Der britische Premierminister Keir Starmer und seine Frau Victoria kehren nach Starmers Rücktrittserklärung in die Downing Street 10 zurück.
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Starmers Rückzug – warum der britische Premier aufgeben musste
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Starmers Rückzug – warum der britische Premier aufgeben musste

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Starmers Rückzug – warum der britische Premier aufgeben musste

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Der britische Premierminister Keir Starmer hat seinen Rücktritt angekündigt. Er hatte in seiner Fraktion und im Kabinett keine Unterstützung mehr. Zum Schluss warf noch ein populärer Herausforderer seinen Hut in den Ring. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Diese Ansprache wollte Keir Starmer nicht halten: Zwei Jahren nach dem überwältigenden Wahlerfolg seiner Labour-Partei und seinem Einzug in Downing Street 10, unter der brütenden Vormittagssonne Londons, in Anwesenheit seines Kabinetts, seiner Mitarbeiter und seiner Ehefrau, vor einer Phalanx von Kameras und Reportern, brauchte der scheidende Premierminister kaum mehr als sechs Minuten, um zu seinem großen Bedauern das Unvermeidbarer auszusprechen: "Die Frage, die sich meine Partei derzeit stellt, ob ich am besten geeignet bin, uns in die nächsten Parlamentswahlen zu führen", sei ihm von seiner Fraktion gestellt worden, sagte Starmer und fuhr fort: "Ich habe die Antwort meiner Fraktion auf diese Frage gehört und nehme diese Antwort mit Würde entgegen."

Da er das Land, "das ich liebe", an erste Stelle setze, "werde ich als Vorsitzender der Labour-Partei zurücktreten." Sein Amt als Regierungschef werde er bis zur ordnungsgemäßen Übergabe an seinen Nachfolger ausüben. Starmer dankte seiner Frau Victoria, die ihn in den vergangenen Wochen seit den verheerenden Ergebnissen bei den Kommunalwahlen im Mai stets zum Durchhalten ermutigt hatte, und kehrte mit ihr in seinen Amtssitz in der Downing Street 10 zurück. Den Ort, den er bald verlassen wird.

Erst überwältigender Wahlsieg, dann rascher Vertrauensverlust

Es war dem oftmals blass und steif wirkenden Keir Starmer zu verdanken, dass er die zuvor arg zerstrittene Labour-Partei nach 14 Jahren in der Opposition im Juli 2024 zu einem überwältigenden Wahlerfolg geführt hatte. Von einem Erdrutschsieg war die Rede, hatte Labour doch 411 der 649 Sitze im britischen Unterhaus gewinnen können. Eine absolute Seltenheit in der britischen Parlamentsgeschichte.

Mit seiner trockenen, seriösen Art hatte der Jurist, der erst mit Anfang 50 in die Politik eingestiegen war, einen deutlichen Kontrast dargestellt, im Vergleich zu den turbulenten bis chaotischen Regierungsjahren der Konservativen, von Boris Johnson über Liz Truss bis Rishi Sunak.

Starmer hatte seine Partei finanziell auf gesunde Beine gestellt und politisch wieder in die Mitte gerückt. Den Wählern hatte er versprochen, sachorientiert zu regieren, Arbeitnehmerrechte zu stärken, keine Steuern zu erhöhen, und das chronisch malade Gesundheitssystem zu reformieren. Doch der überragende Wahlsieg vom Sommer 2024 war kein Votum für Labour, sondern eine massive Abwahl der langjährig regierenden Konservativen Partei.

"Weder von Beruf noch aus Überzeugung Politiker"

Was Starmer fehlte, war genau der Grund, weswegen er in Downing Street 10 einziehen konnte: Er war kein Berufspolitiker, er kommunizierte eher statisch und formelhaft, konnte nach seinem Amtsantritt der Bevölkerung nicht klar erklären, welche Vision er von einem Großbritannien habe, das unter den negativen Folgen des EU-Austritts, hohen Zinsen, Wohnungsmangel und einer anhaltenden Wirtschaftskrise leidet.

Handwerkliche Fehler beim Regieren, klamme Staatsfinanzen, gebrochene Wahlversprechen und falsche Personalentscheidungen ließen Starmers Zustimmungswerte drastisch absinken. Er sei einfach nicht beliebt und werde es auch nicht mehr, musste sich der Premier immer häufiger anhören. "Sir Keir Starmer war weder von Beruf noch aus Überzeugung Politiker", wie die "Financial Times" heute ihren Rückblick auf die Amtszeit des Premiers zutreffend analysiert.

Verlorene Kommunalwahlen im Mai 2026 leiten Ende ein

In einem Desaster für Starmers Labour-Partei endeten die Kommunal- und Regionalwahlen in England, Wales und Schottland Anfang Mai dieses Jahres. Die rechtsnationale Reform UK-Partei von Nigel Farage landete auf Platz 1, gefolgt von den Grünen. Labour und Konservative kamen jeweils nur auf 17 Prozent. Das traditionelle Zwei-Parteien-System Großbritanniens geriet ins Wanken.

Der Druck auf Keir Starmer wuchs, den Weg freizumachen für einen Kandidaten, mit dem Labour bei den nächsten Parlamentswahlen zum Unterhaus im Jahr 2029 erfolgreich antreten könnte. Der Herausforderer meldete umgehend nach dem Desaster vom Mai seinen Anspruch, Starmer beerben zu wollen: Andy Burnham, der Bürgermeister der Region "Greater Manchester". Burnham war zu dem Zeitpunkt kein Mitglied des Parlaments und konnte daher zunächst nicht als Starmer-Konkurrent antreten.

Der Nachfolger

Burnham überzeugte einen jungen Labour-Abgeordneten, zurückzutreten, damit der Wahlkreis vakant wurde und somit Nachwahlen erforderlich waren. Burnham, ein 56-jähriger erfahrener Labour-Politiker mit Regierungserfahrung unter dem damaligen Labour-Premier Gordon Brown, gewann den Wahlkreis vor wenigen Tagen, am 18. Juni, mit knapp 55 Prozent der Stimmen. Er konnte sich deutlich gegen den Kandidaten der rechtsnationalen Reform UK‑Partei durchsetzen. Damit war der Weg für Burnham frei.

Heute kündigte Starmer seinen Rückzug an. Über das vergangene Wochenende hätten sich zahlreiche Kabinettsmitglieder und Labour-Parlamentarier erneut an den Premier mit der nachdrücklichen Bitte gewandt, eine parteischädigende offene Konfrontation zu Burnham zu vermeiden und die politische Bühne freizugeben.

Dafür steht Andy Burnham

Burnham gehört zum Lager der britischen EU-Befürworter. Er setzte sich vor zehn Jahren bei der sogenannten "Brexit"-Kampagne für das Verbleiben Großbritanniens in der Europäischen Union ein. Selbst einige Jahre später sprach sich Burnham für ein zweites Referendum aus. Doch Burnham weiß heute, dass er den Austritt aus der EU nicht rückgängig machen kann. "Ich schlage nicht vor, dass Großbritannien darüber nachdenken sollte, sich der EU wieder anzuschließen," sagte er während seines Wahlkampfs vor wenigen Wochen. Er respektiere die Entscheidung des Referendums. Wirtschaftspolitisch tritt Burnham nach eigenen Worten für einen "unternehmensfreundlichen Sozialismus" ein.

Im Video: Keir Starmer tritt zurück

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