Es dürfte ein Widersehen mit gemischten Gefühlen gewesen sein für das Ehepaar Benko. Zum einen, weil der in die Pleite gerutschte Unternehmer seit Januar in U-Haft ist und keinerlei Kontakt zu Ehefrau Nathalie haben darf. Zum anderen, weil ihn das Landesgericht Innsbruck zu 15 Monaten Haft auf Bewährung plus Geldstrafe verurteilte - sie jedoch einen Freispruch bekam.
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Der Investigativjournalist Sebastian Reinhart verfolgt die Karriere von Benko und Signa schon sehr lange, hätte dieses Urteil aber nicht unbedingt erwartet. "Es ist teilweise ein überraschendes Urteil, weil die Befragung der Zeugen aus meiner Sicht schon eine sehr deutliche Sprache gesprochen hat, hinsichtlich des Zusammenwirkens von René Benko mit seiner Frau."
Richterin folgt Anklage nicht in allen Punkten
Dieses Zusammenwirken sah laut Anklage so aus: René Benko und seine Frau sollen elf Luxus-Uhren und andere Vermögensgegenstände versteckt haben, unter anderem 120.000 Euro Bargeld, Manschettenknöpfe und Schmuck. Diese hätten die Benkos seit März 2024 in einem Tresor, zu dem beide Zugang hatten, bei Angehörigen gelagert. Damals sei sowohl die Signa-Pleite als auch die Insolvenz von René Benko als Einzelunternehmer bereits bekannt gewesen.
Deshalb sei es den Benkos laut Staatsanwaltschaft nur darum gegangen, dieses Vermögen vor den Gläubigern zu sichern. Natalie Benko hatte den Tresor besorgt und damit zum betrügerischen Bankrott beigetragen, so der Vorwurf. Diese Argumentation war für die Richterin aber nicht überzeugend genug, um beide Benkos wegen aller in der Anklage aufgeführten Vermögensgegenstände schuldig zu sprechen.
Verteidigung der Benkos widerspricht Anklage vehement
Vorher hatten die Verteidiger von René und Nathalie Benko den ganzen Prozesstag über der Anklage energisch widersprochen. Der Tresor sei vor allem wegen sehr wertvollen Ringen angeschafft worden, die zweifelsfrei Nathalie Benko gehören, über fünf Millionen Euro wert sind, aber nicht Teil des Verfahrens waren.
Außerdem sei nicht konkret bewiesen, wer wann welche Vermögensgegenstände in den Tresor getan habe. Zweifel gebe es auch bei den Luxus-Uhren. Auch hier sei nicht sicher bewiesen, dass René Benko die Uhren nicht verschenkt oder für Versteigerungen zurückgehalten hatte - und sie daher nur im Tresor zwischenlagerten.
Urteil bezieht sich nur auf Teil der Wertgegenstände der Benkos
In dem Schuldspruch hat sich die Richterin am Ende nur auf zwei der elf Uhren bezogen. Bei diesen Uhren sei klar, dass René Benko sie gekauft sowie getragen hatte und den Besitz daran auch nicht aufgeben wollte. Deshalb gab es die Bewährungsstrafe. René und Nathalie Benko haben auf das Urteil äußerlich nicht reagiert, genau wie auch die Anwälte der WKSTA, der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.
Beobachter vermisst Hinweise auf Geldflüsse
René Benko war bereits im Oktober wegen betrügerischen Bankrotts zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden – auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Karl-Heinz Götze vom Gläubigerschutzverband KSV war bei beiden Prozessen vor Ort. Er vertritt Benko-Gläubiger und hatte gehofft, mehr darüber zu erfahren, wie in der Welt des René Benko die Gelder geflossen sind – vergeblich. "Das wäre natürlich interessant gewesen zu erfahren, wie das Ganze finanziert worden ist, ob es vielleicht Geldflüsse aus Privatstiftungen gegeben hatte. Es wurde gesagt, dass es großzügige Schenkungen gegeben hat, aber nicht gesagt, woher dieses Geld davongekommen ist."
Die nächste Gelegenheit dazu könnte eines der ein Dutzend Ermittlungsverfahren bieten, die gegen René Benko und andere Verantwortliche in der Causa Signa noch laufen. Die größte Pleite in der Geschichte des Landes wird die Justiz in Österreich noch lange beschäftigten.
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