Toni Heilmaier legt in der Gedenkstätte Theresienstadt eine Rose neben der Erinnerungstafel für seine jüdische Großmutter Anna Paroubek ab.
Toni Heilmaier legt in der Gedenkstätte Theresienstadt eine Rose neben der Erinnerungstafel für seine jüdische Großmutter Anna Paroubek ab.
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Toni Heilmaier legt in der Gedenkstätte Theresienstadt eine Rose neben der Erinnerungstafel für seine jüdische Großmutter Anna Paroubek ab.
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Toni Heilmaier legt in der Gedenkstätte Theresienstadt eine Rose neben der Erinnerungstafel für seine jüdische Großmutter Anna Paroubek ab.

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Spätes Gedenken an die jüdische Großmutter

Spätes Gedenken an die jüdische Großmutter

Mit 92 Jahren reist Toni Heilmaier aus München erstmals nach Theresienstadt, um den letzten Ort im Leben seiner jüdischen Großmutter Anna Paroubek zu sehen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war eine zufällige Begegnung.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Sichtlich berührt enthüllt Toni Heilmaier in der Gedenkstätte Theresienstadt die Erinnerungstafel für seine jüdische Großmutter. Der 92-jährige ehemalige Schreiner ist mit seinem Sohn, der Enkeltochter und vier Nachbarn nach Tschechien gekommen. An den Tag im Juli 1942, als seine Oma von der Gestapo abgeholt worden ist, kann er sich noch genau erinnern. Er ist acht Jahre alt, die Großmutter wohnt direkt im Haus nebenan.

"Sie ist ins Altenheim gekommen", erzählt ihm die Mutter später. Und dann wird in der Familie jahrzehntelang kaum noch über das Schicksal der Großmutter gesprochen.

Anna Paroubek wäre fast in Vergessenheit geraten

Anna Paroubek wäre dabei fast in Vergessenheit geraten. Eine Chronik aus dem Jahr 1965 über das Stadtviertel Hadern zum Beispiel blendet die Zeit des Nationalsozialismus fast vollständig aus. Erst Anfang der 2000er-Jahre beschäftigt sich die Lehrerin Ursula Saabel mit ihren Schülern damit und findet heraus, dass mindestens zwölf Menschen aus München-Hadern von den Nazis verschleppt worden sind.

Als Toni Heilmaier bei einer Ausstellung dieses Schulprojektes in der Bibliothek zufällig ein Foto seiner Großmutter sieht, entwickelt sich eine bis heute andauernde Freundschaft zwischen dem Schreiner und der Lehrerin. Und diese Freundschaft veranlasst Ursula Saabel, auch nach ihrer Pensionierung weiter an dem Schicksal von Anna Paroubek zu forschen. Und Toni Heilmaier, Geld für zwei Erinnerungstafeln zu spenden und schließlich selbst den letzten Ort im Leben seiner Großmutter zu besuchen.

Einziges Kind überlebt wegen katholischer Taufe

Anna Paroubek wurde 1870 als Anna Graf in der tschechischen Region Mähren geboren und zieht um die Jahrhundertwende auf der Suche nach Arbeit nach München. Sie lernt den katholischen Schneidermeister Anton Paroubek kennen, der ebenfalls aus dem heutigen Tschechien stammt. Dass sie Jüdin ist, spielt erst einmal keine große Rolle.

Doch das ändert sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten: Da sie sich weigert, den sogenannten "Judenstern" zu tragen, darf sie ab September 1941 das Haus nicht mehr verlassen. Ihr Ehemann ist zu dieser Zeit schon an einer Krankheit verstorben. Das einzige Kind Emilie, die Mutter von Toni Heilmaier, überlebt die Zeit wie durch ein Wunder. Weil sie als junge Erwachsene vom Pfarrer in Hadern katholisch getauft worden ist.

Letztes Lebenszeichen: Eine Postkarte aus dem "Kurort Theresienstadt"

Nach der Deportation hört die Familie nichts mehr von Anna Paroubek. Nur einmal kommt noch eine Karte. Aus dem "Kurort Theresienstadt". Wenn Toni Heilmaier davon erzählt, wird seine Stimme wütend: "Das war ein Vordruck. Es geht ihnen gut. Aus Theresienstadt. Und sonst hat man nichts mehr gehört. Die nächste Karte war, dass sie längere Zeit schon gestorben ist. Die ist nicht umgebracht worden, die ist gestorben!"

Hinter den Zahlen stecken Namen, Geschichten, Schicksale

Auch Emilia, die 17-jährige Enkeltochter von Toni Heilmaier, ist nach Theresienstadt mitgekommen. Dass hinter den Zahlen Geschichten und Schicksale stehen, wird der Schülerin hier in Theresienstadt wieder sehr bewusst: "Sonst sieht man nur irgendwelche Namen. Aber uns in der Familie hat's auch getroffen."

"Dieses Unrecht, da musste ich etwas tun"

Durch die Recherchen der Lehrerin Ursula Saabel ist mittlerweile gut dokumentiert, welche Stationen Anna Paroubek durchlaufen musste, bis sie in Theresienstadt angekommen ist. Im September 1943 stirbt sie dort an den grausamen Bedingungen.

Die Anbringung der Erinnerungstafel dort ist somit auch für die ehemalige Lehrerin ein Abschluss: "Es ist erschütternd, immer wieder. Weil dieses Unrecht, das diesem Menschen getan wird, da musste ich etwas tun!"

Bald wird erste Gedenktafel in Hadern aufgestellt

Organisiert hat die Reise nach Theresienstadt Reinhard Weber vom Geschichtsverein Hadern. Dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gedenkstätte so viel Zeit für die Gruppe aus München nehmen, beeindruckt ihn sehr: "So freundlich, wie wir aufgenommen worden sind, was die uns für eine würdevolle Veranstaltung da bereitet haben, uns alles gezeigt haben, uns wirklich derartig willkommen geheißen … das war schon sehr gut".

Neben der Tafel in Theresienstadt wird am 15. September eine weitere am ehemaligen Wohnort von Anna Paroubek in Hadern angebracht. Es ist die erste Gedenkstele in diesem Viertel für die ermordeten Opfer des Nationalsozialismus.

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Erinnerungstafel für Anna Paroubek in der Gedenkstätte Theresienstadt.

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