Onlinehändler Shein verkauft Sexpuppen mit kindlichen Zügen
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Sexpuppen-Skandal: Frankreich will Onlinehändler Shein sperren

Sexpuppen-Skandal: Frankreich will Onlinehändler Shein sperren

Pünktlich zur Eröffnung ihres weltweit ersten Geschäfts in Paris gerät die Online-Plattform Shein wegen des Verkaufs von Sexpuppen mit kindlichen Zügen unter Druck. Die Regierung will die Plattform sperren, bis sie sich an französisches Recht halte.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Die Onlineplattform Shein ist kurz vor der Eröffnung ihres ersten Ladengeschäfts wegen des Verkaufs von Sexpuppen mit kindlichen Zügen unter Druck geraten. Zwar hat das Unternehmen seine Zusammenarbeit mit der Justiz zugesichert, nachdem die französische Staatsanwaltschaft am Montag Ermittlungen eingeleitet hatte. Trotzdem will die französische Regierung den Internethändler vorläufig sperren. Man habe ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, teilte das Büro von Premierminister Sébastien Lecornu am Mittwoch in Paris mit. Die Plattform solle in Frankreich so lange gesperrt bleiben, bis das Unternehmen sich nachweislich an französisches Recht halte.

Sexpuppe mit Teddy im Arm zum Verkauf angeboten

"Wir werden komplett transparent sein", hatte der Sprecher von Shein Frankreich, Quentin Ruffat, am Dienstag dem Radiosender RMC erklärt. Das Unternehmen sei bereit, die Namen der Käufer solcher Puppen offenzulegen, falls die Justiz dies verlange. Das Angebot der Puppen, die nach Screenshots französischer Medien als "Spielzeug für die männliche Masturbation" angeboten wurden, sei auf einen "internen Fehler" zurückzuführen, sagte Ruffat. "Wir werden neue Vorsichtsmaßnahmen einführen, um so etwas in Zukunft zu verhindern", fügte er hinzu. Die etwa 80 Zentimeter große Puppe mit kindlichen Zügen, die einen Teddy im Arm hält, war für knapp 190 Euro angeboten worden.

Begleitet von Protesten hatte Shein in Paris am Mittwoch einen ersten Ladenbereich im Pariser Traditionskaufhaus BHV Marais eröffnet. Der Leiter des Kaufhauses, Frédéric Merlin, hatte zuvor erklärt, er habe "darüber nachgedacht", die Zusammenarbeit mit Shein zu beenden, sich dann aber von dem Shein-Chef Donald Tang überzeugen lassen. Dieser habe ihm versichert, dass alle Produkte für Erwachsene auf mögliche pädopornografische Aspekte überprüft würden. "Es ist abscheulich", sagte Merlin mit Blick auf die angebotenen Sexpuppen.

Auch andere Onlinehändler unter Druck

Auch andere Onlinehändler gerieten in Frankreich wegen des Verkaufs von Sexpuppen mit kindlichen Zügen unter Druck. Die französische Staatsanwaltschaft leitete am Montag Ermittlungen wegen der Verbreitung von Darstellungen Minderjähriger mit pornografischem Charakter sowohl gegen Shein als auch AliExpress ein. AliExpress erklärte anschließend, das Angebot gelöscht zu haben.

Gegen die Onlinehändler Temu und Wish ermittelt die französische Justiz unterdessen wegen der Verbreitung pornografischer Inhalte, die für Minderjährige zugänglich sind. Es gebe keine wirksamen Filter, um Minderjährige zu schützen, erklärte die zuständige Behörde. Temu betonte, dass es bei den Ermittlungen nicht um Sexpuppen mit kindlichen Zügen gehe.

Regierung droht mit Marktzugang

Wirtschaftsminister Roland Lescure hatte am Montag gedroht, Shein den Zugang zum französischen Markt zu verwehren, falls das Unternehmen weiter solche Objekte anbiete. Vertreter des Unternehmens sollen zudem innerhalb von zwei Wochen vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss erscheinen, teilte der zuständige Abgeordnete Antoine Vermorel-Marques mit.

Die Eröffnung des weltweit ersten stationären Geschäftes im Pariser Kaufhaus BHV hatte massive Kritik ausgelöst. "Shein in Frankreich. Wer kann es noch verhindern?" titelte die Zeitung Libération am Dienstag und druckte ein Foto der Fassade des Traditionskaufhauses, an der ein riesiges Plakat mit Porträts der Unternehmenschefs von Shein und vom BHV hängt.

Shein ursprünglich wegen Fast Fashion in der Kritik

BHV-Chef Merlin erklärte, dass die von Shein dort verkaufte Kleidung "legal importiert" sei und an der Fabrikation keine Kinder beteiligt seien. Das in China gegründete und inzwischen in Singapur ansässige Unternehmen steht in der Kritik, weil es die Märkte mit Billigwaren überschwemmt, die unter ökologisch und sozial fragwürdigen Bedingungen hergestellt werden.

Auch bei der EU-Kommission steht Shein unter verschärfter Beobachtung. Bereits im Februar hatte sie ein erstes Verfahren gegen die Handelsplattform eingeleitet. Wegen möglicher Verstöße gegen das EU-Verbraucherrecht und die europäischen Digitalgesetze. Brüssel kritisiert unter anderem Rabatte, mit denen massive Preissenkungen beworben werden, die aber gar nicht auf den vorherigen Preisen beruhen, oder aggressive Verkaufstaktiken, bei denen zum Beispiel Timer eingesetzt werden, die den Verbrauchern suggerieren, sie müssten sich sofort entscheiden. All das schränke die Wahlfreiheit und die aufgeklärte Kaufentscheidungen der Konsumenten ein, so EU-Justizkommissar Michael McGrath.

Mit Informationen von AFP

Im Video: Frankreich will Shein sperren

Shein-Einkaufstüten
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