Metro hat keine Kontrolle mehr über seine Märkte in Russland: Der Kreml hat das Russland-Geschäft des deutschen Handelskonzerns unter staatliche Verwaltung gestellt. Sämtliche Vermögenswerte würden unter "temporäre Verwaltung" an das russische Unternehmen UK Torg RUS übertragen, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In diesem Monat hatte der Kremlchef unter anderem bereits den Lebensmittelhersteller Nestlé und die französische Warenhauskette Auchan unter externe Verwaltung gestellt.
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Metro beschäftigt in Russland rund 9.000 Menschen und betreibt 91 Märkte. Der Konzern hatte dort in der Vergangenheit Milliardenumsätze eingefahren. Die russische Metro-Tochter teilte mit, der Betrieb laufe normal weiter und alle Verpflichtungen gegenüber Kunden würden erfüllt. Das Unternehmen äußerte sich nicht direkt zu dem Dekret.
Ukraine nahm Wildberries und Ozon ins Visier
In Putins Dekret werden keine Gründe für den Schritt genannt. Der Kreml hatte zu vorherigen Enteignungen erklärt, dass es sich um Unternehmen aus sogenannten unfreundlichen Ländern handle, deren Staatsführungen durch die Hilfe für Kiew in den Ukraine-Krieg verwickelt seien. Die Militärhilfe aus diesen Ländern werde aktiv von Kiew für Schläge gegen die zivil-wirtschaftliche Infrastruktur in Russland genutzt, hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow gesagt.
Die Ukraine wehrt sich auch mit Drohnenangriffen im russischen Hinterland gegen den Angriffskrieg, den Putin vor mehr als viereinhalb Jahren begonnen hat. Dabei wurden zuletzt unter anderem Logistikzentren der größten russischen Online-Versandhandelsunternehmen Wildberries und Ozon zerstört oder beschädigt.
Metro AG blieb nach Kriegsbeginn in Russland
Die Metro AG in Deutschland hatte nach Beginn des von Putin befohlenen Angriffskriegs entschieden, in Russland zu bleiben. "Es war und ist auch für uns ein schwieriger Abwägungsprozess", teilte das Unternehmen bereits 2023 mit.
Zu den Gründen hieß es damals, man trage Verantwortung für die Mitarbeiter vor Ort sowie für die Kunden, die von Metro Russland ihre Lebensmittel beziehen. "Metro Russland ist zudem ein großes Geschäft mit Bedeutung für das Gesamtportfolio des Konzerns." Die Entscheidung sei auch im Interesse der Werterhaltung des Unternehmens für seine Aktionärinnen und Aktionäre gewesen.
Verstärkte Spannungen zwischen Moskau und Berlin
Russland hatte im Zuge der vom Westen verhängten Sanktionen, darunter unter anderem die Beschlagnahmung von Staatsvermögen in der EU, mit Gegenmaßnahmen gedroht. Die jetzige Entscheidung fällt in eine Phase verschärfter Spannungen zwischen Moskau und Berlin wegen des Ukraine-Kriegs.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul hatten sich am Wochenende am Rande der UN-Vollversammlung in New York zu Gesprächen über die Ukraine getroffen. Lawrow erklärte anschließend, er habe dabei keine neuen Erkenntnisse gewonnen. Deutschland wirft Russland einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle vor und hatte als Reaktion unter anderem die Schließung eines russischen Konsulats und eines Kulturzentrums in Berlin angeordnet. Moskau bestreitet die Vorwürfe.
Mit Informationen von AFP, dpa und Reuters
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