Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, steht vor dem neuen ICE L der Deutschen Bahn am Berliner Ostbahnhof.
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Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, steht vor dem neuen ICE L der Deutschen Bahn am Berliner Ostbahnhof.
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Reservierungspflicht im ICE – wäre das sinnvoll?

Reservierungspflicht im ICE – wäre das sinnvoll?

Bahnchefin Palla hat Änderungen beim ICE angekündigt. Sie will von anderen Ländern lernen. Dort gibt es bei Schnellzügen oft Reservierungspflicht. Das bedeutet: Sitzplatz garantiert, spontanes Zusteigen ausgeschlossen. Die Pro-und-Contra-Argumente.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die Deutsche Bahn hat viel vor: "In den kommenden Jahren wollen wir den Fernverkehr zu einem Aushängeschild der Eisenbahn in Deutschland machen. Deshalb werden wir auch den ICE noch einmal weiterdenken." Das war die Antwort auf die Anfrage von BR24, wie genau dieses Konzept aussehen werde und inwieweit "dieses auch das Thema Reservierungen betrifft". Näheres will die Bahn voraussichtlich im Herbst konkret vorstellen.

Das Thema Reservierungen und damit die mögliche Reservierungspflicht steht also im Raum. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat sich schon klar positioniert und Argumente zusammengestellt, warum aus seiner Sicht eine Reservierungspflicht im ICE in Deutschland problematisch wäre. Denn in Deutschland ist der Fernverkehr eng mit dem Regionalverkehr verknüpft. Die Rahmenbedingungen sind andere als in Frankreich und Italien, wo es für Schnellzüge eine Reservierungspflicht gibt.

Was spricht für eine Reservierungspflicht für ICE-Züge?

Die Hoffnung vieler Fahrgäste: Niemand stünde mehr in den Gängen oder an den Türen. Und es hätte jeder, der mit dem ICE fahren will, garantiert einen Sitzplatz, den ihm niemand streitig machen könnte. Das belegen die Aussagen von Bahnfahrgästen am Münchner Hauptbahnhof an einem Freitag mit viel Betrieb in einer Umfrage von BR24:

"Also ich finde es immer besser, dass man da seinen Platz hat. Man ist sicher, wo man einsteigen muss, auch wenn man dafür zahlen muss – und muss nicht stehen." Bahnfahrer

Eine Frau sagt, sie fahre auch ab und zu mit dem TGV, und da sei immer ein Sitzplatz dabei. Es gibt auch Verweise auf die Verhältnisse in China oder den Flugverkehr, wo man ja auch nicht im Gang stehen müsse. Eine andere Hoffnung ist, dass die Bahn dann nicht mehr überbelegte Züge einfach räumen muss, wie es heute immer wieder vorkommt.

Nachtzüge und der TGV haben heute schon Reservierungsregeln, die auch gelten, wenn sie in Deutschland unterwegs sind. Das wissen Passagiere zu schätzen. Vor allem Fahrgäste, die heute schon reservieren, können sich eine Reservierungspflicht generell vorstellen – andere sind der Meinung, es müsste freiwillig bleiben.

Was spricht gegen eine Reservierungspflicht im ICE?

Die mangelnde Betriebsqualität der Bahn in Deutschland und die allgemeine Unzuverlässigkeit des Zugverkehrs sind Hauptargumente der Gegner einer Reservierungspflicht. Außerdem sind Regional- und Fernverkehr in Deutschland eng verknüpft.

Professor Lukas Iffländer, der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, sagt, eine Reservierungspflicht wäre eine radikale Abkehr vom offenen System Bahn in Deutschland, wo jeder jederzeit in einen Zug steigen kann. Wer ein Ticket zum Flexpreis kauft oder gekauft hat, kann mitfahren. Auch wenn der Zug voll ist, hat der Passagier die Entscheidung, ob er noch einsteigen will.

"Ich stehe im Zweifel auch von München nach Berlin, aber ich komme wenigstens an." Lukas Iffländer

Das gehe in einem geschlossenen System nicht. "In Frankreich passiert es durchaus, dass man quasi zwei Tage vor Weihnachten schon nicht mehr in die Heimat kommt, weil alle TGVs ausreserviert sind, also bis zum letzten Sitzplatz besetzt."

In Deutschland sind rund 50 Prozent aller Fernzüge verspätet. Bei Regionalzügen ist die Quote wesentlich besser, aber dennoch gibt es Verspätungen und Anschlusszüge werden nicht erreicht. So verfallen Reservierungen, aber man darf in den nächsten nachfolgenden Zug einsteigen, der vielleicht eine halbe Stunde später fährt, so Lukas Iffländer. Die Alternative? "Ich komme um 16 Uhr in Hannover an, habe den Anschlusszug um 15.30 Uhr verpasst und darf dann erst um 21.30 Uhr weiterfahren."

Markus Hecht, der langjährige Lehrstuhlinhaber für Eisenbahntechnik der TU Berlin, rechnet mit großen Einnahmeausfällen der Bahn, wenn sie eine Reservierungspflicht umsetzen würde. Fernzüge sind laut Hecht zu 60 Prozent ausgelastet und damit erheblich dichter besetzt als in der Schweiz, wo der Auslastungsgrad bei 33 Prozent liege. Dort gibt es also wesentlich mehr Platz. Außerdem fallen in Deutschland sieben Prozent aller Züge komplett aus. Die Bahn in Deutschland würde mit einer Reservierungspflicht weniger Tickets verkaufen. Insofern hätte eine Reservierungspflicht Nachteile für die Kunden und die DB.

Die Sicht der Verbraucherzentrale

Grundsätzlich wäre es wünschenswert, dass Reisende komfortabler und stressfreier mit der Bahn reisen könnten – ohne den Kampf um Sitzplätze und mit mehr Planungssicherheit, heißt es von der Verbraucherzentrale Bayern. Die Rechtsexpertin Ann-Kathrin Edinger schreibt, dass eine automatische Reservierung Vorteile bringen könnte – aber viele Rechtsfragen seien ungeklärt. Eine Reservierungspflicht dürfe nicht zu höheren Ticketpreisen führen.

Heute kann man sich eine Reservierung sparen, wenn man lieber auf sein Glück setzt. Außerdem seien regelmäßig reservierte Sitze frei, weil Fahrgäste die Züge nach Verspätungen gar nicht erreichen. Bei einer Reservierungspflicht wäre Flexticket dann eben nicht mehr flexibel.

Pro Bahn: Reservierungen "weiterentwickeln"

Pro Bahn ist es wichtig, dass der Kauf einer Reservierung freiwillig bleibt. Der Fahrgastverband sieht aber durchaus Möglichkeiten, das Reservierungssystem weiterzuentwickeln. "Volle Züge sind ein Kapazitätsproblem, und die Antwort darauf sind mehr und längere Züge." Wer einen Anschluss verpasst, müsse seine Reservierung ohne neue Zahlung einfach auf den nächsten Zug übertragen können, so ein Vorschlag. Umgekehrt müssten Plätze, "die sicher nicht mehr genutzt werden, etwa nach einem verpassten Anschluss", freigegeben werden. Auch das Kontingent für kurzfristige Reservierungen und die Anzeigen müssten besser werden.

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