Das Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 5" ist am Montag vor der libyschen Küste unter Beschuss geraten, teilte Sea-Watch der ARD mit. Ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache habe mit scharfer Munition auf das Rettungsschiff gefeuert und versucht, es nach Libyen zu zwingen, erklärte die Organisation Sea-Watch.
Libysche Küstenwache droht mit Entern des Schiffes
An Bord seien 90 kurz zuvor aus Seenot gerettete Menschen und 30 Crewmitglieder. Die libysche Küstenwache habe über Funk damit gedroht, das Schiff zu entern und es ans Festland zu bringen. Der Verein Sea-Watch betont, nach internationalem Seerecht käme dies einer Entführung gleich.
Die Bedrohungslage halte an, erklärte Sprecherin Julia Winkler am frühen Nachmittag. Besatzung und Gerettete fürchteten um ihr Leben. Die Besatzung habe einen Notruf abgesetzt und die zuständigen Behörden sowie die deutsche Bundespolizei informiert. Das Schiff Sea-Watch 5 fährt unter deutscher Flagge. "Wir fordern alle europäischen Staaten auf, unverzüglich einzugreifen und diesem gewaltvollen Verhalten Einhalt zu gebieten", betonte Winkler.
Die Regensburger Hilfsorganisation "Sea-Eye" erklärte auf Instagram ihre Solidarität. "Alle Kraft der Welt für eure Crew und die Überlebenden! Es muss sich ganz, ganz dringend einiges ändern", so Sea-Eye.
Fluchtroute Mittelmeer: Schon 1.200 Tote oder Vermisste 2026
Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen und Tunesien in See in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen. Bereits mehrfach hat es Vorwürfe gegeben, dass die libysche Küstenwache Boote mit Migranten und auch Helfer angegriffen hat.
Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 1.200 Tote oder Vermisste bei Versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, gemeldet. Mit Blick auf den Jahresanfang war es laut IOM in diesem Jahr die höchste Opferzahl seit 2014. Seit 2014 wurden – bei vermutlich hoher Dunkelziffer – insgesamt mehr als 34.800 Tote und Vermisste im Mittelmeer gemeldet.
Mit Informationen von EPD
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