Die Elternschaft per Leihmutter hatte Jens Spahn das Spitzenamt in der Unionsfraktion gekostet und eine größere Umbesetzung des Bundeskabinetts ausgelöst. Nach der Sommerpause ist der CDU-Politiker zurück im Bundestag – und entschuldigt sich bei seinem Heimatwahlkreis.
Spahn: "Möchte Sie um Entschuldigung bitten"
In einem Brief an die CDU-Mitglieder seines Wahlkreises in Steinfurt I /Borken I im Münsterland bittet der 46-Jährige um Entschuldigung für seinen Umgang mit einer Leihmutterschaft. "Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen", so Spahn. Durch den Widerspruch zwischen seiner "früher öffentlich vertretenen Haltung" und seiner persönlichen Entscheidung habe er Vertrauen enttäuscht, schreibt Spahn seinen Parteifreunden. "Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten."
Mit seinem Mann habe er viele Jahre lang unterschiedliche Wege "erwogen, geprüft, verworfen und erneut betrachtet", den gemeinsamen Wunsch, eine Familie zu gründen, zu erfüllen. In diesem Prozess habe sich seine eher skeptische Haltung einer Leihmutterschaft gegenüber verändert. Wichtig dabei seien die konkreten Bedingungen in den USA sowie die deutsche Rechtsprechung gewesen. Der zufolge sei seit 2018 eine gerichtlich in den USA festgestellte Elternschaft nach Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit deutschem Recht vereinbar.
Leihmutterschaftsgegner nutzte Leihmutter
Er habe es "versäumt, diesen Abwägungsprozess rechtzeitig offenzulegen und meine veränderte Position zu erklären", schreibt Spahn in dem Brief. Er habe eine schwierige Debatte vermeiden wollen. Das sei "auch zum Schutz meiner werdenden Familie" geschehen, wirbt er um Verständnis. Er habe aber "am Ende eine sehr viel schwierigere Debatte ausgelöst. Das war falsch. Ich bedaure das zutiefst."
Die Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die CDU spricht sich klar dagegen aus, sie zu legalisieren. Auch Spahn selbst hatte das in der Vergangenheit getan. Zugleich hatte er im Juli publik gemacht, dass er und sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen haben. Es kam in den USA zur Welt, wo Leihmutterschaft nicht verboten ist.
Neustart im Haushaltsausschuss des Bundestages
Der CDU-Politiker hat nicht alle politischen Ämter aufgegeben: Sein Bundestagsmandat behält er. Er wird nun Mitglied des Haushaltsausschusses. Im Plenum des Bundestages hatte er bereits in der ersten Sitzungswoche sein Comeback am Rednerpult.
Im Brief an seine Parteikollegen erklärt er, er wolle als direkt gewählter Abgeordneter seines Wahlkreises weiterhin die Interessen seiner Heimat im Bundestag vertreten und dabei als neues Mitglied im Haushaltsausschuss inhaltlich an seine bisherige parlamentarische Arbeit anknüpfen. "Beide Aufgaben möchte ich mit voller Kraft wahrnehmen – in dem Bewusstsein, dass Vertrauen immer wieder neu erarbeitet werden muss."
Mit Material von dpa und afp
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