haus in Kiew. Landesweit fiel nach Angriffen in 600.000 Haushalten der Strom aus.
Bild
Eine ukrainische Familie vor ihrem zerstörten Haus in Kiew. Landesweit fiel nach Angriffen in 600.000 Haushalten der Strom aus.
Bildrechte: REUTERS/Valentyn Ogirenko
Schlagwörter
Bildrechte: REUTERS/Valentyn Ogirenko
Audiobeitrag

Eine ukrainische Familie vor ihrem zerstörten Haus in Kiew. Landesweit fiel nach Angriffen in 600.000 Haushalten der Strom aus.

Audiobeitrag
>

Putins Winterkrieg: Russland will Kiews Infrastruktur zerstören

Putins Winterkrieg: Russland will Kiews Infrastruktur zerstören

Während US-Präsident Trump die Ukraine zwingt, ihre Angriffe auf russische Erdölraffinerien einzustellen, exekutiert Putin mit seinem Winterkrieg das genaue Gegenteil: Systematisch will er der Ukraine Strom und Wasser abstellen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Der Plan Russlands, den der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal nach Informationen der "New York Times" seinen europäischen Amtskollegen Mitte September in Paris vorgelegt hat, sieht eine systematische Zerstörung der ukrainischen Energieversorgung vor. Die Ziele der russischen Luftschläge würden sich gegen Umspannwerke, Wasser- und Kohlekraftwerke, Heizkraftwerke richten sowie gegen die Schaltanlagen in unmittelbarer Nähe der drei noch funktionierenden Kernkraftwerke des Landes. Diese Kernkraftwerke bilden das Rückgrat der seit bald fünf Jahren immer wieder angegriffenen Energieversorgung der Ukraine.

Russland attackiert Kraftwerke in der Ukraine

Ferner werde Moskau, zum ersten Mal seit Beginn der russischen Invasion, in großem Umfang die ukrainischen Wasseraufbereitungsanlagen und Pumpstationen mit ballistischen Raketen und Gleitbomben angreifen. Das endgültige Ziel sei es, die großen ukrainischen Städte von Strom, Wärme und Wasser abzuschneiden, um eine humanitäre Krise auszulösen. Kiew, Charkiw und Odessa seien in dem Dokument, aus dem die "New York Times" zitiert, als wichtigste Ziele genannt worden. In diesen drei Großstädten solle die Stromversorgung um 90 Prozent gesenkt werden, die Wärmeversorgung ebenfalls um 90 Prozent und zudem die Infrastruktur für Wasser und Abwasser massiv unterbrochen werden.

Wie ernst die Lage für die Ukraine ist, wurde am Mittwoch deutlich: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, bei russischen Angriffen seien mehr als 30 Energieanlagen beschädigt worden. Landesweit fiel für mindestens 600.000 Menschen der Strom aus.

Wachsendes Arsenal an russischen ballistischen Raketen

Russlands Streitkräfte hatten bereits in den vergangenen vier Kriegswintern immer wieder die ukrainische zivile Infrastruktur angegriffen, mit dem Ziel, den Widerstandswillen der notleidenden Bevölkerung zu schwächen. Seit diesem Sommer allerdings setzt Moskau das wachsende Arsenal an ballistischen Raketen und einer neuen Generation von jetangetriebenen Drohnen dazu ein, um ihre Luftangriffe dramatisch zu intensivieren. "Mittlerweile zielen sie (die russischen Streitkräfte) auf ukrainische Ballungszentren im ganzen Land ab, wobei der Schwerpunkt auf Logistik, Verkehr und wirtschaftlicher Infrastruktur liegt", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des US-Fachmagazins "Foreign Affairs".

Unter Berufung auf Berichte des ukrainischen Geheimdienstes berichtet die außenpolitische Fachzeitschrift weiter, dass "die russische Regierung für diesen Winter eine noch intensivere Kampagne gegen die Energie- und Wasserversorgung plant, um die Wirtschaft und Gesellschaft der Ukraine entscheidend zu schwächen."

Der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal hatte bereits am 24. September, eine Woche nach seinem Treffen mit europäischen Regierungsvertretern in Paris, laut der "Ukrainska Pravda" erklärt: Die Ukraine kenne die Details der Strategie, "die die russischen Terroristen in diesem Winter anwenden werden". Die Partnerländer der Ukraine seien ebenso wie die ukrainische Regierung "erschüttert von dem Zynismus gewesen, von dieser kalten, terroristischen Kalkulation, wie unser Energiesektor zerstört werden soll."

Hafenanlagen von Odessa und Schwarzes Meer

Seit Monaten greift Russland Handelsschiffe an, die die Häfen in der südlichen Region Odessa anlaufen oder noch dort auslaufen. Diese Häfen "sind eine Lebensader für die ukrainische Wirtschaft, über sie werden 60 Prozent des gesamten Exportvolumens des Landes abgewickelt", berichtet die "New York Times". Die Folgen der massiven russischen Angriffe: Im vergangenen Monat sei es nur zwölf Handelsschiffen gelungen, die Hafenanlagen von Odessa zu verlassen. Im September 2025 habe diese Anzahl noch bei 266 Schiffen gelegen. Ein Teil des Schiffsverkehrs werde deshalb über die kleineren Häfen an der Donau dirigiert, die die Ukraine mit Rumänien verbinden. Auch diese Handelsschiffe wurden angegriffen.

Allein in der vergangenen Woche wurden drei Schiffe vor der Küste Rumäniens und Bulgariens von Drohnen getroffen, die zuvor stets ukrainisches Getreide geladen hatten. In dieser Woche wurden zwei weitere Handelsschiffe auf der gleichen Route von Drohnen getroffen. Ein Schiff versank im Schwarzen Meer, nur fünf Seeleute konnten gerettet werden. Die Besatzung des zweiten Schiffs konnte weitgehend unversehrt geborgen werden.

Die Einstellung der ukrainischen Exporte über die Häfen von Odessa und das Schwarze Meer wäre für die ukrainische Wirtschaft "katastrophal", bilanziert die "New York Times". Allein die Landwirte der Ukraine hätten rund 30 Millionen Tonnen agrarwirtschaftlicher Produkte nicht exportieren können, im Wert von 30 Milliarden US-Dollar.

Im Video: Zermürbt Putin die Ukraine jetzt endgültig und gewinnt den Krieg? Possoch klärt!

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!